Jahresabschluss 2020 der Kölner Pensionskasse:

Unauffällig solide

von Pascal Bazzazi, München; Köln am Rhein, 7. Juli 2021

 Wie ihre größere Schwester kann auch die Kölner Pensionskasse – die anders als diese wegen ihres offenen Mitgliederkreises allerdings rechtlich ein großer Verein ist – sich aus ihrer Schieflage weiter herausarbeiten. Vor allem konnte die Solva weiter gestärkt werden. Billig ist so einen Sanierung übrigens nicht zu haben.

 

Nachdem schon ihre Schwester-Einrichtung, die Pensionskasse der Caritas (PKC), jüngst stabilisierende Zahlen für 2020 vermeldet hatte, hat nun die Kölner Pensionskasse nachgezogen und schreitet auf dem Weg der Sanierung ebenso voran.

 

Die Kölner Pensionskasse erzielte im Geschäftsjahr 2020 ein „gutes Ergebnis“, so hat die Einrichtung gestern vermeldet; im Geschäftsbericht nennt sie es analog zur PKC „fast schon unauffällig“. Am Montag hatte die Mitglieder-Vertreterversammlung den Jahresabschluss verabschiedet. Nachdem sich die Kasse in den beiden vorletzten Jahren stabilisiert und 2019 aufgrund der Zuschreibungen bei Kapitalanlagen ein sehr gutes Ergebnis erreicht hatte, verlief auch 2020 trotz Pandemie positiv:

 

Vorneweg: Die Pensionskasse konnte ihre Eigenmittelausstattung und die damit verbundene Risikotragfähigkeit weiter erhöhen und eine Solvabilitätsquote von fast 115% erreichen (VJ: 107). Die Kasse erfüllt zum 31. Dezember 2020 deutlich die gesetzlichen Solvabilitätsanforderungen (und ist hier also schon weiter als die PKC).

 

Der Jahresüberschuss nahm auf 0,959 Mio. Euro ab (VJ: 1,21) und wurde der Verlustrücklage zugeführt. Zudem wurden 0,753 Mio. Euro (VJ: 9,99) der RfB zugeführt. Der Rohüberschuss lag also insgesamt bei ca. 1,71 Mio. Euro. Eine Überschussbeteiligung unternimmt die Kasse weiterhin nicht; die Eigenmittel stiegen insgesamt um den Rohüberschuss und lagen Ende 2020 bei 18,9 Mio. Euro.

 

Sanierung ist nicht billig

 

Wie die Caritas PK ist auch die KPK mittlerweile in Liquidation und ohnehin längst im Run off (für vermutlich wie bei der PKC ca. 80 Jahre) und schrumpft daher. Auch im Jahr 2020 konnten daher keine neuen Versicherungsverträge verzeichnet werden. Der Versichertenbestand der Pensionskasse verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 30.246 Versicherte (VJ: 30.810). Die Beitragseinnahmen gingen um immerhin 19,6% auf 15,1 Mio. Euro zurück (VJ: 18,8). An Versicherungsleistungen wurden im Berichtsjahr 10,7 Mio. Euro gezahlt (VJ: 16,2). Wie die Kasse erklärt, ergab sich der Rückgang aus den umgesetzten Leistungskürzungen sowie aus den rückläufigen Erstattungszahlungen.

 

Das Ergebnis der Kapitalanlagetätigkeit im Geschäftsjahr beträgt 12,4 Mio. Euro (VJ: 32). Dies entspricht einer Nettoverzinsung von 3,35% (VJ: 8,8). Bilanziell gingen die Kapitalanlagen allerdings um 2% zurück auf 365 Mio. Euro (VJ: 373). Der Rückgang um ca. 7.5 Mio. Euro ist im Wesentlichen auf eine im Dezember erfolgte Kaufpreiszahlung für eine Immobilie zurückzuführen, bei der der Übergang von Nutzen und Lasten erst am 1. Januar 2021 erfolgt ist (Bilanzierung erfolgt unter sonstigen Forderungen).

 

Dem erwähnten Buchwert derAnlagen von 365 Mio. Euro steht ein Zeitwert von knapp 391 Mio. Euro gegenüber, entsprechend Bewertungsreserven von über 25 Mio. Euro.

 

Gemäß DeckRV wurden 2020 ca. 2.5 Mio. Euro. der ZZR zugeführt, die damit gut 8,6 Mio. Euro erreicht hat.

 

Die Verwaltungskostenquote auf die gebuchten Bruttobeiträge beläuft sich auf 7,66%. Sanierung kostet offenbar. So heißt es im Geschäftsbericht: „Die hohe Verwaltungskostenquote resultiert aus den mit der Umsetzung der Sanierung verbundenen außerordentlichen Kosten“.

 

Die Frage der Neu- und Wiederanlage – und besser kräftiger werden

 

Gleichwohl ist die große Lage, wie sie ist, das gilt für alle und damit auch für die Kölner. Die bringen das im Geschäftsbericht auf den Punkt:

 

Die erfreulichen Ergebnisse in den Jahren 2019 und 2020 können nicht außer Betracht lassen, dass die weiter andauernde Niedrigzinsphase die Kölner Pensionskasse weiterhin vor besondere Herausforderungen stellt und insbesondere mit den Risiken einer ertragreichen Neu- und Wiederanlage von Mitteln verbunden ist. Zudem ist nicht auszuschließen, dass durch eine Pandemie Verwerfungen an den Kapitalmärkten auftreten, die sich nicht wieder so schnell wie im Jahr 2020 bereinigen.“

 

Olaf Keese und Robert Müller, Kölner Pensionskasse und Pensionskasse der Caritas. Foto: Hans Scherhaufer.

 

Und mit Blick auf die eigene EbAV:

 

Nicht unberücksichtigt sollte bleiben, dass die Ergebnisse zumindest 2019 auch stark von Sondereinflüssen geprägt waren: nämlich durch die Zuschreibung von im Rahmen der Sanierung zuvor wertberichtigten Kapitalanlagen. Dies würdigend, kann und soll das positive Ergebnis dieses Geschäftsjahres dazu genutzt werden, um über den Aufbau von Eigenmitteln, sei es in Form der Verlustrücklage oder der freien, nicht zugeteilten RfB, die Risikotragfähigkeit weiter zu stärken.“

 

Wie zur PKC nahezu identisch teilt man zu dem Thema Schadensersatz mit, dass man gegenüber ehemaligen Vorstandsmitgliedern und Beratern Ansprüche geltend gemacht habe (hier bisher noch außergerichtlich), die noch nicht zu Leistungen geführt haben. Sollte das noch passieren, würde dies zu außerordentlichen Erträgen führen.

 

Keese, Chef beider Kassen, hat jüngst erst mit dem Herausgeber von LEITERbAV in einem längeren Gespräch in Wien Einblick in die Hintergründe von Lage und Perspektive der beiden Einrichtungen gegeben – und wird dies in der kommenden Ausgabe der Tactical Advantage gemeinsam mit Co-Chef Robert Müller in noch detaillierterer Form unternehmen.



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