Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Berlin, 3. Juni 2016

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Ultralange Geldschöpfung an der EZB vorbei.

 

 

Süddeutsche Zeitung (31. Mai): „Erste Pensionskasse senkt Betriebsrenten.“

 

Vergangenen Freitag berichtete Leiter-bAV über die Kürzungen im Future Service des BVV.

 

Hier nun Informationen über die analogen Maßnahmen bei der neu leben PK in der Süddeutschen, womit das Thema endgültig im Mainstream ankommt. Mit weiterer Berichterstattung ist zu rechnen.

 

 

 

Fraktion Die Linke (31.5.): „Der Bundestag wolle beschließen: Die Riester-Rente in die gesetzliche Rentenversicherung überführen.“

 

Auch wenn hier von Freiwilligkeit die Rede ist: An dem Antrag der Linken im Bundestag kann man ablesen, was nicht nur den Altersrückstellungen in der PKV, sondern auch den Deckungsmitteln in der bAV drohen könnte, sollten die politischen Mehrheitsverhältnisse eines Tages dementsprechend sein.

 

 

 

Portfolio Institutionell (1. Juni): „Investoren gehen die Extrameile und investieren in Ultralangläufer.“

 

Das Magazin berichtet über die Verzweiflung der Pensionsinvestoren auf der Suche nach Investmentmöglichkeiten, gespeist aus der Kombination von Regulierung und Asset Inflation (beides staats-gemacht). Folge sind Investments in Ultralangläufer der Emittenten, die noch vor einigen Jahren als PIIGS bezeichnet worden sind. Irland und Belgien 100-jährigen Anleihe.

 

Hinzugefügt sei erstens, dass alle Beteiligten einer solchen Emission – sei es auf Emittentenseite, sei es auf Investorenseite – nicht mehr im Amt, vermutlich tot sein werden, wenn eine solche Anleihe fällig wird. Das wissen sie selbst, und dies könnte Anlass geben zu der Vermutung, dass die Beteiligten einen möglichen Zahlungsausfall nicht derartig in ihre Überlegungen einbeziehen wie sie es bei kürzer laufenden Anleihen zu tun pflegen.

 

Außerdem ein Aspekt aus geldpolitischer Sicht: Wenn Länder wie Irland oder Belgien sich für 100 Jahre Geld zu einem Minizins leihen, dann ist das nichts anderes als eine faktische, nationale Geldschöpfung an der EZB (die mittelbar natürlich dafür verantwortlich ist) vorbei. Die Kosten sind minimal, und die in weiter ferne liegende Tilgung muss nicht weiter kümmern, können sich doch mit der Refinanzierung, so sie denn je erfolgen wird, spätere Generationen in einigen Jahrzehnten befassen.

 

Insofern kann man aus deutscher Sicht die Fixierung des deutschen Finanzministers auf die gleichermaßen folkloristische wie scheinheilige „schwarze Null“ kritisieren. Wenn die Entwicklung nun mal ist, wie sie ist, die Kapitalmärkte aus welchen ordnungspolitisch fragwürdigen Gründen auch immer Ultralangläufer auch zu Minizinsen brauchen, dann wäre es ein Fehler, hier anderen Staaten den Vortritt zu lassen. Zumal solche Emissionen nicht die einzige Geldschöpfung der Euro-Staaten an der EZB und den anderen Mitgliedstaaten vorbei sind, man denke nur an das Anfa-Abkommen.

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

FAZ (27 Mai): „Welche Wirtschaft tötet?“

 

Gastbeitrag in der FAZ – über die Irrwege der katholischen Soziallehre, die Bedeutung des freien Unternehmertums und die korrumpierende Rolle des Staates am Beispiel des ökonomischen und sozialen Niedergangs Argentiniens.

 

Mit Adjustierungen kann man den Beitrag auf viele Länder Lateinamerikas, aber auch Europas – namentlich Deutschland – übertragen.



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