Run off in der bAV:

Die Anstalt gibt grünes Licht

von Pascal Bazzazi, Euskirchen, 5. November 2018

Auch die bAV ist bekanntlich nicht frei von der Run-off-Thematik. Zu Jahresbeginn wurden zwei größere Übertragungen angekündigt, und genau diese sind nun auch aufsichtsrechtlich genehmigt worden.

 

Ergo, Generali, AXA: Besonders im Bereich der Lebensversicherung haben Run-off-Gedankenspiele als auch deren Umsetzung für gewisse Unruhe bis in die hohe Politik hinein gesorgt. Doch mit der Pro bAV Pensionskasse AG und der Prudentia Pensionskasse AG waren im Januar und im März auch zwei Übertagungen von Einrichtungen der bAV an eine Run-off-Plattform angekündigt worden.

 

Beide Kassen gehen zu der Frankfurter Leben-Gruppe. Wie der Abwickler, mehrheitlich im Besitz des chinesischen Finanzinvestors Fosun, vergangene Woche mitgeteilt hat, sind zwischenzeitlich in beiden Fällen die Inhaberkontrollverfahren der BaFin über den Erwerb erfolgreich abgeschlossen. Die Übertragungen haben in der Folge Ende Oktober stattgefunden.

 


Anja van Riesen, Vorstand Frankfurter Leben.

Mit dem Vollzug der Transaktionen hat die Frankfurter Leben eigenen Angaben zufolge ihr Bestandsvolumen auf über 500 Millionen Euro jährliche Bruttobeiträge, rund 10 Mrd. Euro Kapitalanlagen und rund 700.000 Verträge erweitert. Ingesamt verfügt man damit nun über vier Versicherungsbestände. Außerdem kündigte die Gruppe an, einen unabhängigen Beirat für die Kunden einzurichten, der die Geschäftsleitung in allen die Belange der Versicherten betreffenden Fragen beraten und unterstützen werde.

 

 

Run off bewegt weiter

 

Die AXA hatte im Januar verlauten lassen, dass sie ihre Pensionskasse an die Frankfurter Leben abgibt, aber betont, dass dies keine Abkehr von der bAV bedeute. Man werde man sich vielmehr in der bAV auf die Direkt- und Rückdeckungsversicherung konzentrieren, mit Fokus auf der Entwicklung neuer Produkte und Verkaufsansätze. Insbesondere die Chancen des BRSG wolle man nutzen.

 

Das Asset-Volumen der Übertagung der Pro bAV dürfte bei rund drei Milliarden Euro gelegen haben. Die betroffenen 260.000 Einzelverträge entsprachen in Summe etwa sechs Prozent des gesamten Bestands im Vorsorgebereich der AXA in Deutschland. Die Frankfurter Leben-Gruppe führe alle Versicherungsverträge der Kasse 1:1 mit unveränderten Garantien, Konditionen und Bedingungen fort und habe verbindlich zugesagt, die Kosten pro Vertrag und Jahr dauerhaft um mehr als 15 Prozent gegenüber 2016 zu senken, hatte die AXA seinerzeit mitgeteilt.

 

Der zweite Streich gelang der Frankfurter zur Osterzeit 2018: Bei dem Erwerb der Prudentia-PK ging es um 50.000 Verträge und Assets in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Die Prudentia als bis dato unternehmenseigene EbAV – in der Rechtsform der AG – erbringt Betriebsrenten für die Mitarbeiter der COFRA-Gruppe in Deutschland.

 

Das Thema Run off bewegt auch die bAV mit gewisser Kontinuität: Eine alternative Strategie zum Run off hatte jüngst Dirk Jargstorff, Senior Vice President Pensions and Related Benefits der Robert Bosch GmbH, auf LEITERbAV erläutert.

 

Außerdem läuft gegenwärtig ein vom BdV angestrengtes Verfahren gegen die Run-off-Plattform Viridium, weil deren Chef Heinz-Peter Roß in der FAZ davon gesprochen hatte, dass man zehn Prozent der Kosten einsparen werde und diese die Kunden „garantiert“ erhielten. Der BdV wollte von Roß erfahren, was es hier mit der Aussage unter dem Gesichtspunkt der Garantie en Detail auf sich habe, hat keine Antwort erhalten und beschreitet nun den Rechtsweg.

 







© alle Rechte vorbehalten
Artikel per Email empfehlen