Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 28. Oktober 2016

 

Jeden Freitag bringt LEITERbAV eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Mit Cash kaschieren kann nicht klappen.

 

 

 

Der Standard (25. Oktober): „Griechischen Pensionskassen droht der Zusammenbruch.“

 

So sind sie nunmal, die Begleiterscheinungen einer andauernden Insolvenzverschleppung eines ganzen Staates: nämlich dass die Probleme, die man gerade an der einen Stelle mühsam mit Cash kaschiert hat, mit einem kurzen Timelag an zig anderen Stellen erneut aufpoppen. Das ist er eben, der Fluch der bösen Tat, immer neu gebären, Schiller, Wallenstein und so… Sie wissen schon. To be continued…

 

 

 

FAZ (26. Oktober): „Geplante Aixtron-Übernahme – Stoppte Amerikas Geheimdienst die Chinesen?“

 

Hat das mit der bAV zu tun? Ja, hat es. Denn Kassandra hat schon des öfteren über die Fehlaufstellung der deutschen Wirtschaft geunkt, beispielsweise unter dem Gesichtspunkt, dass die deutsche Volkswirtschaft Rekordexportüberschüsse, Rekordbeschäftigung und Rekordsteueraufkommen in erster Linie in Rekordstaatsverschuldung (derzeit durch die Sparerenteignung mittels Niedrigzins nur kaschiert), Rekorddefizite und (gefühlten) Rekordverfall der Infrastruktur umsetzt. Nicht minder bemerkenswert aber auch, dass eine der stärksten Industrienationen der Welt nur verhältnismäßig winzige Pensionsvermögen akkumuliert hat.

 

Ein Land, das seit Jahrzehnten sagenhafte Leistungsbilanzüberschüsse produziert und ebenso sagenhafte Rettungsschirme für seine Nachbarn finanziert, sollte eigentlich in großem Stil Auslandsvermögen anhäufen. Doch das Gegenteil scheint der Fall: Mit dem DAX gerät ein Kernstück der deutschen Volkswirtschaft schon seit Jahr und Tag zunehmend unter die Kontrolle ausländischer Anleger (ein Prozess, der mit der Auflösung der Deutschland AG in der Amtszeit ausgerechnet des Sozialdemokraten Gerhard Schröder begann), und der Prozess wächst sich offenbar sukzessive durch die ganze Volkswirtschaft, wie man am aktuellen Beispiel Aixtron sieht (wobei ein Gelingen der Übernahme ironischerweise in die Statistik als „Export“ einginge, für unbedarftere Charaktere also etwas positives ist).

 

Ein Teil des Problems neben vielen anderen sind besagte winzige Pensionsvermögen der Deutschen, denn bei denen gilt auch noch, dass sie sich aus verschiedensten Gründen (Mentalität, Regulierung, Aufsicht etc.) im Wesentlichen auf Nominalwerte stützen. Anders als in vielen Industriestaaten, bei denen die großen Pensionsfonds sichtlich dazu beitragen, Real Assets im Ausland zu akkumulieren (besonders prägnant ist das in dem recht bevölkerungsarmen Kanada), fehlt ein solcher Effekt hierzulande fast völlig.

 

Deutschland steht bekanntlich vor einer großen bAV-Reform, in der sich die Diskussion vor allem um technische, rechtliche und tarifpolitische Fragen dreht. Möglicherweise ist diese Reform eine Gelegenheit, den geschilderten Mangel abzustellen?

 

Fidelitys Christof Quiring erklärte jüngst in einem Roundtable der dpn mit Blick auf eine andere Übernahme aus dem Bereich der deutschen Hochtechnologie:

 

Wenn wir ein System schaffen, in dem Vorsorgesparer und Rentner vermehrt deutsches Produktivkapital besitzen, dann könnten wir auch Situationen, in denen deutsche Spitzentechnologie ins Ausland verkauft zu werden droht – man denke nur an den Roboterhersteller KUKA –, vermeiden.“

 

Das triffts. Am Rande noch: Die Tatsache, dass die Bundesregierung laut verlinktem FAZ-Artikel möglicherweise ausgerechnet von US-Nachrichtendiensten – die ja bekanntlich ohnehin am besten über das informiert sind, was in diesem Land vor sich geht – für die an sich offenkundige Problematik im Fall Aixtron sensibilisiert werden musste (also von Diensten, die nicht dafür bekannt sind, besonders selbstlos in Bezug auf deutsche Hochtechnologie zu handeln), ist nicht nur eine Peinlichkeit, sondern macht industriepolitisch auch nicht viel Hoffnung auf Besserung.

 

Kassandra bei der Arbeit.

Kassandra bei der Arbeit.



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