Thank God it's Friday:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Köln, Euskirchen, 21. Juni 2013

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Risiken der bAV, Rente mit 75 und die Wut auf Deutschland.

 

 

 

HB (19. Juni): „Kleinleins Klartext – Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge.“

 

Kleinleins Kritik richtet sich gegen die Kosten und mangelhafte Performance manch versicherungsförmiger Produkte in der bAV, so wie sie häufig Verbreitung bei KMU finden. Hier spricht er konkret von britischen Fondspolicen.

 

 

 

Die Welt (19. Juni): „Chef der Jungen Liberalen glaubt an Rente mit 75.“

 

Na, wenigstens wissen wir ja mittlerweile, wie wir in diesem Falle mit der m/n-tel-Regelung umzugehen hätten.

 

 

 

Format.at (20. Juni): „Pensionsfonds fordern: Merkel sollte Finanztransaktionssteuer blocken.

 

Ein österreichisches Magazin berichtet über die dänische Drohung mit Liebesentzug gegenüber deutschen Bundesanleihen. Wie eine Ausnahme von Pensionsinvestoren aussehen könnte, ist allerdings schon rein technisch völlig unklar. Und was ein „sicherer Hafen“ sein soll, noch vielmehr.

 

 

 

OFF TOPIC. TO WHOM IT MAY CONCERN:

 

Die Welt (15. Juni): „Notenbanken verderben den Mischfonds das Geschäft.“

 

Unser Mitleid hält sich in Grenzen. Denn Notenbanken verderben nicht nur Mischfonds, sondern vor allem Lebensversicherern und Pensionskassen das Geschäft, wenn sie sich mit ihrem selbstgedrucktem Geld in Anlageklasse um Anlageklasse drängen. Und das wird die Menschen stärker treffen als Probleme bei irgendwelchen Mischfonds.

 

 

 

HB (20. Juni): „Die Zentralbank muss zu allem bereit sein.“

 

Interview mit einem Herrn von Morgan Stanley. Ich kann von seinen Aussagen kaum eine unterstreichen. Besonders gefällt mir aber der Satz: „Jede Form der Sparpolitik würde dazu führen, dass das Bruttoinlandsprodukt drastisch zurückgeht. Das kann es doch auch nicht sein.“ Na dann: weiter so. Wer was anderes lesen will: bezüglich der Märkte hier bei Felix Zulauf und bezüglich der Euro-Krise hier bei Prof. Walter Krämer.

 

 

 

HB (14. Juni): „Die Aktienpreise sind künstlich getrieben.“

 

Ja, dass wir an der Börse aller realwirtschaftlicher Unbill zum Trotz eine liquiditätsgetriebene Hausse sehen, ist kein Geheimnis. Aber es geht um viel mehr. Denn diese Hausse ist im Prinzip eine Asset Inflation und damit Indiz für die Folgen der Geldschwemme, nämlich für das sinkende Vertrauen in den Geldwert. Wehe, wenn im nächsten Schritt nicht nur die Aktien steigen, sondern infolge des sinkenden Vertrauens auch die Zinsen. Erste Schritte in diese Richtung sind schon sichtbar – Stichwort Anleihenblase, die in UK klar angesprochen wird. Doch steigende Zinsen halten unsere Staatshaushalte besonders in den Krisenstaaten nicht lange aus. Ergo müssen die Notenbanken dann vielleicht bald noch mehr QE betreiben, und noch dynamischer entwickelt sich dann der Vertrauensverlust, und noch schneller ziehen die Zinsen an (die Irritationen der Märkte gestern auf die bloßen Worte von Bern Bernanke zeigen, wie weit deren Drogensucht bereits fortgeschritten ist). Dann fällt der letzte Vorhang schnell. So ist es nun mal, das Gesetz vom Fluch der bösen Tat.

 

 

 

HB (13. Juni): „Bundesbank-Chef Weidmann warnt vor langer Niedrigzinspolitik.“

 

Wissen Sie noch, wie die Tochter des trojanischen Königs Priamos hieß? Richtig, Kassandra!

 

 

 

Die Welt: (14. Juni): „Deutschlands Exportsucht zerstört die Euro-Zone.“

 

Zu den Thesen des Gastbeitrags kann man stehen wie man will. Doch Fakt ist: Die Exportorientierung Deutschlands ist im wesentlichen interessengetrieben (von Teilen der Industrie) und alles andere als nur wohlfahrtsfördernd. Mit klarem Kopf betrachtet: Ein Land, das wie Deutschland Dekade um Dekade gigantische Exportüberschüsse erzielt, sichert sich zwar immerhin Technologie und Arbeitsplätze, doch verschenkt es faktisch die real exportierten Güter in Höhe der dauernden Überschüsse, die im Inland nicht verkonsumiert werden können. Bezahlt werden sie im besten Fall mit buntem Papier (das man sich in den Keller legen kann, so wie es Chinesen und Ölstaaten tun), oder – wie derzeit in der Euro-Zone – mit Haftungsverbindlichkeiten, Target-Salden und Rettungsschirmen. Überspitzt gesagt: Wir verkaufen den Audi Q7 in den Süden, schicken das Geld zur Bezahlung hinterher, fahren selber den gebrauchten Golf und rühmen uns der Exportweltmeisterschaft. Doch richtig grotesk wird es erst dann, wenn – und auch das geht in die Statistik als Export ein – feine deutsche Unternehmen von südlichen Playern übernommen werden, die ohne die Rettungsmaßnahmen des deutschen Steuerzahlers und der Target-2-Salden möglicherweise samt ihres krisendeln Mutterstaates längst den Bach runtergegangen wären. Auch die Übernahme von Hochtief durch einen spanischen Baukonzern ist ein schönes Beispiel für die tollen Exporterfolge der deutschen Wirtschaft. Noch überspitzter gilt also: Wir finanzieren ihnen nicht nur die Q7 und retten unter Inkaufnahme eigener gigantischer Verbindlichkeiten biblischen Ausmaßes ihre maroden Volkswirtschaften samt überdimensionierten Banklandschaften. Nein, wir legen noch was oben drauf, damit sie noch unsere Industrie aufkaufen können. Weiter so, Deutschland!

 

 

 

WiWo (Juni): „The Economist – Wut auf Deutschland.“

 

Passend zum vorherigen Artikel hier auch das Feedback, das Deutschland für seine Entblößung (besser: Entblödung) in Europa erhält. Es ist erstaunlich, wie teilnahmslos die Deutschen dabei zusehen, wenn ihre Regierung sie nicht nur in niemals wieder abzutragende Haftung und Schuldenberge führt, sondern zusätzlich auch in die internationale Isolierung – alles bekanntlich nicht zum ersten Mal. Am Ende könnte die Wiederholung des größten nicht-militärischen Traumas der Deutschen stehen: der Währungszusammenbruch. Und vielleicht auch mehr als nur das.

 

 

 

Reuters (20. Juni): „Deutschland-Bond startet – Länder sparen Millionen.“

 

Super Idee, Brüssel und Südeuropa gerade jetzt zu zeigen, wie ein Eurobond technisch funktionieren könnte. Und die Überschrift „Länder sparen Millionen“, die würde man sich in der Tat öfter mal wünschen – nur eben auf der Ausgabenseite.

 

 

 

NZZ: (20. Juni): „SNB hält an Mindestkurs zum Euro fest – Franken bleibt hoch bewertet.“

 

Die SNB würde, so nötig, Devisen in unbeschränkter Höhe kaufen? Ich bleibe dabei: Statt sich in die Abhängigkeit der längst in allen Zwickmühlen steckenden westlichen Notenbanken zu begeben, wäre es m.E. die klügere Strategie für die SNB, statt Devisen in großem Stil ausländische Sachwerte zu kaufen, wenn man denn den Franken-Kurs schon unbedingt meint niedrig halten zu müssen; in erster Linie also ausländische Aktien sowie Edelmetalle. Da damit keine fremden Devisen vom Markt genommen würden, müsste das Volumen zwar etwas höher ausfallen als beim Kauf von Papierwährungen, doch dafür gewänne die Schweiz echte Assets, mit denen sie beispielsweise einen staatlichen Pensionsfonds funden könnte und beizeiten auch die Mittel hätte, falls nötig die Zahnpasta tatsächlich zurück in die Tube zu kriegen. Die eigene Währung zu drücken, indem die Notenbank im Ausland Realwerte kauft (eben zum Wohle eines staatlichen Pensionsfonds), wäre auch für Deutschland die strategische Option angesichts des ewigen Ammenmärchens, dass nach einem Zerfall des Euro eine neu DM zu stark aufwerten würde.

 

 

 

WiWo (14. Juni): „Steuererstattungen – Banken sollen Staat um Milliarden geprellt haben.“

 

Sollte es sich hier tatsächlich um echte Steuerhinterziehung handeln, sei an das BGH-Urteil erinnert, wonach bei einer hinterzogenen Summe von einer Millionen Euro keine Bewährung mehr möglich ist. Dies in einem solchen Fall ohne Rücksicht auf Namen und Ansehen konsequent umzusetzen, wäre zweifelsohne ein wichtigerer Bestandteil zur Lösung der Krise, als mancher denkt. Allerdings sollte man mit solchen Vorwürfen und Forderungen vorsichtig sein, will man nicht enden wie der hier. Übrigens: Südeuropäische Krisenstaaten können sich bei der Bestrafung offenbar Milde in ganz anderen Größenordnungen leisten.

 

 

 

HB (14. Juni): „Gewerkschaftsmitglieder werden doch bislang benachteiligt!“

 

Porsche-Betriebsratschef Hück fordert, dass Gewerkschaftsmitglieder einen Lohn- und Gehalts-Zuschlag erhalten. Interessante Idee. In unserer Branche kennt man die arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung. Demnächst kennt man dann auch die arbeitgeberfinanzierte Gewerkschaftsmitgliedschaft.

 



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