Mercer European Asset Allocation Survey 2020:

Mehr ESG, mehr Diversifikation …

von Pascal Bazzazi, München, 31. August 2020

und vor allem erneut viel weniger vom üblichen Fixed Income. Turnusgemäß hat sich der Consultant erneut die Kapitalanlage von Pensions-Investoren in zwölf westeuropäischen Ländern angesehen, darunter Deutschland, und gleichzeitig interessante Haltungen der Anleger zutage gefördert.

 

Bei institutionellen Pensions-Investoren in Westeuropa steigt offenbar das Bewusstsein für Maßnahmen gegen Investitionsrisiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Dies ist nur eines der vielen Ergebnissedes aktuellen European Asset Allocation Survey 2020 von Mercer:

54 Prozent der befragten Investoren berücksichtigen aktiv die Auswirkungen solcher Risiken bei der Allokation ihrer Kapitalanlagen, im Vergleich zu nur 14 Prozent im Jahr 2019.

 

Die Studie unter 927 Pensions-Investoren mit 1,1 Bio. Euro AuM (davon ca. 17% in Deutschland) ergab zudem, dass bereits 89 Prozent der institutionellen Anleger umfassendere Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken als Teil der Kapitalanlagestrategie berücksichtigen, gegenüber 55 Prozent 2019.

 

Die Motivation dahinter ist – wie sich schon 2019 gezeigt hat – für die Investoren offenbar professionell-handfest und nicht weltanschaulich getrieben:

 

Für 85 Prozent der Investoren ist die ESG-Berücksichtigung insbesondere eine Konsequenz aus der gestiegenen Regulierung im Zusammenhang mit ESG-Risiken. Eine sichtliche wachsende Anzahl der Investoren wird von den potenziellen Auswirkungen der ESG-Risiken auf die Anlagerenditen angetrieben (51 Prozent in diesem Jahr gegenüber 29 Prozent im Jahr 2019). 40 Prozent der Investoren ziehen ESG-Risiken in Betracht, um so potenzielle Reputationsschäden mindern zu können, und 30 Prozent gaben an, dass sie sich an den bestehenden Corporate-Responsibility-Strategien der Unternehmen orientieren wollen.

 

Abb. 1: Die Gründe, ESG-Risiken zu berücksichtigen.Quelle: Mercer. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Es ist ermutigend, eine so starke Zunahme des ESG-Risikobewusstseins, einschließlich der potenziellen Auswirkungen des Klimawandels, bei institutionellen Anlegern zu sehen. Wir sind seit langem der Ansicht, dass diese Faktoren nicht im Nachhinein bedacht, sondern bei allen Entscheidungen über Anlagestrategien aktiv berücksichtigt werden sollten“, erklärt Jeffrey Dissmann, Leiter Investment Consulting bei Mercer Deutschland. „Die Portfolios institutioneller Anleger können aus ESG-Perspektive oft schon mit kleinen Maßnahmen verbessert werden, beispielsweise lassen sich Fortschritte erzielen, indem ein relativ kleiner Teil der Investitionen explizit zur Erreichung von ESG-Zielen investiert wird. Wir ermutigen Investoren seit langem, die Ausrichtung ihrer Kapitalanlage auch nach ESG-Kriterien zu steuern“, so Dissmann weiter.

 

Dem kann man folgen. Dass bspw. Governance mehr als nur ein Wort ist, hat jüngst der Fall Wirecard nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die Bondholder eindrucksvoll dargelegt.

 

Interessant auch, dass bei dem (zumindest in der breiten Öffentlichkeit gefühlten) Überthema Klimawandel die Haltung der westeuropäische Pensions-Investoren offenbar recht strikt gespalten ist: 54% der Befragten berücksichtigen Risiken in Zusammenhang mit dem Klimawandel, 46% nicht. Und von diesen haben wiederum 93% auch nicht vor, dass innerhalb der nächsten 12 Monate zu tun.

 

Abb. 2: Die Berücksichtigung von Risiken in Zusammenhang mit dem Klimawandel.Quelle: Mercer. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Fixed Income weiter rückläufig

 

Zu dem sich ohnehin weiter recht dynamisch entwickelnden deutschen Pensionswesen: Bei deutschenregulierten Pensions-Investoren zeigt sich wenig überraschend nach wie vor deutlich der Einfluss des Niedrigzinses, und zwar kräftig: Die Allokation in traditionelle Anleihen ist von 45 auf 28 Prozent weitersignifikant gesunken, zu Gunsten einer verstärkten Allokation in Immobilien und Alternatives (wobei hierzu von Mercer auch der globale Bereich Growth Fixed Income gezählt wird).

 

Abb. 3: Die Asset Allocation deutscher regulierter Investoren im Zeitverlauf.

 

Quelle: Mercer. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Insbesondere im Immobilienbereich war ein Anstieg um 8 Prozent auf insgesamt 22 Prozent zu beobachten. Dabei bleibt der Anteil an Aktien nahezu konstant zum Vorjahr.

 

Bei deutschen unregulierten Pensions-Investoren, also CTAs, zeigt sich wenig Veränderung im Vergleich zu 2019, denn die Portfolios waren und sind bereits sehr hoch diversifiziert. 35 Prozent der Asset Allocation entfällt auf Aktien, 33 Prozent auf Anleihen und 26 Prozent auf Alternatives. Damit hat sich die Asset Allocation im Vergleich zu 2019 kaum verändert.

 

Abb. 4: Die Asset Allocation deutscher unregulierter Investoren im Zeitverlauf.

 

Quelle: Mercer. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Insgesamt hält der Trend an, bei der Asset Allocation verstärkt auf Alternatives wie Private Equity, Growth Fixed Income, Immobilien und Infrastrukturanlagen zu setzen“, erklärt Dissmann. Schon die Mercer-Studie des Jahres 2017 hatte durchaus stark diversifizierte Portfolios bei deutschen Pensions-Investoren festgestellt.

 

Jeffrey Dissmann, Mercer.

Die Untersuchung zeigt zudem für das Jahr 2020, dass Anleger in Westeuropa weiterhin eine Diversifizierung weg von Aktien verfolgen, wobei der durchschnittliche Aktienanteil in diesem Jahr auf 22 Prozent sinkt (im Vergleich zu 25 Prozent im Jahr 2019).

 

Stattdessen versuchen die Investoren, sich gegen die Marktvolatilität zu schützen, indem sie ihre Allokationen in Growth Fixed Income (10 Prozent Zunahme), Real Assets (4 Prozent Zunahme) und Private Equity (6 Prozent Zunahme) erhöhen.

 

Obwohl sich einige Anleger aus dem Aktienbereich zurückziehen, streben viele Investoren eine Diversifizierung ihres Aktien-Portfolios an, indem sie ihre Allokation in Emerging Markets, Small Caps und Aktien mit geringer Vola erhöhen, so die Studie. Zudem konzentrieren sich die Anleger verstärkt auf Factor Investing, bei denen sie auf eine ausgewogene oder gezielte Exponierung gegenüber den Faktoren achten, die den Aktienrenditen zugrunde liegen. Die Investoren in Europa erhöhen die Währungsabsicherung innerhalb ihrer Aktienportfolios, wobei 42 Prozent der Anleger über 60 Prozent ihres Fremdwährungsengagements in börsennotierten Aktienportfolios absichern, gegenüber 26 Prozent im Jahr 2019.

 

Über die Studie – wenig Corona-Impact erwartet

 

Im Rahmen der Mercer European Asset Allocation Survey 2020 wurden 927 institutionelle Anleger in zwölfLändern (D, UK, F, Nor, NL, Den, It, Ir, Por, CH, B, ES) befragt, was einem Gesamtvermögen von rund 1,1 Billionen Euro entspricht.

 

Die Studie wurde in diesem Jahr zum 18. Mal durchgeführt und bietet einen umfassenden Überblick über die Anlagestrategien institutioneller Investoren.

 

Übrigens: Die Daten für die Mercer European Asset Allocation Survey 2020 wurden erhoben, bevor sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kapitalmärkte in vollem Umfang bemerkbar gemacht haben. Bei Mercer erwartet man jedoch, dass die Ergebnisse aufgrund des Rebalancing und der erwarteten Markterholung nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

 

Die langfristigen Folgen der COVID-19-Pandemie müssen sich erst noch zeigen, denn die Auswirkungen sind auf bestimmte Sektoren und nicht nur auf spezifische Anlageklassen bezogen. Die Mehrheit der institutionellen Anleger setzt zudem auf eine langfristige Mischung strategischer Anlageklassen und nicht vermehrt auf kurzfristige taktische Entscheidungen“, betont Dissmann.

 

 

Der vollständige Mercer European Asset Allocation Survey 2020 findet sich hier.

 

Vor ca. 1,5 Jahren hatte sich Mercer bereits ausführlich dem Asset Management unter ESG und dem Bewusstsein hierfür gewidmet (LEITERbAV berichtete).



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