Die kommentierte Presseschau zur bAV:

Kassandra

von Pascal Bazzazi, Berlin, 20. September 2019

Regelmäßig freitags bringt LEITERbAV eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Abgerechnet wird am Ende.

 

 

Die Welt (18. September): „Kapital-Engpässe – „Verrückte Szenen“ – US-Geldmarkt erlebt plötzlichen Bankrun.“

 

Das hat wohl jeder auf unserem Parkett mitbekommen: Repo-Rate in New York springt von zwei auf zehn Prozent, US-Leitzins auf 2,3 Prozent, Notenbank von New York pumpt 53 Mrd. USD in den Markt, später dann weitere weitere 75 Mrd. USD.

 

Die Sache ging direkt über die einschlägigen Online-Medien (Godmode, Zerohedge) und kam schließlich auch in der Tagespresse an. Und die Marktteilnehmer mit nicht allzu kurzem Gedächtnis hatte hier sicher ein Déjà-vu. Kassandra kann sich noch dunkel an ähnliche Fälle aus dem Jahr 2006 erinnern, also am frühen Vorabend der Finanzkrise.

 

Das vielleicht wichtigste Zitat aus dem Welt-Beitrag:

 

Die Situation war so angespannt, dass die amerikanischen Währungshüter die Hoheit über die Zinsen verloren.“

 

Keine Kontrolle über die Zinsen mehr? Kassandra warnt seit Jahr und Tag (erst vergangene Woche wieder) vor einer Wiederkehr der Krise:

 

Abgerechnet wird, wenn die Zinsen ungeplant steigen. Denn dann sind die Instrumente der Notenbanken stumpf und die Staaten schnell am Ende. Dann hilft auch kein Helikoptergeld mehr. Es hilft nur, den Weg dorthin noch schneller zu beschreiten.“

 

Ist der Vorfall nun ein Indiz, dass es soweit ist? Zumindest ein Vorbote? Keiner weiß. Optimistisch könnte man es ja auch positiv und für stabilitätsfördernd halten, dass Banken sich nicht blind untereinander vertrauen. Möglicherweise hat der Liquiditätsengpass auch nur technische Gründe (in diese Richtung gibt dieser hier verlinkte Beitrag aus der Institutional Money mehr Hinweise).

 

Zu denken geben muss die Sache in jedem Fall aber angesichts der insgesamt extrem fragilen großstrategischen Geolage und der Tatsache, dass die Notenbanken anders als 2007 ihr Pulver längst verschossen haben, allemal. Denn wie bei früheren schweren Rücksetzern muss man festhalten:

 

Wie dem auch sei, keiner sagt, dass es nun wieder zu einer schweren Krise samt tiefen Asset Meltdown kommen muss. Doch die dafür nötigen Zutaten, die sind alle vorhanden – satt und genug.“

 

Das gilt auch für den möglichen Zündfunken. Für diese Rolle drängelt sich derzeit erneut der Nahe Osten vor, wo der örtliche Konflikt (der nach einer Eskalation vermutlich schnell globale Wirkung entfalten dürfte) von nicht eindeutig identifizierter, aber in jedem Fall interessierter Seite derzeit – wie praktisch nach jedem Entspannungszeichen – zufällig just nach dem Rauswurf John Boltons und vorherigen Gesprächsangeboten Donald Trumps an den Iran erneut massiv angeheizt wird, von wem auch immer.

 

Kassandra bei der Arbeit.





Print Friendly, PDF & Email


© alle Rechte vorbehalten