Pensions in their Markets, short gesqueezed – Kurzinterviews auf LbAV:

Tektonik in der Taktik

von Pascal Bazzazi, Köln; Frankfurt, 3. Juni 2022

Die Kapitalmärkte waren für Pensions-Investoren bisher schon nicht einfach, doch seit einigen Monaten nehmen die Anforderungen weiter zu, und das dynamisch. Die Märkte sind ambivalent wie nie. Um dem Informationsbedarf gerecht zu werden, wird LEITERbAV künftig durch Kurzinterviews mit Asset Managern, Investment Consultants und Investoren jeweils kleine Ausschnitte der Märkte beleuchten. Heute: Mercers Olaf John über die Tektonik in der Taktik der Asset-Klassen.

 

Vorab: Die Welt ist in Bewegung, und so sind es die Märkte: Inflation zieht weltweit kräftig an, Fed erhöht Leitzinsen, EZB übt sich in Ankündigungen, Yields steigen und Realzins bleibt negativ, Märkte pendeln zwischen schwach und fest, Wechselkurse schlagen Kapriolen, Lieferkettenprobleme allerorten, Pandemie bleibt unklar, Rezessionen ante portas, Anlagedruck weiterhoch – und über allem der Schatten des Krieges. Ergo: Alle Karten werden neu gemischt. Zur Tektonik in der Taktik der Asset-Klassen befragt LbAV daher Olaf John, Partner und Commercial Leader, Investment Solutions Germany bei Mercer:

 

Olaf John, wenn die Lage also in Bewegung ist: Welche Asset-Klassen geraten derzeit eher in den Fokus der Pensions-Investoren, welche nehmen an Bedeutung ab?

 

Olaf John, Mercer.

Ja, die Dynamik der Anlageklassen hat zugenommen. Die Tektonik hat den Fokus von Aktien wieder auf Anleihen, aber auch auf Rohstoff-Investments verschoben. Am meisten haben Technologie- und chinesische Aktien verloren. Grund: steigende Zinsen, mehr Regulierung sowie die Pandemie-Maßnahmen in China. Ob ein Engagement hier jetzt schon lohnt, ist schwer zu sagen. Vor dem Hintergrund weiterhin höherer Inflation erscheint ein Investment nur mit guter Titelwahl sinnvoll, z.B. mit Fokus auf Unternehmen mit Pricing Power.

 

Also für Pensions-Investoren gilt jetzt: das Comeback von Fixed Income?

 

Interessant für Neuinvestitionen sind insbesondere IG-Anleihen, gerade für VAG-Anleger, die mit dieser Anlageklasse wieder Ertragserwartungen sehen, die bei entsprechender Duration teilweise über dem Rechnungszins liegen.

 

Auch für LDI-Investoren hat sich die üblicherweise vorherrschende Durationslücke positiv auf den Ausfinanzierungsgrad ausgewirkt. Hier lohnt es über eine Erhöhung der Hedging-Quote nachzudenken. Interessant ist auch, dass sich Hochzinsanleihen verhältnismäßig gut gehalten haben, wohl auch wegen kürzerer Duration. Auch hier gilt: Titelauswahl ist entscheidend.

 

Geldpolitik, Inflation, Rezession, Stagflation: was ist mit Rohstoffen?

 

Rohstoffe sind gut gelaufen, je nach Index um die 30% seit Jahresanfang. Sie haben aber ihr historisches Hoch von Mai 2008 noch nicht erreicht. Über 10 Jahre lag die Rendite bei Rohstoffen noch im negativen Bereich. Auch hier könnte es interessante Chancen geben.

Die gestiegene Rendite bei Rohstoffen ist im Ergebnis aber eine (Preis-) Inflation, die wir jetzt bei Öl, Gas, Energie und Getreide sehen. In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Geldpolitik durch Zinserhöhungen die Inflation eindämmen kann, da es sich hier um eine angebotsseitige Inflation handelt. Der Preisanstieg entsteht zudem in Märkten außerhalb der EU. Fiskalpolitische Maßnahmen würden hier vielleicht besser wirken als Zinssteigerungen. Auch wenn sich die Weltwirtschaft kurzfristig verlangsamt, ist sie grundsätzlich gesund. Starke Umsatzzuwächse, gesunden Unternehmensbilanzen in Verbindung mit derzeit noch stabilem Konsum stützen die Wirtschaft. Jedoch ist die Inflation eindeutig zu hoch, was bedeutet, dass die Zentralbanken auf die Bremse treten und die Volkswirtschaften durch straffere finanzielle Bedingungen verlangsamen müssen. Die entscheidende Frage ist, ob die Zentralbanken in ihrem Kampf gegen die Inflation zu schnell oder zu stark reagieren und eine Rezession verursachen.

Aber bei allen Gelegenheiten gilt: Um Chancen zu nutzen, sind Entscheidungsprozesse und die Entscheidungsgeschwindigkeit, also der Governance-Rahmen bei den Investoren, von großer Bedeutung. Das haben wir im März und April 2020 gesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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