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Von Flüchen, Wölfen und Lemmingen …

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 29. Juni 2018

Der moderne Pensionsinvestor ist politischen Krisen ausgesetzt – großen wie kleinen, realen wie denkbaren, auf der Makro- wie auf der Mikroebene. In der konkreten Ausprägung zeigt sich das derzeit bei den Pensionskassen. Pascal Bazzazi kommentiert.

 

Die „vornehmste Aufgabe, so Bayers Stefan Nellshen im Roundtable dieser Ausgabe, ist es, auch in krisenartigen Verläufen die Fähigkeit zur Rentenzahlung im Sinne der Berechtigten zu erhalten. Es gilt also, egal was auch passiert, die Funktionsfähigkeit der EbAV sicherzustellen – das betrifft nicht zuletzt, sondern vor allem die Kapitalanlage.

 

Dass dabei besonders auf der militärischen Ebene Krisenverläufe denkbar sind, deren Schwere auch den Pensionsinvestor – wie jedes Wirtschaftssubjekt – praktisch zur fatalistischen Hinnahme verdammt, ist dabei nur scheinbar eine Binsenweisheit.

 

 

 

 

Von Nordkorea zum Iran

 

Zum Zeitpunkt des Roundtable-Gesprächs stand noch die Nordkorea-Krise im Fokus der politischen und medialen Aufmerksamkeit, doch scheint sich dort derzeit eine gewisse Entspannung wenigstens anzudeuten (etwas, das sich jederzeit fortsetzen, aber auch wieder um 180 Grad drehen kann).

 

In den Mittelpunkt des Interesses rückt dagegen derzeit der Iran, gegen den die Trump-Administration zunehmend – manche sagen aggressiver, manche sagen konsequenter – vorgeht und die dabei in der Region Applaus von mächtigen lokalen Akteuren erhält, die selber alles andere als über jeden Zweifel erhaben sind. Das positive Szenario wäre hier, dass der Iran unter dem Druck einknickt und wie Nordkorea den Dialog sucht.

 

Spinnt man diesen Faden jedoch mit ein bisschen kassandrischer Phantasie weiter, kann man sich durchaus auch vorstellen, dass der grausame Stellvertreterkrieg, der in Syrien zwischen dem Iran und Saudi-Arabien tobt, in einen direkten Krieg zwischen den beiden Regionalmächten umschlägt, vielleicht sogar unter Beteiligung Israels in einer Allianz mit den Saudis. Das wäre nun wirklich der vollkommene geostrategische Super-Gau – nicht nur unmittelbar für die ganze Region, sondern via ökonomischer Verwerfungen, Flüchtlingsströme und Terrorgefahren für die ganze Welt. Doch betroffen wären hier sicher vor allem Europa und Russland, und die direkten Folgen könnten sogar bis nach Ostasien und damit auch nach China reichen (man denke nur an die Beeinträchtigung des schönen neuen Projektes namens Seidenstraße). Wenn überhaupt, könnte nur der amerikanische Kontinent von einem solchen Flächenbrand-Szenario halbwegs verschont bleiben, relativ sogar als Gewinner hervorgehen. Bleibt zu hoffen, dass die US-Eliten eben diesen Aspekt nicht in ihr diplomatisch-politisches Kalkül einbeziehen.

 

Wie dem auch sei, solch militärischen Exzessen stünde auch der Pensionsinvestor wohl weitgehend hilflos gegenüber (abgesehen davon, dass er – man mag es vor Zynismus kaum schreiben – in einem solchen Szenario Öl und US-Dollar long gehen sollte, bis es quietscht).

 

Anfang Juni ist die fünfte Print-Sonderausgabe bAV der dpn in Kooperation mit LEITERbAV erschienen, aus der dieser Beitrag stammt. Der gesamte Beitrag findet sich als pdf zum Download hier (Ausdruck tonerintensiv):

 







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