BaFin-Stresstest:

Neun PK-Durchfaller

von Pascal Bazzazi, Bonn, 29. Mai 2013

Bei dem letzten Stresstest der BaFin sind neun Pensionskassen durchgefallen. Das erfuhr Leiter-bAV.de am Rande der gestrigen Jahrespressekonferenz der Anstalt in Bonn. 122 der 131 vorlagepflichtigen Kassen wiesen laut BaFin in allen vier Szenarien des Stresstests positive Ergebnisse aus.

BaFin-Chefin Elke Koenig (Foto: Schafgans DGPh BaFin)

BaFin-Chefin Elke Koenig (Foto: Schafgans DGPh BaFin)

Bei den neun Kassen mit negativen Ergebnissen sei die jeweilige Unterdeckung gering gewesen. Man stehe in engem Kontakt mit den Einrichtungen, damit diese ihre Risikotragfähigkeit verbessern, so die Anstalt. Im Vorjahr waren noch zehn Kassen durchgefallen. Um welche Pensionskassen es sich handelt, gibt die BaFin grundsätzlich nicht bekannt. Der Stresstest erfolgte zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2011.

19 der Ende 2011 unter Bundesaufsicht stehenden 150 Pensionskassen waren aufgrund ihrer risikoarmen Kapitalanlage von der Teilnahme befreit. Außerdem nahmen an dem Test 91 Lebensversicherer teil, die sämtlich in allen vier Kategorien bestanden.

Sanierung und Abwicklung von Versicherern

Der Solvency-II-Kelch ist an der bAV nun erst einmal vorbeigegangen, doch was BaFin-Chefin Elke König vor der Presse in Bonn zu dem Regime sagte, lässt gleichwohl aufhorchen: „Solvency II steht unter dem nicht unbegründeten Verdacht, die ökonomische Realität zu überzeichnen und prozyklisch zu wirken. Doch dieser Effekt dürfte durch die nun angedachten Nachbesserungen an der Zinsstrukturkurve abgemildert werden.“ Und weiter mahnte König: „Was Solvency II nicht bietet, sind ökonomische Lösungen für das Niedrigzinsproblem. Die müssen die Unternehmen schon selbst finden, und sie sollten damit nicht zulange warten.“ Nun, das betrifft EbAV nicht minder. Und auch wenn kein Lebensversicherer und nur neun Pensionskassen beim Stresstest durchgefallen ist, scheint König durchaus Krisenpotential zu sehen: „Dass es systemrelevante Banken gibt, ist unbestritten. Weit mehr Fragen tun sich auf bei der Definition systemrelevanter Versicherer und der Frage, wie wir regulatorisch mit ihnen umgehen sollten. Fest steht jedoch, dass wir uns auch mit der Sanierung und Abwicklung von Versicherern beschäftigen müssen.“ Auch wenn König hier ausdrücklich den präventiven Charakter betonte, kann man sich in der Assekuranz wohl schon mal darauf einstellen, in dieser Frage beizeiten von der BaFin zu hören.

 

Parameter des Stresstests und Solvabilität

Weitere Einzelheiten zu dem Stresstest finden sich auch im Jahresbericht 2012 der BaFin (ab Seite 103):

Aufgrund des Indexstandes am Stichtag ergab sich ein Abschlag von 14 Prozent für das isolierte Aktienszenario. Für die kombinierten Szenarien (Aktien/Renten und Aktien/Immobilien) erfolgte ein Abschlag von 12 Prozent für den Aktienteil. Der Abschlag sowohl für den Renten- als auch für den Immobilienteil blieb bei 5 Prozent. Das isolierte Rentenszenario blieb ebenfalls unverändert bei einem Abschlag von 10 Prozent.

 

Die Bedeckungsquote des Solvabilitäts-Solls der Pensionskassen betrug laut Prognoserechnung zum Bilanzstichtag 2012 durchschnittlich 132 Prozent und lag damit leicht unter dem Wert des Vorjahres (134 Prozent) Den Schätzungen zufolge konnten sieben Pensionskassen die Solvabilitätsspanne zum 31. Dezember 2012 nicht vollständig bedecken. Diese Pensionskassen prognostizierten die Unterdeckung in sehr unterschiedlicher Höhe. Mit diesen Kassen steht die BaFin in engem Kontakt. Einem dieser Unternehmen hatte die BaFin bereits 2004 das Neugeschäft untersagt, weil es keinen plausiblen Plan zur Wiederherstellung gesunder Finanzverhältnisse vorlegen konnte. Eine weitere Pensionskasse legte schon vor einigen Jahren einen Solvabilitätsplan vor, dessen Einhaltung die BaFin laufend überprüft. Mit zwei anderen Unternehmen wurden bereits Maßnahmen erarbeitet, um die Unterdeckung zu beseitigen. Sie nahmen insbesondere ein Nachrangdarlehen auf und zahlten Gelder in den Gründungsstock ein. Mit drei weiteren Pensionskassen erarbeitet die BaFin Maßnahmen zur Verbesserung der Risikotragfähigkeit.“



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