bAV-Prax Advertorial:

Governance ist mehr …

von Frank Diesterhöft, Frankfurt am Main, 26. August 2020

als nur ein Wort. Drei Lehren, die Anleger bei der Beurteilung von ESG-Risiken aus der Wirecard-Pleite ziehen können, erläutert Frank Diesterhöft. Denn der Fall zeigt erneut eindrücklich, wie sich eine problematische Governance in einem Verlust materialisieren kann – und das betrifft nicht nur Aktionäre.

 

 

Frank Diesterhöft, Insight Investment.

Die Wirecard AG meldete am 25. Juni 2020 Insolvenz an. Zuvor hatte das Unternehmen eine Überschuldung eingeräumt und über Fälle von Betrug berichtet. Nachdem Wirecard im September 2019 eine Investment-Grade-Anleihe aufgelegt hatte (WKN A2YNQ5, Koupon 0,5%), haben die Inhaber dieses Papiers in weniger als zwölf Monaten Stand heute ca. 80% ihres eingesetzten Kapitals verloren (siehe Abb.).

 

Wir haben es hier mit einem weiteren von einer ganzen Reihe von Beispielen zu tun, die zeigen, wie ESG-Risiken (Environmental, Social, Governance) erhebliche Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens haben und Anleiheinvestoren beträchtliche Verluste bescheren können. Aus unserer Sicht können aus der Erfahrung mit Wirecard drei Lehren für die Beurteilung von ESG-Risiken gezogen werden können.

 

Abb.: Debüt-Anleihe von Wirecard verzeichnet schweren Verlust.

 

Quelle: Bloomberg, Stand 30.06.2020. Auflegung der Anleihe im September 2019, denominiert in Euro, Fälligkeitstermin 11. September 2024.

Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Nicht auf einen einzigen Datenanbieter verlassen

 

Die Zahlen der verschiedenen Datenanbieter sind oft gegensätzlich und manchmal auch falsch. Bei Wirecard zum Beispiel lieferten drei der renommiertesten Datenanbieter sehr unterschiedliche Bewertungen (ein niedrigeres Perzentil bedeutet ein höheres Risiko):

 

Anbieter 1: Wirecard liegt im abgedeckten Universum im 54. Perzentil.

 

Anbieter 2: Platzierung von Wirecard im 82. Perzentil.

 

Anbieter 3: Wirecard landet im 12. Perzentil.

 

Dies unterstreicht unseres Erachtens, dass Anleger ESG-Bewertungen auf breiter Basis betrachten und in den Entscheidungsfindungsprozess integrieren sollten.

 

Sinnvoller, Detailergebnisse zu analysieren als nur auf die Gesamtnote zu blicken

 

Die Beschäftigung mit den Detailergebnissen förderte einige interessante Erkenntnisse zutage:

 

Bei Anbieter 1 schnitt Wirecard bei den Rechnungslegungspraktiken wesentlich schlechter ab als vergleichbare Unternehmen, obgleich andere vom gleichen Anbieter als wichtig erachtete Governance-Kennzahlen innerhalb einer Standardabweichung vom Durchschnitt der betrachteten Branchenkategorie lagen.

 

Anbieter 2 erteilte Wirecard bei Geschäftsethik und Unternehmensführung jeweils eine durchschnittliche Note.

 

Aus Sicht von Anbieter 3 war das Bild durchweg negativ. Bedenken wurden unter anderem in Bezug auf Prüfungen, interne Kontrollen, Korruption und ein wettbewerbswidriges Verhalten geäußert. Diese Daten waren deutlich umfangreicher und detaillierter als die der anderen Datenanbieter.

 

Aus unserer Sicht vermitteln die Risikobewertungen bezüglich der Bilanzierungspraktiken eine wichtige Erkenntnis. Und zwar glauben wir, dass eine frühere Verwicklung in ernste Governance-Kontroversen ein geeigneter Indikator ist, um auf ein erhöhtes Kreditrisiko aufmerksam zu machen.

 

Die größeren Risiken sollten auf Basis qualitativer Beurteilung übergewichtet werden

 

Würden alle gelieferten Daten gleich gewichtet, könnte dies dazu führen, dass Risiken unterschätzt werden. Die Verwendung qualitativer Kriterien und die Einbeziehung von Risikobewertungen aus anderen Quellen können helfen, die wichtigsten Risiken zu identifizieren und stärker zu gewichten. Neben der Übergewichtung der Daten von Anbieter 3 in unserem ESG-Modell unternahmen unsere Analysten folgende Schritte:

 

Sie entschlossen sich zu einer stärkeren Übergewichtung des Governance-Signals bei Wirecard: Die Rolle eines Kreditanalysten besteht vornehmlich darin, Risiken zu erkennen und sicherzustellen, dass wir dafür entschädigt werden, wenn wir sie eingehen. Aus dieser Perspektive lautet die Haltung unserer Analysten zu Unternehmen der Kategorie Software und Services, dass „Unternehmensführung“ (Governance) in Bezug auf Kreditrisiken wesentlich stärker gewichtet sein sollte als ökologische und soziale Aspekte.

 

Sie berücksichtigten die Stellung von Wirecard relativ zu seinen Branchenwettbewerbern: Rohdaten lassen sich schwer sinnvoll interpretieren, da ihre Verteilung in den einzelnen Branchenkategorien unterschiedlich ist. Der Vergleich von Emittenten mit ihren Branchenwettbewerbern hilft, weitere Risiken zu identifizieren, die einer näheren Analyse bedürfen – die Erwartungen sind innerhalb jeder Branchenkategorie in der Regel unterschiedlich. Der Umstand, dass Wirecard bei 10 von 13 „Key Issues“ im Bereich Unternehmensführung durchweg eine unterdurchschnittliche Bewertung erhielt, war besonders alarmierend.

 

 

Zusammenfassung

 

ESG-Ratings, die ernsthafte Probleme in den Fokus rücken, sind für den Research-Prozess von Vorteil. Der Fall Wirecard zeigt, wie die Anwendung der daraus gezogenen Lehren in Form der Erstellung von Ratings für Anleger nützlich sein kann. Solche Ratings ergänzen die Beobachtungsprozesse und erweitern die Informationsbasis für den Dialog mit Unternehmen.

 

Insight hat zu diesem Zweck ein eigenes ESG-Bewertungssystem eingeführt. Es kombiniert Daten verschiedener Anbieter mit den qualitativen Analysen unserer Kreditanalysten mit dem Ziel, wesentliche Risiken aufzuzeigen. Unseres Erachtens wird die Kreditanalyse unseres Hauses dadurch gestärkt, und unsere Portfoliomanager erhalten Unterstützung bei dem Bemühen, alle wesentlichen Risiken zu berücksichtigen.

 

Der Autor ist Head of Fixed Income Sales, Germany der Insight Investment.

 

Von ihm und anderen Autorinnen und Autoren der Insight Investment erschienen zwischenzeitlich bereits auf LEITERbAV:

 

Die drei Trugschlüsse über LDI-Strategien.

von Olaf John, London, 11. November 2013

 

CRE-Darlehen als Anlageklasse: Renditeaufschlag. Illiquiditätsprämie. Geringe Korrelation.

von Olaf John, London, 12. Februar 2014

 

Ist der Longevity Swap die bessere Versicherung?

von Wolfgang Murmann, London, 4. Juni 2014

 

Globales Farmland als Anlageklasse.

von Olaf John, London, 14. September 2014

 

LDI als Alternative zum Prinzip Hoffnung.

von Wolfgang Murmann, London, 20. Mai 2015

 

Bericht aus London: Pensions, Freedom und Lamborghinis.

von Olaf John, London, 15. Oktober 2015

 

Collateral Pool: Verschuldung, Verzerrung – und Navigieren in den Kreditmärkten.

von Olaf John, London, 16. Dezember 2015

 

Mögliche Zinswende: Das Ende von LDI?

von Wolfgang Murmann, London, 23. Februar 2016

 

Effiziente Anleihenallokation im Negativzinsumfeld

von Olaf John, London, 24. August 2016

 

Investment Grade Private Debt: Ein Muss für alle Pensionseinrichtungen?

von Wolfgang Murmann, London, 21. Dezember 2016

 

Absolute Return mit Private Debt?!

von Olaf John, London, 4. April 2017

 

Klimabezogene Risiken bei Anleihe-Emittenten

von Olaf John, London, 12. Juni 2018

 

Aktienrenditen mit reduziertem Downside – Aber wie?

von Olaf John, London, 6. September 2018

 

ESG-Momentum oder … wie nachhaltig sind eigentlich Staaten? 

von Frank Diesterhöft und Olaf John, Frankfurt am Main, 7. November 2018

 

Nachhaltiges Investieren in festverzinsliche Wertpapiere

von Olaf John, Frankfurt am Main, 16. Mai 2019

 

Wohin mit dem Geld?

von Frank Diesterhöft, Frankfurt am Main, 25. September 2019

 

Fünf gute Gründe für Emerging Markets Corporate Debt

von Sabrina Jacobs, Frankfurt am Main; London, 11. Dezember 2019

 

Pensionsrisiken aus der Stakeholder-Perspektive

von Wolfgang Murmann, Frankfurt am Main, 8. Juli 2020.

 

Governance ist mehr als nur ein Wort

von Frank Diesterhöft, Frankfurt am Main, 26. August 2020

 

 

Advertorial mit freundlicher Unterstützung von:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt:

Frank Diesterhöft

Head of Fixed Income Sales, Germany

Insight Investment

MesseTurm

Friedrich-Ebert-Anlage 49

 

60327 Frankfurt am Main

Email: frank.diesterhoeft@InsightInvestment.com

Switchboard: +49 69 12014-2650

Internet: www.insightinvestment.com/de/

 

 

 

 

 

 

 

 

Der vorliegende Inhalt ist Werbematerial; die enthaltenen Informationen stellen keine Anlageempfehlung dar. Sofern nicht anders angegeben, sind die hierin vertretenen Ansichten und Meinungen die von Insight Investment zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Sie können sich ändern. Das Dokument darf nicht zum Zweck eines Angebots oder einer Aufforderung an Personen in Ländern oder Hoheitsgebieten verwendet werden, in denen dies unzulässig beziehungsweise rechtswidrig wäre. Insight berät seine Kunden nicht in steuerlichen oder rechtlichen Fragen, und es wird allen Anlegern dringend empfohlen, in Bezug auf eine mögliche Strategie oder ein Investment professionellen Rat einzuholen. Herausgegeben von Insight Investment Management (Global) Limited. Eingetragener Sitz: 160 Queen Victoria Street, London EC4V 4LA. Registriert in England und Wales. Eintragungsnummer 00827982. Zugelassen und beaufsichtigt von der Financial Conduct Authority. FCA-Firmenreferenznummer 119308.

© 2020 Insight Investment. Alle Rechte vorbehalten. IC2242

Alle Inhalte auf LEITERbAV, und damit auch der vorliegende, einschließlich der über Links gelieferten Inhalte, richten sich an bAV-Verantwortliche in Industrie, Politik, Behörden und bei Verbänden sowie an bAV-Berater und bAV-Dienstleister und damit nur an institutionelle Marktteilnehmer. Die Inhalte und die Werbeinhalte einschließlich der von Gastautoren gelieferten Inhalte und einschließlich der über Links gelieferten Inhalte sind weder in Deutschland noch außerhalb Deutschlands als Kauf- oder Verkaufsangebot irgendeiner Art oder als Werbung für ein solches Angebot (bspw. von Fondsanteilen, Wertpapieren oder zur Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen) zu betrachten und stellen keinerlei Beratung dar, insbesondere keine Rechtsberatung, keine Steuerberatung und keine Anlageberatung, oder ein Angebot hierzu dar. LEITERbAV (PB), Herausgeber und Redaktion sowie Gastautoren übernehmen keinerlei Garantie, Gewährleistung oder Haftung für Korrektheit, Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Inhalte gleich welcher Art. Dasselbe gilt für die Verwendung dieses Artikels oder dessen Inhalt. Auch jegliche Haftung für etwaige IT-Schäden, Vermögensschäden oder sonstige Schäden, die aus der Nutzung dieser Inhalte, beispielsweise zu Anlageentscheidungen (handeln oder nicht handeln), resultieren könnten, ist ausgeschlossen. Dasselbe gilt, wenn LEITERbAV (PB) oder Gastautoren in diesem Werk auf Werke oder Webseiten Dritter verweisen. Alle Meinungsäußerungen geben ausschließlich die Meinung des verfassenden Redakteurs, freien Mitarbeiters oder externen Autors wieder und sind subjektiver Natur. Es handelt sich dabei nur um aktuelle Einschätzungen, die sich ohne vorherige Ankündigung ändern können. Die Texte sind damit vor allem für jegliche Form des Vertriebs, der Beratung oder der Finanzdienstleistung nicht vorgesehen. Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als nicht zutreffend oder nicht korrekt herausstellen können. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. LEITERbAV und seine gesamten Inhalte und Werbeinhalte und die in ihm enthaltenen Informationen dürfen nur in solchen Staaten verbreitet oder veröffentlicht werden, in denen dies nach den jeweils anwendbaren Rechtsvorschriften zulässig ist. Der direkte oder indirekte Vertrieb von LEITERbAV in den USA sowie dessen Übermittlung an oder für Rechnung von US-Personen oder an in den USA ansässige Personen sind untersagt. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Als Gerichtsstand wird Berlin vereinbart.

© 2020 Pascal Bazzazi – LEITERbAV. Die hier veröffentlichten Inhalte und Werke unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Keine Nutzung, Veränderung, Vervielfältigung oder Veröffentlichung (auch nicht auszugsweise, auch nicht in Pressespiegeln) außerhalb der Grenzen des Urheberrechts für eigene oder fremde Zwecke ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch Pascal Bazzazi.



© alle Rechte vorbehalten