Heute Morgen in Köln:

So viele Sicherungsfälle …

von Pascal Bazzazi, PMI, 4. Mai 2021

wie seit 2009 nicht mehr: Der Pensions-Sicherungs-Verein hat heute seine endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 vorgelegt, die partiell ein klein wenig optimistischer ausfielen als noch im November zu erwarten war. Das, was man am Rhein bei aller Unklarheit der Lage für dieses Jahr erwartet, kann man ebenfalls als gedämpft optimistisch interpretieren.

 

4,2 Promille machen noch keinen Riesen, doch wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten: Im Nachgang der PSV-Mitgliederversammlung Ende 2021 hatte LEITERbAV sich pessimistisch geäußert – dergestalt, dass die Solidargemeinschaft PSV durch das fatale Zusammenwirken des unter den C-19-Lockdowns spürbar zulegenden Insolvenzgeschehens mit dynamisch anziehenden Großschäden; des Auftretens findiger Sanierer, welche die Lasten auf die Gemeinschaft abwälzen; eines Gesetzgeber, der nicht handelt; und der Großkonzerne, die angesichts der Lage und des ohnehin erodierenden Solidargedankens Gefallen daran finden könnten, CTA-Vermögen wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen.

 

Hans H. Melchiors, Vorstand PSV.

Heute Morgen nun hat der Verein endgültige Zahlen und seinen Geschäftsbericht für sein 46. Geschäftsjahr vorgelegt, im Einzelnen für den Verlauf 2020 bzw. 31. Dezember 2020:

 

  • 95.000 (VJ. 95.250) Arbeitgeber mit insolvenzsicherungspflichtiger bAV gemeldet.

  • 11,1 Mio. Versorgungsberechtigte (ca. 14.000 mehr als im VJ) unter Insolvenzschutz: 4,0 Mio. Rentner und 7,1 Mio. Arbeitnehmer mit unverfallbaren Anwartschaften.

  • Direkt gezahlt an Versorgungsberechtigte 58 Mio. Euro, darüber hinaus hat das Konsortium, über das der PSV Rentenleistungen versichert, 915 Mio. Euro ausgezahlt.

  • In 503 Sicherungsfällen (Insolvenzen) eintrittspflichtig geworden (VJ 414) mit insg. 48.100 Renten und Anwartschaften. Dies ist die höchste Anzahl seit dem Krisenjahr 2009.

  • Schadenvolumen mit 1.591 Mio. Euro deutlich über VJ mit 1.188 Mio. Euro.

  • Anstieg im Wesentlichen infolge deutlich mehr Großschäden: 39 (VJ 17). Allerdings ist das etwas weniger als Ende 2020 befürchtet.

  • Beitragssatz wie gemeldet 4,2 Promille, zu beziehen auf die von den Mitgliedern gemeldete Beitragsbemessungsgrundlage von 354 Mrd. Euro (zum Vergleich: Der gewichtete durchschnittliche Beitragssatz aus 46 Geschäftsjahren liegt bei 2,8 Promille, für die vergangenen fünf Jahre bei 2,3 Promille, für die vergangenen zehn bei 2,2 Promille).

  • Bilanzsumme 8,3 Mrd. Euro, GuV zeigt Erträge aus Kapitalanlagen von 87,2 Mio. Euro sowie 214 Mio. Euro Überschussbeteiligung vom Konsortium deutscher Lebensversicherer, mit dem der PSV bei der Abwicklung der übernommenen Renten zusammenarbeitet. Angesichts der naturgemäß betont defensiven, wenig spektakulären Anlagestrategie des PSV muss dies nicht überraschen.

  • Ausgleichsfonds 54 Mio. Euro zugeführt, damit hat dieser mit 3,2 Mrd. Euro seine Zielgröße von 9 Promille der BBGL erreicht.

  • Für die 2007 begonnene Nachfinanzierung der „Altlast“ (die aus Insolvenzen bis einschließlich 2005 gesicherten, aber bis dahin noch nicht finanzierten unverfallbaren Anwartschaften) waren seinerzeit einmalig 2,2 Mrd. Euro zu erheben, fällig in 15 Raten von 2007 bis 2021. Die am 31. März 2020 fällige Rate belief sich auf 64,7 Mio. Euro.

  • Zur Bedeckung der bis Ende 2020 eingetretenen Verpflichtungen insgesamt 4,5 Mrd. Euro für nicht abgewickelte Versicherungsfälle zurückgestellt, darin der Barwert der gesicherten Anwartschaften von 4,0 Mrd. Euro enthalten.

 

Und wie geht es weiter?

 

Benedikt Koester, Vorstand PSV.

Für 2021 rechnen die Kölner mit einem ähnlich hohen Schadenaufkommen wie im Jahr 2020. Für die genaue Entwicklung könne man derzeit, insb. wegen der C-19-Folgen für die deutsche Wirtschaft, keine verlässliche Prognose abgegeben. Das kann man gut nachvollziehen. Allerdings geht man wohl nicht fehl, wenn man ein Stagnieren der Entwicklung als optimistisches Szenario auffasst.

 

Die diesjährige Mitgliederversammlung findet am 29. Juni 2021 erneut virtuell statt.

 

Übrigens ist der Generationenwechsel in der Führung des PSV nun auch komplett vollzogen: Hans H. Melchiors, der im Mai 2021 sein 67. Lebensjahr vollendet, hat am 30. April seine Tätigkeit als Vorstand des PSV beendet und ist in den Ruhestand getreten. Das Ressort „Betrieb und Finanzen“ hat am 1. Mai Benedikt Köster übernommen.

 



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