Die Deckungsmittel der deutschen bAV 2016:

Stramm Richtung 600 Milliarden

von Pascal Bazzazi, Berlin, 2. Juli 2018

Wie jedes Jahr um diese Zeit hat Joachim Schwind Entwicklung und Verteilung der Deckungsmittel in der deutschen bAV für das vorvergangene Jahr ermittelt. Der Zuwachs liegt bei knapp 24 Milliarden Euro.

 

Joachim Schwind, Hoechster Pensionskasse.

Die positive Entwicklung der Deckungsmittel der deutschen bAV hat sich auch im Jahr 2016 fortgesetzt. Die von Joachim Schwind, dem dieser Tage in den Ruhestand gehenden Chef der Höchster Pensionskasse, turnusgemäß ermittelten Deckungsmittel beliefen sich zum 31. Dezember 2016 auf insgesamt 593,8 Mrd. Euro und verzeichneten damit einen Zuwachs in Höhe von rund 3,3% gegenüber 2015.

 

 

 

 

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Im Einzelnen ermittelte Schwind für die einzelnen Durchführungswege:

 

 

Direktzusage: ungebrochen an der Spitze

 

Die Deckungsmittel für die Direktzusagen beliefen sich 2016 auf rund 297,6 Mrd. Euro. Davon entfielen rund 163 Mrd. Euro auf laufende Renten und rund 134 Mrd. Euro auf gesetzlich unverfallbare Anwartschaften. Damit bleibt die Direktzusage auch 2016 mit rund 50,1% an den gesamten Deckungsmitteln mit großem Abstand der bedeutendste Durchführungsweg der deutschen bAV. Über 8 Millionen Versorgungsberechtigte sind durch eine Direktzusage begünstigt, die durch den PSV im Rahmen der §§ 7 ff. BetrAVG gesetzlich gegen die Insolvenz des Arbeitgebers geschützt ist. Die Deckungsmittel für Direktzusagen sind in 2016 gegenüber dem Vorjahr um rund 2,5% angestiegen.

 

 

Pensionskasse: absolute Stärke

 

Im Durchführungsweg Pensionskasse sind die Deckungsmittel gegenüber dem Vorjahr von rund 152,2 Mrd. Euro auf rund 160,1 Mrd. Euro zum Jahresende 2016 angestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 5,2%. In absoluten Zahlen gesehen haben die Pensionskassen mit einem Anstieg von 7,9 Mrd. Euro vergleichsweise den höchsten Zuwachs zu verzeichnen.

 

Insgesamt waren in 2016 rund 7,8 Millionen Anwärter und 1,3 Millionen Versorgungsempfänger bei den Pensionskassen versichert. Der Anteil der Deckungsmittel im Durchführungsweg Pensionskasse an den gesamten Deckungsmitteln liegt bei rund 27% und somit in etwa bei dem Anteil des Jahres 2015.

 

 

Direktversicherung: stabil

 

Ebenfalls positiv gegenüber dem Vorjahr hat sich der Durchführungsweg Direktversicherung entwickelt. Die Deckungsmittel betrugen Ende 2016 rund 63,3 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von rund 3,3%. Der Anteil an den gesamten Deckungsmitteln liegt bei rund 10,6% und damit auf dem Vorjahresniveau. 

 

 

U-Kasse: leicht schrumpfend

 

Die Deckungsmittel im Durchführungsweg Unterstützungskasse, der 2015 noch ein Wachstum verzeichnet hatte, sind gegenüber dem Vorjahr um rund 3,6% zurückgegangen. Die Deckungsmittel haben sich von rund 38,6 Mrd. Euro auf rund 37,2 Mrd. Euro verringert. Der Anteil an den gesamten Deckungsmitteln liegt bei rund 6,3%. Bei den U-Kassen ist die Anzahl der versorgungsberechtigten Rentner von rd. 526.000 Ende 2015 auf 480.000 Ende 2016 zurückgegangen. Ebenfalls zurückgegangen ist die Anzahl der Anwärter mit gesetzlich unverfallbaren Anwartschaften. Dies ist offensichtlich auf Wechsel in einen anderen Durchführungsweg (Direktzusage) zurückzuführen.

 

 

Pensionsfonds: weiter wachsend auf weiter kleinem Level

 

Die Deckungsmittel im Durchführungsweg Pensionsfonds sind in 2016 um rund 9,2% gegenüber dem Vorjahr angestiegen und verzeichneten damit wiederum einen hohen Zuwachs. Die Deckungsmittel liegen Ende 2016 bei rund 35,6 Mrd. Euro, dies entspricht einem Anteil von ca. 6% an den gesamten Deckungsmitteln der bAV.

 

Rund 626.000 Anwärter (Vorjahr: 603.000 Anwärter) und rund 297.000 Rentner (Vorjahr: 293.000 Rentner) sind Versorgungsberechtigte im Durchführungsweg Pensionsfonds. 

 

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Neben eigener Recherche greift Schwind zur Ermittlung der Daten regelmäßig auf Veröffentlichungen der BaFin, des GDV und des PSV zurück. Regelmäßig veröffentlicht er seine Ergebnisse in der aba-Zeitschrift BetrAV 1). Zusatzversorgungskassen umfasst seine Statistik nicht.

 

Wer sich für die Größenordnungen der deutschen bAV in Relation zu den Systemen der 2. Säule in anderen europäischen Staaten interessiert, wird hier fündig. 

 

 

 

 

FN 1) s. auch den Aufsatz „Die Deckungsmittel der betrieblichen Altersversorgung in 2016“ in der BetrAV 04/2018 vom Juni 2018, Seite 309ff.







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