Das Parkett in Bewegung (XXXIII):

Zählkandidat? Oder Fachmann mit Charme?

von Pascal Bazzazi, Berlin, 31. März 2021

Ein großer deutscher Asset Manager regelt sehr frühzeitig seine Vorstandsverhältnisse neu, ein noch größerer internationaler Asset Manager verstärkt sich sales-seitig in Deutschland, ebenso eine kleine Versicherungsbank. Außerdem findet ein großer internationaler Berater für sein deutsches Investment Consulting eine interne Lösung. Und im Karussell auf dem europäischen Parkett mischt ein Deutscher mit – wobei man auf den Ausgang gespannt sein darf.

 

 

Heute erneut auf LEITERbAV Personalbewegung, deren Wirkung auch das Pensionswesen erfasst und die daher zu vermelden lohnt:

 

Union Investment: zwei Mal interne Lösung

 

Sonja Albers, Union Investment.

Mit viel Vorlauf hat die Union Asset Management Holding AG Weichen in ihrem Vorstand gestellt:

 

Zum 1. März 2022 werden Sonja Albers und André Haagmann neu in das Gremium berufen.

 

Albers, 49, ist seit 1998 bei der Union, derzeit als Bereichsleiterin Konzern-Personal. Die Diplom-Ökonomin übernimmt neben der Verantwortung für das Personalressort zusätzlich das Segment Fondsdienstleistungen sowie den Bereich Recht und Compliance.

 

 

André Haagmann, Union Investment.

Haagmann, 48, Betriebswirt, ist seit 2006 im Konzern und derzeit Geschäftsführer der Union Investment Institutional GmbH. Er wird Alexander Schindler nachfolgen, der 2004 in den Vorstand eintrat und Ende März 2022 in den Ruhestand geht. Haagmann übernimmt von Schindler das Institutionelle Geschäft und die Investmentanalyse.

 

Die Union Investment, gegründet 1956 von mehr als einem Dutzend Genossenschaftsbanken und einigen wenigen Privatbanken, vereint heute unter ihrem Dach zahlreiche Tochterunternehmen, beschäftigt fast 4.000 Menschen und verwaltet für mehr als fünf Millionen Kunden ca. 390 Mrd. Euro.

 

WTW: ebenfalls zwei Mal interne Lösung

 

Tobias Bockholt, Willis Towers Watson.

Auch Willis Towers Watson hat sich in der Frage der Nachfolge Nigel Cresswells für eine interne Lösung entschieden und Tobias Bockholt zum 1. April zum Leiter Investment Consulting Deutschland ernannt.

 

Bevor Bockholt 2015 zu dem Consultant stieß, war er Head of Institutional Clients der BNP Paribas Investment Partners in Deutschland. Bei Willis Towers Watson betreut der 48Jährige insb. regulierte Anleger wie Pensionskassen und Versorgungswerke. Diplom-Kaufmann Bockholt verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Investment Banking und Asset Management.

 

Und nochmal interne Lösung: Cresswells Aufgaben im Aufsichtsrat des 4,5 Mrd. Euro schweren WTW-Pensionsfonds wird künftig Matthias Paetzel, Director des Consultants und seit 2016 im Haus, übernehmen.

 

Willis Towers Watson ist als globaler Berater und Dienstleister tätig, besonders in den Bereichen Advisory, Broking und Solutions, und beschäftigt in mehr als 140 Ländern rund 40.000 Menschen.

 

LGIM: Verstärkung im DACH-Kernmarkt

 

Hans-Peter Bauder, LGIM.

Hans-Peter Bauder ist neuer Institutional Client Director Germany, Switzerland & Austria der Legal & General Investment Management in Frankfurt.

 

Der Diplom-Ökonom kommt von der Caceis Kas Bank German Branch, wo er zuletzt als Head of Relationship Management tätig und damit u.a. für die Betreuung insbesondere von CTAs, Pensionsfonds und internationalen Pension Consultants zuständig war.

 

Bauder, Jahrgang 1967, hat nahezu 30 Jahre Erfahrung in der institutionellen Vermögensverwaltung, im Asset Servicing und im Versicherungswesen und betreut bei LGIM nun institutionelle Investoren und Investment Consultants in der DACH-Region.

 

Legal & General Investment Management verwaltet weltweit derzeit gut 1,4 Bio. Euro und nennt Deutschland als einen der strategischen Kernmärkte.

 

Donner & Reuschel: ebenfalls Verstärkung in DACH

 

Volker Mauß, Donner Reuschel. Foto: ApoBank.

Volker Mauß, bis dato Bereichsleiter der Apobank, tritt zum 1. Mai als Leiter institutionelles Geschäft in der DACH-Region in die Bank Donner und Reuschel AG ein.

 

Der 51jährige Diplom-Kaufmann soll in dieser Funktion mit Sitz in Düsseldorf das Geschäft der Bank mit institutionellen Kunden ausbauen, das betrifft das Verwahrstellengeschäft, die Asset-Klasse Immobilien sowie die Kundengruppe der Krankenkassen.

 

Das Bankhaus, gegründet 1798, seit den 90er Jahren des 20.Jahrhunderts Teil der Signal Iduna-Gruppe und in seiner heutigen Form 2010 aus dem Merger der Hamburger Conrad Hinrich Donner Bank und der Münchner Privatbank Reuschel & Co. zu Donner & Reuschel entstanden, betreut ca. 16 Mrd. Euro AuM für vermögende Privatkunden, Unternehmer und Immobilienkunden sowie institutionelle und Capital Markets-Kunden.

 

EIOPA: ausgerechnet ein Deutscher in Deutschland?

 

Bekanntlich hat der portugiesische Aktuar Gabriel Bernardino seine zweite Amtszeit als Chef der europäischen Versicherungs- und Pensionsaufsicht EIOPA (und damit eine Art Gründungsvater der Behörde) jüngst beendet.

 

Christian Thimann, Athora.

Das Board of Supervisors, das Aufsichtsgremium der EIOPA, hat nun dem ECON und dem Europäischen Rat (der neue EIOPA Chair muss vom EP bestätigt und vom Rat ernannt werden) drei Kandidaten für die Nachfolge vorgeschlagen. Neben dem Italiener Paolo Cadoni, derzeit bei der Bank of England, und Petra Hielkema von De Nederlandsche Bank ist darunter auch ein Deutscher: Christian Thimann, der Geschäftsführer Athora Deutschland. Wie stehen seine Chancen?

 

Einerseits: Thimann ist vom Fach – vor der Zeit bei Athora war er von 2014 bis 2018 Regulierungs- bzw. Strategievorstand des AXA-Konzerns und daneben Aufsichtsrat der konzerneigenen Vermögensverwalter Alliance Bernstein und AXA Investment Managers, davor wiederum bei der EZB, zuletzt im Rang eines Generaldirektors.

 

Andererseits: Mit Ursula von der Leyen sitzt schon eine Deutsche in zentraler Position in der EU-Hierarchie. Außerdem verlieren die Niederländer derzeit turnusgemäß ihren ESMA-Chair Steven Maijoor, und just dort ist mit Verena Ross, derzeit ESMA-GF, ebenfalls eine Deutsche im Rennen, außerdem ebenfalls ein Italiener. Vor allem aber hat die EIOPA ihren Sitz bekanntlich in Frankfurt – und eine so zentrale EU-Aufsichtsbehörde des Finanzwesens mit Sitz in Deutschland soll ausgerechnet mit einem Deutschen besetzt werden? Das dürfte im EP wie im Rat nicht nach jedermanns Geschmack sein, das gilt vor allem für Frankreich.

 

Insofern darf man die Chancen Thimanns wohl als überschaubar bezeichnen. LEITERbAV hat schon – lange also bevor Thimann überhaupt ins Rennen ging – unzweideutig geunkt, dass ein Deutscher diesen Posten nicht übernehmen wird“.

 

Ist Thimann also ein reiner Zählkandidat? Nein, denn never say never, und zugegeben – es hätte zweifelsohne einen gewissen, zukunftsweisenden Charme, übernähme ausgerechnet der Chef einer Run-off-Plattform die Aufsicht über die europäischen Assekuranzen und Pensionsfonds im NoExit-Nullzins-Europa des frühen 21. Jahrhunderts. Wie gesagt, vom Fach ist er



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