Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Leipzig, 12. August 2016

 

Jeden Freitag bringt LEITERbAV eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Blase?

 

 

FAZ (10. August): „Zusatzversorgungskassen in der Zange.“

 

Die Frankfurter beschäftigt sich auf Basis einer Studie ausführlich mit den Zusatzversorgungskassen. Viel ist zu dem Beitrag nicht hinzuzufügen. Ja, die Transparenz ist in diesem Segment überschaubar; ja, die Aufsicht erfolgt nicht durch die BaFin; und ja, die ZVK leiden leiden ebenso unter dem Zusammenwirken aus Demografie und Niedrigzins wie Lebensversicherer, Pensionskassen, Pensionsfonds und Industrieunternehmen (mit dem kleinen Unterschied, dass letztere sich als Kehrseite der Medaille regelmäßig zum Minizins elegant refinanzieren können, um ihre Versorgungswerke zu funden).

 

Die ungewöhnlichen Anlageergebnisse der VBL sind übrigens kein neues Phänomen und in der Fachwelt schon länger diskutiert worden, beispielsweise in der DPN.

 

Bekannt ist auch, dass sich die VBL in der Umsetzung ihrer Aufgaben nicht immer so trittsicher zeigt wie in der Kapitalanlage. Gut passt dazu ein Zitat, dass die FAZ der Studie entnommen hat:

 

Es darf auf Dauer nicht sein, dass keine andere Versorgungseinrichtung in Deutschland so häufig vor Gericht steht und auch immer häufiger verliert als die VBL“

 

Das stimmt, wobei die VBL an dieser Stelle meist nur ausführendes Organ für die Tarifregelungen ist. Ein aktuelles Beispiel siehe hier.

 

 

 

FAZ (8. August): „Commerzbank warnt vor Blase am Immobilienmarkt.“

 

Es gibt sicher viele gute Gründe, eine Immobilienblase in Deutschland zu konstatieren, und sicher viele gute dagegen. Fakt ist, dass die Renditen auch hier ständig weiter zurückgehen, doch wieso sollte es ausgerechnet hier anders sein als in anderen Asset-Klassen? Das wäre ja eine geradezu groteske Entwicklung.

 

Kassandra möchte zu der Diskussionen mit einer eigenen, wenn auch etwas simplen Rechnung beitragen:

 

Über Jahre war es üblich, dass institutionelle Investoren bei dem Erwerb von Immobilien einen Multiplikator von rund 17 zahlten. Das waren Zeiten, in denen eine Bundesanleihe mit durchschnittlich rund fünf Prozent rentierte (bis circa 2007, in den Vorjahren auch deutlich höher). Umgerechnet hatte die Anleihe damit einen Multiplikator von 20. Insofern passten die 17 für Real Estate gut.

 

Bekanntlich rentieren zehnjährige heute negativ. Ein Multiplikator lässt sich damit gar nicht mehr berechnen. Spränge die Rendite mal auf sagen wir 0,2 Prozent, wäre das ein Multiplikator von 500. Wenn angesichts dieser 500 heute Investoren mit Liabilities für Immobilien also das über 20fache bezahlen, liabilityfreie Investoren wie Stiftungen und Family Office gern auch mal das 25- bis 30fache, dann wirkt das verhältnismäßig immer noch gemäßigt.

 

Wenn man weiter annimmt, dass Euroland erstens finanz- und realwirtschaftlich von dem billigen Geld längst drogenabhängig geworden ist (die EZB also in der selbstgestellten Falle sitzt) und zweitens vor allem die Europäer auf die vielfachen Krisen zu Hause und vor der Haustür keine Antwort haben außer die des billigen Geldes, die Zinsen also auf unabsehbare Zeit niedrig bleiben sollten oder gar müssen, dann kann man durchaus anderer Meinung sein als die Commerzbank.

 



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