Jahresabschluss bei Kölner und Caritas-PK:

Nach harten Einschnitten …

von Detlef Pohl, Berlin, 26. November 2019

geht es nun weiter. Die beiden sanierungsbedürftigen Schwesterkassen vom Rhein hatten bereits im Mai die Sanierung aufgenommen. Nun liegen auch die Jahresabschlüsse 2018 vor. Detlef Pohl hat einen Blick hineingeworfen.

 

Wie die Zeit vergeht: Vor knapp einem Jahr war bekanntgeworden, dass die Kölner Pensionskasse VVaG (KPK) und ihre Schwester, die Pensionskasse der Caritas VVaG (PKC), in wirtschaftliche Schieflage geraten sind, Leistungen herabsetzen müssen und kein Neugeschäft mehr zeichnen dürfen.

 

By the way: Das Neugeschäft arbeitgeberfinanzierter bAV-Verträge von Mitarbeitern der Caritas-Rechtsträger, die nicht schon in einer ZVK sind, erfolgt rückwirkend zum 1. Januar 2019 über die R+V. Der Versicherer übernimmt aber von der Caritas PK keine Verwaltung, keinen Altbestand und kooperiert insofern auch nicht mit der Caritas PK.

 

Im Mai hatten dann die die Mitglieder-Vertreterversammlungen beider Kassen den jeweiligen Sanierungskonzepten mit dem Ziel zugestimmt, die in den Bilanzen 2017 beider Kassen nicht durch Eigenmittel gedeckten Fehlbeträge auszugleichen, eine stabile finanzielle Grundlage zu schaffen und somit die Versicherungsleistungen der Rentner und Anwärter für die Zukunft zu sichern. Gleichzeitig wurden die die Jahresabschlüsse 2017 verabschiedet. Damals hieß es, dass die tatsächlichen Kürzungen für Versicherte für jeden Vertrag individuell berechnet werden müssen. Für Rentner habe diese Kürzung ab dem 1. Januar 2020 unmittelbare Auswirkungen, bei künftigen Rentnern werde die Rentenanwartschaft rückwirkend zum 1. Januar 2018 reduziert.

 

Jahresabschlüsse 2018 abgesegnet

 

Nun ist es fast schon wieder Dezember, und kurz zuvor haben nun wieder die Mitglieder-Vertreterversammlungen beider Kassen getagt – am 20. November (Kölner) und 25. November (Caritas) – und einstimmig grünes Licht für den jeweiligen Jahresabschluss 2018 gegeben. Es ist der erste Abschluss nach Sanierungsbeschluss und Einstellung des Neugeschäfts. Die Sanierung der Pensionskassen war notwendig geworden, um den bilanziellen Fehlbetrag aus dem Jahresabschluss 2017 auszugleichen, der bei beiden Kassen jeweils beträchtlich war: bei der Kölner PK mit rund 48,3 Mio. Euro und bei der Caritas-PK rund 122,8 Mio. Euro.

 

Der Jahresabschluss 2018 beider Kassen hatte sich verzögert, weil wegen Beschluss des Sanierungskonzeptes der Jahresabschluss 2017 erst im Mai 2019 fertiggestellt werden konnte und die technische Umsetzung der Sanierung rückwirkend für 2017 „zu deutlichen Verzögerungen bei der Aufstellung des Jahresabschlusses 2018 geführt hat“, heißt es unisono in beiden Geschäftsberichten. Hier nun ein paar Basics zu den Abschlüssen:

 

Die Zahlen der Kölner PK

 

Das Geschäftsergebnis beläuft sich auf einen Betrag von 343.000 Euro, der dem Gründungsstock zugeführt wird. Die Kasse spricht von einem „soliden Ergebnis“ – nach dem Ausgleich des Finanzbedarfs in der Bilanz 2017. Der Versichertenbestand legte sogar noch leicht auf 31.553 Versicherte zu (+ 104), da das Neugeschäft von der BaFin erst am 19. September 2018 untersagt wurde. Der Anstieg sei auch auf Sondereffekte wie Vertragsteilungen (Versorgungsausgleich nach Scheidungen) zurückzuführen. Die Beitragseinnahmen gingen um 0,58% auf 21,97 Mio. Euro zurück. An Versicherungsleistungen wurden 7,99 Mio. Euro ausgezahlt (2017: 7,16 Mio. Euro).

 

Die Kapitalanlagen erhöhten sich auf 353,71 Mio. Euro (+ 2,59%). Sie brachten Erträge von 10,7 Mio. Euro (+ 1,1 Mio. Euro) ein. Der Nettoertrag lag jedoch bei minus 106.000 Euro, was minus 0,03% Nettoverzinsung entspricht (2017: 2,57%). „Die negative Verzinsung ergibt sich aus Abschreibungen auf Wertpapiere, die bereits im Rahmen der Sanierung berücksichtigt wurden“, sagt Olaf Keese, Vorstandschef beider Pensionskassen. Der Bruttozins ist jedoch gestiegen und betrug 3,24% (2017: 3,05%). Die laufende Durchschnittsverzinsung lag bei 2,97% (2017: 2,81%).

 

Die Zahlen der Caritas-PK

 

Das Geschäftsergebnis beläuft sich auf einen Betrag von 522.100 Euro (2017: null nach Sanierung), der der Verlustrücklage und somit den Eigenmitteln zugeführt wird. In die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) wurden 58.000 Euro eingestellt. Auch hier spricht Keese von einem „soliden Ergebnis“. Der Versichertenbestand ging leicht auf 24.760 Versicherte zurück (- 240), auch weil das Neugeschäft von der BaFin schon am 11. Mai 2018 untersagt worden war und geringfügig mehr Kündigungen als Neuabschlüsse eingingen. Die Beitragseinnahmen dagegen stiegen um 2,66% auf 9,37 Mio. Euro. An Versicherungsleistungen wurden 31,97 Mio. Euro ausgezahlt (2017: 32,08 Mio. Euro).

 

Olaf Keese, Aufräumer. Foto: Hans Scherhaufer.

Die Kapitalanlagen fielen auf 462,9 Mio. Euro (- 2,7%). Sie brachten Erträge von 21,6 Mio. Euro (- 3,38 Mio. Euro) ein. Der Nettoertrag lag bei minus 1,96 Mio. Euro, was minus 0,42% Nettoverzinsung entspricht (2017: – 3,59%). Die negative Verzinsung ergibt sich – wie bei der Kölner PK – aus Abschreibungen auf Wertpapiere, die bereits im Rahmen der Sanierung berücksichtigt wurden. Der Bruttozins ist wie bei der Kölner PK gestiegen und betrug 3,36% (2017: 2,06%). Die laufende Durchschnittsverzinsung lag bei 2,89% (2017: 1,5%).

 

Auf der Versammlung verkündete die PKC personelle Wechsel im Aufsichtsrat: Neuer Chef ist Oliver Butke, sein Stellvertreter Stefan Sendker. Thomas Vortkamp, bisher Aufsichtsratschef, verbleibt als Mitglied im Aufsichtsrat.

 

Spezialfonds als Ausweg aus den Niedrigzinsen

 

Interessant: Die Kapitalanlage beider Kassen ist stark auf Spezialfonds orientiert. Laut Geschäftsberichten macht die Sammelposition „Aktien, Anteile oder Aktien an Investmentvermögen und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere“ bei der KPK 54% aus (Renten: 39%), bei der PKC gar 76,7% (Renten: 14%).

 

Der reine Aktienanteil (Brutto-Aktienquote) betrug bei der KPK 8,64% des Kapitalanlagenbestandes und bei der PKC 10,04%, so Keese auf Nachfrage. Das ist schon mal deutlich stärker am Kapitalmarkt orientiert als der Durchschnitt der deutschen Lebensversicherer. Die legten 2018 laut GDV das Geld der Vorsorgesparer zu 84,5% in Renten, aber nur zu 4,8% in Aktien, zu 5,7% in Beteiligungen und zu 3,3% in Immobilien an.

 

Die Sprache der Vertreterversammlung

 

Spannend sind die Beschlüsse der Vertreterversammlungen zur Überschussverwendung 2018, die sich in der Diktion etwas unterscheiden:

 

Kölner PK: „… stehen keine Mittel für die Überschussbeteiligung … zur Verfügung, sodass keine überschussfinanzierten Leistungserhöhungen gewährt werden“.

 

Caritas-PK: „Die … in die RfB eingestellten Mittel werden nicht für Leistungserhöhungen verwendet, sondern zur Stärkung der Risikotragfähigkeit auf das Folgejahr (2019) vorgetragen“.

 

Den Unterschied erläutert Keese auf Nachfrage von LEITERbAV wie folgt:

 

Die KPK hat das versicherungstechnische Ergebnis zur teilweisen Wiederauffüllung des Gründungsstockdarlehens verwendet (es betrug zum 31. Dezember 2017 sechs Mio. Euro und musste vollständig zur Finanzierung des Fehlbetrags vor Leistungsreduzierung/Kürzung herangezogen werden). Damit war das Jahresergebnis bei null, es gab somit keinerlei Mittel für die Zuführung zur RfB oder zur Verlustrücklage.

 

Bei PKC wurden 10% des versicherungstechnischen Ergebnisses der RfB zugeführt, aber nicht zugeteilt. „Es handelt sich somit um Mittel der freien, ungebundenen RfB, die als Eigenmittel gelten, aber den Versicherten schon grundsätzlich zustehen“, erklärt Keese. Über die Deklaration einer Überschussbeteiligung könnten diese Mittel dann später zugeteilt, also von der ungebundenen in die gebundene RfB „umgebucht“ werden. Erst dann ergäbe sich für die Versicherten eine konkrete Leistungserhöhung bzw. Reduzierung der Leistungskürzung. Als Jahresergebnis verbleiben bei der PKC 90% des vorherigen versicherungstechnischen Ergebnisses, und diese werden dann dazu verwendet, um die Verlustrücklage (quasi das Eigenkapital) aufzustocken.

 

Sanierungsplan immer von BaFin-Zustimmung abhängig

 

Olaf Keese und Detlef Pohl.

Die Sanierung bedeutet einen gravierenden Einschnitt für die beiden Pensionskassen und unsere Mitglieder“, so Keese weiter, der Kölner und Caritas-PK in Personalunion seit dem Beginn der Sanierung leitet. Oberstes Ziel sei es nun, die fortlaufenden Leistungen für die Versicherten sicherzustellen. Die Bilanz 2018 und die positiven Entwicklungen im aktuellen Geschäftsjahr zeigten, dass man mit dem Sanierungskonzept den richtigen Weg eingeschlagen habe.

 

Das kann möglicherweise nicht jede Pensionskasse, die in Schwierigkeiten geraten ist, von sich behaupten. Bei der Deutschen Steuerberater-Versicherung – Pensionskasse des steuerberatenden Berufs – etwa beabsichtigt die BaFin den Finanzierungsplan abzulehnen. Damit steht die Weiterführung des Geschäftsbetriebes in Frage. Im Moment kann ein expliziter Run-off infolge Widerrufs der Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb nicht ausgeschlossen werden. Die Kasse selbst und auch die BaFin halten sich immer noch bedeckt.

 






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