Studie zum Risk Management:

Über das Verharren in alten Anlagemustern

von Pascal Bazzazi, Bayrischzell, 23. Januar 2020

Illiquiditätsprämien werden stärker genutzt, aber der Risiko-Appetit ist insgesamt noch zu verhalten – finden die Autoren einer Studie mit Blick auf die SAA deutscher Pensionsinvestoren – und fällen ein klares Urteil. Klar wird auch und erneut: Einfacher werden die Märkte nicht, und Governance-Anforderungen scheinen hemmend zu wirken. Handeln sollte auch der Gesetzgeber.

 

 

Jüngst erst hat LEITERbAV mittels eines kleinen Rundumschlags unter anderem über Zahlen des BVI zu fondsbezogenen Größenordnungen im deutschen Pensionswesen berichtet.

 

Gut ergänzen lassen sich diese Ziffern durch die Studie „Pension Risk Management und Anlage von Pensionsvermögen 2019“ von Wills Towers Watson, welche sich Ende des vergangenen Jahres mit den SAA institutioneller Pensionsinvestoren und den daraus folgenden Renditezielen befasst hat:

 

Demnach haben deutsche Pensionsanleger ihre Anlagestrategie unter dem Druck des anhaltenden Niedrigzinsumfelds zwar (offenkundig) angepasst, jedoch konnten 2019 nur 71 Prozent dieser Investoren ihre Renditeziele im zurückliegenden Jahr erreichen. Im Vorjahr waren es immerhin noch 96 Prozent.

 

Mehr asset-seitige Aggressivität lässt sich bei den SAA dabei zumindest partiell nur in Maßen feststellen:

 

Regulierte Investoren, so die Studie, allokieren ihre Pensionsvermögen zu 65 Prozent in Anleihen (2018: 66 Prozent), zu 10 Prozent in Aktien (2018: 12 Prozent) und zu 25 Prozent in Immobilien, Alternatives und Kasse (2018: 22 Prozent).

 

Immerhin: Unregulierte Investoren haben die Allokation in Anleihen zugunsten Alternatives sichtlich stärker reduziert. Sie setzen zu 44 Prozent auf Anleihen (2018: 58 Prozent), zu 21 Prozent auf Aktien (2018 allerdings 25 Prozent), zu 22 Prozent auf Alternatives (2018 nur 5 Prozent) sowie zu 14 Prozent auf Immobilien und Kasse (2018: 12 Prozent).

 

Pensionsanleger nutzen Renditechancen nur zögerlich

 

Nigel Cresswell, Willis Towers Watson,

Pensionsanleger verharren in alten Anlagemustern“, kommentiert Nigel Cresswell, Leiter Investmentconsulting bei Willis Towers Watson in Frankfurt, diese Entwicklung mit offenbar mäßiger Begeisterung. „Die Empfehlung zur Reallokation in alternative, illiquide Anlageklassen, um dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu begegnen, hat sich bei den Investoren weiterhin noch nicht umfassend durchgesetzt. Aktuell sehen wir starke Zuflüsse nur in einzelnen Anlageklassen wie zum Beispiel Private Equity, was auch hier schrumpfende Renditeniveaus zur Folge haben wird und den Trend, in bestimmten Anlagemustern zu verharren, unterstreicht“, so Cresswell weiter.

 

Pensions-Portfolios würden weiterhin von Anleihen dominiert. Illiquiditätsprämien vereinnahmten die Investoren zwar, doch täten sie dies zu Lasten anderer Renditequellen – anstatt die Anleihequote zu reduzieren. „Dabei nutzen regulierte Pensionsanleger den vorhandenen Risiko-Spielraum nicht aus. Mit dieser Portfolio-Struktur können die erforderlichen Renditen nicht erwirtschaftet werden“, fällt Cresswell ein klares Urteil.

 

Ten years after: Outsourcing-Pläne weitgehend umgesetzt

 

Ein Vergleich zur ersten Auflage der Studie vor zehn Jahren zeigt zwar, dass der Anteil an alternativen Anlagen deutlich gestiegen ist: von durchschnittlich sechs Prozent im Jahr 2010 auf heute neun Prozent bei regulierten und 22 Prozent bei unregulierten Investoren.

 

Tobias Bockholt, Willis Towers Watson.

Wir hätten jedoch einen noch stärkeren Anstieg erwartet“, erläutert Tobias Bockholt. Den Grund für das zögerliche Vorgehen der Investoren sieht der WTW-Senior Investment Consultant in den hohen Governance-Anforderungen für diese Anlageklasse. „Insbesondere kleinere Anleger verfügen nicht über ausreichend Ressourcen, um das hierfür notwendige Know-how aufzubauen. Mit Blick auf die erforderlichen Renditen wären jedoch ein dynamischeres Anlageverhalten und eine informierte Risikonutzung angebracht“, so Bockholt.

 

Entsprechend zeigt sich unter Pensionsanlegern laut Studie ein wachsender Trend (von im Vorjahr drei auf sieben Prozent 2019), Investment-Entscheidungen insbesondere im Bereich der illiquiden Anlageklassen auszulagern. In den „klassischen“ Bereichen dürften Outsourcing-Pläne bereits weitgehend umgesetzt oder zurückgestellt worden sein, schließt man bei WTW aus der Studie.

 

Durch ein Outsourcing wollen Anleger, schlussfolgert der Consultant, insgesamt vor allem eine verbesserte Kosteneffizienz sowie eine höhere Portfoliorendite erreichen. „Über eine Stärkung der Governance könnten Pensionsanleger nicht nur verstärkt Nischenthemen mit attraktiven Risiko- und Renditeprofilen besetzen, sondern auch ihre Entscheidungswege verkürzen, um dynamisch auf kurzfristige Marktopportunitäten zu reagieren“, sagt Bockholt.

 

Vielleicht sollte auch angestoßen werden, die relativ starren und quotenbasierten Anlagevorschriften des Versicherungsaufsichtsgesetzes im Kontext des Niedrigzinsumfelds einer Überarbeitung und Anpassung zu unterziehen“, mahnt Bockholt schließlich die Politik.

 

Über die Studie

 

Für die Studie „Pension Risk Management und Anlage von Pensionsvermögen 2019“ befragte Willis Towers Watson von Juli bis September 2019 Entscheider aus insgesamt 38 Unternehmen, Stiftungen, CTAs sowie Pensionseinrichtungen mit einem Anlagevermögen von insgesamt 163 Mrd. Euro.






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