DAX 30:

Rechnungszins sorgt für Entlastung

von Pascal Bazzazi, Berlin, 28. Januar 2019

Die Pensionsverpflichtungen der großen deutschen Unternehmen sinken auf 368 Milliarden Euro, die Plan Assets reduzieren sich leicht auf etwa 250 Milliarden Euro, und die Unternehmen schließen das Jahr mit negativer Rendite ab. Das hat eine aktuelle Mercer-Schätzung ergeben.


Der Wert der Pensionsverpflichtungen der DAX 30-Unternehmen ist im Jahr 2018 von 380,8 Mrd. Euro auf etwa 368 Mrd. Euro gesunken. Im gleichen Zeitraum sank das Pensionsvermögen im IFRS-Abschluss von 258,0 Mrd. Euro auf etwa 250 Mrd. Euro.

 

Der Deckungsgrad ist in der Folge mit etwa 68 Prozent zwar gegenüber dem Vorjahr (69 Prozent) leicht gesunken, liegt aber im Vergleich zu den vorherigen Jahren immer noch auf überdurchschnittlichem Niveau.

 

Grafik zur Volldarstellung anklicken. Quelle: Mercer.

 

Dies sind die Ergebnisse einer Schätzung von Mercer auf Basis der Geschäftsberichte der DAX 30-Unternehmen sowie aktueller Kapitalmarktinformationen.

 

Unterjährige Veränderungen im DAX

 

Thomas Hagemann, Mercer.

Im Jahr 2018 haben die Commerzbank und ProSiebenSat.1 Media den DAX 30 verlassen, Covestro und Wirecard wurden neu aufgenommen. Dadurch sank der Verpflichtungswert um 5,4 Mrd. Euro auf 375,4 Mrd. Euro. Für die weitere Reduzierung auf die erwähnten 368 Mrd. Euro zum Jahresende 2018 ist der leicht gestiegene Rechnungszins verantwortlich. Auch im Vorjahr war dieser schon leicht angestiegen, die daraus resultierende Verringerung der Pensionsverpflichtungen fiel mit etwa 4 Mrd. Euro aber noch geringer aus.

 

Aber: „Von einer deutlichen Trendwende kann noch nicht gesprochen werden“, bewertet Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland, die Lage.

 

Der IAS-19-Rechnungszins nach der Mercer Yield Curve ist 2018 für eine Duration von 15 Jahren von etwa 1,9 auf etwa 2,0 Prozent und für eine Duration von 20 Jahren von etwa 2,1 auf etwa 2,2 Prozent gestiegen. „Die tatsächliche Zinsveränderung in den einzelnen Unternehmen hängt von der Bestandszusammensetzung und dem gewählten Zinsermittlungsverfahren ab. Wir gehen davon aus, dass die DAX 30- Unternehmen den Rechnungszins im Durchschnitt ebenfalls um etwa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte erhöht haben“, so Hagemann weiter.

 

Ohne eine Änderung beim Rechnungszins und ohne die Veränderung bei der Zusammensetzung des DAX wären die Verpflichtungswerte nahezu unverändert geblieben, weil Dienstzeit- und Zinsaufwand 2018 in etwa genauso groß waren wie die getätigten Zahlungen. An den tatsächlich zu zahlenden Renten und den dafür aufzuwendenden Cashflow ändert sich durch die Bilanzierung ohnehin praktisch nichts.

 

Schwieriges Aktienjahr hat leichte Folgen

 

Zur Asset-Seite: Durch die geänderte Zusammensetzung des DAX 30 sanken nicht nur die Verpflichtungen, sondern auch die Plan Assets – und zwar um gut 6 Mrd. auf 251,9 Mrd. Euro.

 

Das so angepasste Vermögen ist 2018 weiter gesunken, was vor allem auf das vergangene Aktienjahr zurückzuführen ist, wie Mercer zurückblickt: Der europäische Aktienmarkt startete 2018 mit Verlusten, hauptsächlich getrieben durch die sich eintrübenden Wirtschaftsindikatoren. Danach sah es im Jahresverlauf positiver aus. Insbesondere der nordamerikanische Aktienmarkt überraschte mit hohen Renditen im dritten Quartal. Die internationalen Handelsspannungen führten jedoch dazu, dass das Aktienjahr 2018 insgesamt negativ geschlossen hat. Bei Renditen von minus 10 Prozent für europäische und minus 5 Prozent für nordamerikanische Aktien konnten auch die Festverzinslichen, die teils positiv rentierten, die Verluste nicht ausgleichen. Auch von den EM gab es in 2018 keinen positiven Renditebeitrag. Die Gesamtrendite der DAX 30-Unternehmen schätzt Mercer auf rund minus 3 Prozent.

 

Milliardenschwere Zuführungen

 

Jeffrey Dissmann, Mercer.

Der Rückgang des Pensionsvermögens wäre jedoch noch größer ausgefallen, hätten die Unternehmen nicht Zuführungen unternommen. Für 2018 geht Mercer hier davon aus, das diese die Auszahlungen um etwa 3,5 Mrd. Euro überstiegen.

Im Vergleich zur restlichen Wirtschaft in Deutschland sind die Verpflichtungen der DAX 30-Unternehmen sehr gut mit Pensionsvermögen bedeckt“, kommentiert Jeffrey Dissmann, Senior Investment Consultant bei Mercer, die Funding Ration von ca. 68 Prozent.


2019: Vorsicht vor Kreditausfällen


Auch wenn es letztes Jahr Zeichen für einen Aufwärtstrend beim Rechnungszins gab, bleibt das Zinsniveau in der Eurozone weiterhin unter dem historischen Durchschnitt, betont Mercer, und das Risiko, dass der Zins wieder sinkt, besteht weiterhin. Somit sind auch zinsbedingte Erhöhungen des Verpflichtungsumfangs nicht ausgeschlossen. Folge, so Mercer: Immer mehr Unternehmen sehe sich gezwungen, modernere Zusageformen ohne Garantien – insbesondere Zinsgarantien – zu wählen. „Reine Beitragszusagen werden in der Zukunft vermehrt im Fokus stehen, auch wenn die durch das BRSG geschaffenen neuen Möglichkeiten von den Tarifpartnern im Jahr 2018 noch nicht genutzt wurden“, erklärt Hagemann.

 

Die Weltwirtschaft bewegt sich momentan auf das Ende des aktuellen Kreditzyklus zu, der in der Regel klar definierte Phasen durchläuft. Mit dem steigenden Schuldenniveau der Unternehmen steigen auch die Risiken, wodurch sich das Kreditausfallrisiko erhöht, warnt Mercer.

 

Wir erwarten auch weiterhin politische Entscheidungen, die sich für die Unternehmen kurzfristig positiv auswirken werden, sowie unterstützende makroökonomische Bedingungen. Jedoch gilt es schon jetzt, Wertpapierportfolien so anzupassen, dass Ausfälle möglichst minimiert werden können“, so Dissmann. „Ähnlich wie 2018 werden auch in diesem Jahr politische Konflikte äußert relevant für den Kapitalmarkt sein. Die gegenläufige Entwicklung des Anleihen- und Aktienmarkts, die zunehmend restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken und die möglichen politischen Konflikte der großen Volkswirtschaften sind Themen, die von Kapitalanlegern Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft fordern.“





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