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Olaf Keese im Interview (II):

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

 

Die Sparkassen Pensionskasse AG hat das vergangene Geschäftsjahr gut gemeistert, wie die druckfrischen Bilanzdaten verraten. Doch auch abseits des operativen Geschäfts gibt es genug zu tun. Über europäische Regulierungsvorhaben und deutsche Reformideen sprach Olaf Keese, Vorstand der Sparkassen Pensionskasse AG, in Köln mit Rita Lansch – Teil II eines Interviews.

 

 

Apropos Stresssituation, Herr Keese, beteiligt die Sparkassen Pensionskasse sich am jüngsten Quantitative Assessment der europäischen Aufsicht EIOPA?

 

Olaf Keese, S-Pension.
Olaf Keese, S-Pension.

 

Beim Stresstest sind wir auf jeden Fall mit dabei, beim QA wollen wir es. Allein der momentan ausgearbeitete Stresstest zeigt aber schon, dass es für unsere kleine Mannschaft ein ziemlicher Kraftakt werden wird, die Abgabefrist einzuhalten. Zu viele offene Punkte sind noch zu klären, und der Umgang mit zum Teil widersprüchlichen und unklaren Vorgaben auch. Und das noch mitten in einem Hochsommer und zur besten Urlaubszeit. Also, Timing und inhaltliche Tiefe sind nicht gerade optimal. Aber die Ergebnisse sind auch für uns selber von Interesse, auch für den Abgleich mit unserer bisherigen internen Steuerungslogik, die bereits Elemente von Solvency II enthält.

 

 

 

Befürchten Sie nicht, dass die Frankfurter Solvency II durch die Hintertür doch in der bAV einführen?

 

So einfach durch irgendeine Hintertür wird es ja nicht gehen. Warten wir erst einmal die Ergebnisse ab, und dann die europaweiten politischen Reaktionen darauf.

 

 

 

Sicher wären nur steigende Kosten – und ein erhebliches Modellrisiko.“

 

 

 

Also keine Angst vor Solvency II?

 

Wir müssen uns grundsätzlich nicht davor fürchten. Aber wir sind natürlich nicht daran interessiert und halten es auch nicht für sachgerecht, wenn ein Standard-Regelwerk der Versicherer eins-zu-eins auf eine betriebliche Versorgungseinrichtung übertragen würde. Dazu ist unser Geschäftsmodell zu besonders, das neben einer sehr langfristigen und konservativ ausgelegten Unternehmensstrategie ja beispielsweise auch die Arbeitgeberhaftung als konstituierendes Element umfasst. Oder auch viele Besonderheiten im Detail wie zum Beispiel eine eingeschränkte Stornomöglichkeit und dadurch ein bedeutend niedrigeres Liquiditätsrisiko. Aber ob ein „Standard-Internes-Modell für EbAV“ wirklich weiterhilft und uns neue Erkenntnisse liefert, wage ich zu bezweifeln. Sicher wären nur steigende Kosten – und ein erhebliches Modellrisiko.

 

 

 

Wir brauchen keine Tariffonds.“

 

 

 

Und was halten Sie von der im Bundesministerium für Arbeit und Soziales geborenen Idee sogenannter Tariffonds als Beschleuniger für die lahmende bAV?

 

Die Überlegungen sind nach meinem Kenntnisstand kaum geeignet, um die Verbreitung der bAV bei kleinen und mittleren Unternehmen tatsächlich zu verbessern. Denn woran hapert es dort? Für die Arbeitgeber ist es doch oft eine zu hohe Komplexität. Das Paradebeispiel für mich – wenn auch nicht aus dem Bereich der Entgeltumwandlung – ist das derzeit für viele Unternehmen deutlich werdende Zins-Risiko auf der Passivseite. Stichwort Pensionsrückstellungen, die sich durch Auslagerung reduzieren ließen. Das funktioniert aber nur, wenn man Pensionsfonds und Unterstützungskasse kombiniert – zwei Durchführungswege, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, und die nicht wirklich reibungslos miteinander funktionieren. Für die Entgeltumwandlung verursacht ein weiterer Durchführungsweg wie der Tariffonds noch mehr Komplexität und wirft zum Beispiel Fragen nach der Gleichbehandlung auf. Und die Enthaftung der Arbeitgeber, was ja häufig als Begründung für den neuen Durchführungsweg angeführt wird, funktioniert heute schon über die Beitragszusage mit Mindestleistung. Dafür brauchen wir keine Tariffonds.

 

 

 

Und die Arbeitnehmer?

 

Für die Arbeitnehmer hapert es oft an der mangelnden Information und Motivierung durch den Arbeitgeber und an der unsäglichen Doppelverbeitragung der Betriebsrenten in der Kranken- und Pflegeversicherung. Die ist für Arbeitnehmer ein echtes Hindernis, auf das ja auch in den Medien immer wieder deutlich hingewiesen wird. Die Doppelverbeitragung gehört abgeschafft, ehe man sich etwas Neues einfallen lässt. Vielen Bürgern fehlt es auch schlicht an den finanziellen Möglichkeiten für zusätzliche Vorsorge. Da sollte der Staat ansetzen. Analog zur Riester-Förderung muss es ein einfaches Zulagensystem geben. Gerade in den unteren Einkommensklassen greifen Steuervorteile nicht so gut.

 

 

 

Ihre Vorschläge wären für den Fiskus aber alles andere als kostenneutral. Glauben Sie da spielt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit?

 

Die Chancen standen selten besser. Der Staat nimmt aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der verbesserten Ertragslage von Unternehmen nicht nur mehr Steuern ein, er spart an anderer Stelle auch kräftig. Denn allein die Minderausgaben durch die Niedrigzinsen, die den Bürgern ihre notwendige Vorsorge ganz erheblich verteuert, bieten aktuell den nötigen Spielraum. Die Regierung muss ihn nur nutzen – wenn nicht jetzt, wann dann?!

 

 

 

 

Die Sparkassen Pensionskasse AG 2014

 

Die Sparkassen Pensionskasse AG hat sich im vergangenen Geschäftsjahr gut geschlagen. Während der Markt beim Neugeschäft einen Rückgang von zwei Prozent verzeichnete, schafften die Kölner einen Zuwachs um 20 Prozent. Das entspricht 13.855 neuen Verträgen. Folglich schnitt die Pensionskasse des Sparkassen-Verbunds im zwölften Jahr ihres Bestehens auch beim Bestand besser ab als der Durchschnitt: Plus 2,7 Prozent auf 372.620 Verträge, während die Branche lediglich ein Plus von einem Prozent erzielte.

 

Die Bruttobeitragseinnahmen gingen zwar von 341,5 auf 322,3 Millionen Euro zurück. Das lag jedoch an der Veränderung der Beitragsabgrenzung zum Vorjahr. Durch diesen Sondereffekt fielen die Beiträge Ende 2013 rechnerisch höher aus. Die Kapitalanlagen konnte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 408,4 Millionen Euro entsprechend zwölf Prozent auf 3.669,1 Millionen Euro steigern. Diesen stehen Deckungsrückstellungen von brutto 3.552,1 Millionen Euro (Vorjahr: 3.130,1 Millionen Euro) gegenüber.

 

Die Nettoverzinsung konnte gegen den Trend auf 4,6 Prozent gesteigert werden, was deutlich über dem durchschnittlichen Rechnungszins von 3,05 Prozent liegt. Das Ergebnis aus Kapitalanlagen betrug 153,4 Millionen Euro. Die Kosten konnten trotz des guten Neugeschäfts stabil gehalten werden. Unter dem Strich erwirtschaftete die S-Pensionskasse damit einen Jahresüberschuss von 3,1 Millionen Euro (Vorjahr: 2,8 Millionen Euro). Nach Einstellung von 1,56 Millionen Euro in die Gewinnrücklagen und mit einem Gewinnvortrag in Höhe von 10,3 Milionen Euro aus dem Vorjahr beläuft sich der Bilanzgewinn auf 11,9 Millionen Euro (Vorjahr 10,3 Millionen Euro). rl

 

 

Ende des zweiten Teils des Interviews mit Olaf Keese.

Teil I findet sich hier.

 

Diskriminierungsfreie Sprache auf LEITERbAV

LEITERbAV bemüht sich um diskriminierungsfreie Sprache (bspw. durch den grundsätzlichen Verzicht auf Anreden wie „Herr“ und „Frau“ auch in Interviews). Dies muss jedoch im Einklang stehen mit der pragmatischen Anforderung der Lesbarkeit als auch der Tradition der althergerbachten Sprache. Gegenwärtig zu beobachtende, oft auf Satzzeichen („Mitarbeiter:innen“) oder Partizipkonstrukionen („Mitarbeitende“) basierende Hilfskonstruktionen, die sämtlich nicht ausgereift erscheinen und dann meist auch nur teilweise durchgehalten werden („Arbeitgeber“), finden entsprechend auf LEITERbAV nicht statt. Grundsätzlich gilt, dass sich durch LEITERbAV alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen sollen und der generische Maskulin aus pragmatischen Gründen genutzt wird, aber als geschlechterübergreifend verstanden werden soll. Auch hier folgt LEITERbAV also seiner übergeordneten Maxime „Form follows Function“, unter der LEITERbAV sein Layout, aber bspw. auch seine Interpunktion oder seinen Schreibstil (insb. „Stakkato“) pflegt. Denn „Form follows Function“ heißt auf Deutsch: "hässlich, aber funktioniert".

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