German Pension Finance Watch Q II 2016:

Es treibt und treibt der Niedrigzins

von Pascal Bazzazi, Stockholm, 27. Juli 2016

 

Im zweiten Quartal 2016 haben die Pensionsverpflichtungen deutscher Konzerne wieder satt zugelegt. Entsprechend war die Funding Ratio im Rückwärtsgang. Zu diesem Ergebnis kommt die turnusgemäße Modellrechnung von Willis Towers Watson.

 

 

Konnte für deutsche Konzerne bezüglich ihrer DBO/DBL für das Jahr 2015 noch eine leichte Entspannung vermeldet werden, hat der Wind in diesem Frühling wieder gedreht:

 

Laut Modellberechnungen von Willis Towers Watson stiegen die Pensionsverpflichtungen der DAX-Konzerne im zweiten Quartal 2016 um satte sieben Prozent auf 428,8 Mrd. Euro, nachdem der IAS-19-Rechnungszins auf 1,7 Prozent gefallen ist. Im MDAX legten die Verpflichtungen ebenfalls deutlich um 6,9 Prozent auf 67,1 Mrd. Euro zu.

 

Hingegen konnten die DAX-Planvermögen leicht um 0,4 Prozent auf 237,0 Mrd. Euro zulegen, im MDAX blieben sie stabil bei 27,8 Mrd. Euro.

 

 

EZB, FED, Brexit

 

Grund für diesen deutlichen DBO-Anstieg war der Verfall des Rechnungszinses. Dieser war im zweiten Quartal um 42 Basispunkte auf die erwähnten 1,7 Prozent eingebrochen, nachdem schon im ersten Quartal ein Rückgang um 38 Basispunkte auf 2,12 Prozent zu verzeichnen gewesen war.

 

Wenig überraschend die Ursachen. Thomas Jasper, Leader Retirement Western Europe bei WTW, führt neben QE der EZB und ausbleibender Zinserhöhung der FED auch eine Nachfrage nach sicheren Anlagen an, die im Zuge der Marktturbulenzen nach der Brexit-Entscheidung weiter angezogen habe.

 

Im Zusammenwirken hat dies im zweiten Quartal zu einem deutlich geringeren Ausfinanzierungsgrad von Pensionsplänen geführt. Die Modellrechnung ermittelt für den DAX Ende Juni 2016 einen Ausfinanzierungsgrad von nur noch 55,3 Prozent – ein Rückgang um weitere 3,5 Prozentpunkte gegenüber Ende März. Bei den MDAX-Planvermögen fiel das Minus mit 2,7 Prozentpunkten auf 41,5 Prozent etwas moderater aus.

 

 

Über die Studie

 

Die „German Pension Finance Watch“ (GPFW) stellt die Auswirkungen der Kapitalmarktentwicklungen auf deutsche Benchmark-Pensionspläne dar. Verglichen wird ein Musterplan, der Ende 2003 vollständig ausfinanziert war (100-Prozent-Plan) und laufend in Höhe der neu erdienten Ansprüche dotiert wird mit einem für ein DAX- beziehungsweise MDAX-Unternehmen typischen Pensionsplan.

 

Die Untersuchung ergänzt die von Willis Towers Watson herausgegebenen Studien zu US-amerikanischen und weltweiten Benchmark-Pensionsplänen sowie zu den Schweizer Pensionsplänen, die quartalsweise erscheinen.

 



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