Mercer European Asset Allocation Survey 2019:

Der Druck der Regulierung

von Pascal Bazzazi, Berlin, 2. Juli 2019

ESG schreitet voran, hat verschiedene Treiber, doch bietet der Trend auch kleine Überraschungen. Aber auch abseits der Nachhaltigkeit liefert eine aktuelle Studie Interessantes über die SAA deutscher und europäischer Pensionsinvestoren.

 

Nachhaltigkeit und kein Ende. Auch bei europäischen institutionellen Pensionsinvestoren nimmt das Thema ständig an Fahrt auf. Das belegt beispielsweise der, siebzehnte und aktuelle Mercer European Asset Allocation Survey für das Jahr 2019, in dessen Rahmen 876 institutionelle Investoren in Europa (davon die Hälfte britisch und ein Fünftel deutsch) mit einem Anlagevolumen von insgesamt rund einer Billionen Euro analysiert wurden:

 

Bei 55 Prozent der untersuchten Pensionsfonds in Europa werden im Rahmen der Anlageentscheidung inzwischen ESG-Risiken berücksichtigt – ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor zwei Jahren ermittelte Mercer hier noch 28 Prozent, im Jahr 2018 dann schon 40 Prozent.

 

Wenig überraschdend: Für mehr als die Hälfte der institutionellen Investoren (56 Prozent) ist der Regulierungsdruck der Hauptgrund für diese verstärkte Fokussierung.

 

Deutschland: Aktien und Alternatives

 

Mit Blick auf die Trends in Deutschland betont Jeffrey Dissmann, Co-Lead Investments bei Mercer Deutschland, dass unregulierte deutsche CTA-Investoren weiterhin eine der höchsten Aktienquoten in Europa vorzuweisen haben: „Jedoch ist auch hier ein gewisser Trend zum De-Risking zu erkennen. Die Aktienquote ist von durchschnittlich 40 auf 37 Prozent gesunken.“

 

Aufgrund der regulatorischen Rahmenbedingungen von Versorgungswerken und Pensionskassen lasse sich hier eine traditionell geringere Aktienquote beobachten, so Dissmann weiter, doch „diese Investoren ersetzen jedoch sehr erfolgreich die geringere Aktienquote durch alternative Investments und eine hohe Allokation im Bereich Immobilien.“

 

Folgende Grafik aus dem Survey zeigt die SAA von Pensionsinvestoren aufgeschlüsselt nach Ländern, wobei in Deutschland CTA und EbAV getrennt dargestellt werden:

Quelle: Mercer. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Besonders dynamisch gehen danach offenbar schweizerische und italienische Einrichtungen vor, deren Bond-Quoten nur noch bei gut 20% liegen. Doch dass deutsche Pensionsinvestoren nicht durchgängig so defensiv aufgestellt sind, wie das auch heutzutage immer noch anzutreffende Klischee es suggeriert, hat schon der Mercer-Survey von 2017 eindrücklich nachgewiesen. In der unfassbaren Vielfalt der deutschen bAV kommt es halt immer auf den jeweiligen Ausschnitt an, der in seiner jeweiligen Abgrenzung untersucht wird. Insofern relativiert der Mercer-Survey auch die neuliche Kritik des DAI an der mangelnden Aktienlastigkeit in der deutsche Vorsorgelandschaft – diese ist in der Tat mangelhaft, allerdings auch dies eben nur ausschnittsweise.

 

Wie dem auch sei, auch die aktuelle Mercer-Studie weist europaweit einen leichten Rückgang der Aktienquoten aus. Die durchschnittliche Aktienquote fiel von 28% im Vorjahr auf nun deren 25. Stattdessen haben die Anleger ihre Allokationen in andere Sachanlagen und Hedge-Fonds erhöht, um die Systeme zu diversifizieren und höhere Renditen zu erzielen, ermittelt der Consultant.

 

Stetig passiv mit Faktoren

 

Während die Aktienallokationen in ganz Europa also leicht zurückgegangen sind, hat sich auch ihr Charakter geändert, erkennt die Studie. So stieg der durchschnittliche Anteil der passiven gemanagten Aktien um zwei Punkte auf 55% (bei Bonds liegt der Wert weiter bei 52%). Vorherrschendes Motiv: Kostendruck.

 

Dabei ermittelt Mercer einen verstärkten Fokus auf Faktor-gesteuerte Investments, bspw. geringe Volatilität, Rentabilität und Dynamik. „The rise in investors using a single factor index strategy has increased from 12% to 19% over the year“, so die Studie.

 

Greta am Ende?

 

Zurück zum Thema ESG. Die Regulierung ist bei dem ESG-Momentum nur das eine. Auch wenn sie erster Treiber für die Einbeziehung von ESG in die Investitionsentscheidung ist, nennen die untersuchten Schemes eine Reihe anderer Faktoren, die den Trend befeuern.

 

Dem Survery zufolge berücksichtigen 29% der Schemes (VJ 25%) jetzt ESG im Zuge wahrgenommener Vorteile für Risiko und Rendite. Weitere 29% (VJ 18%) gaben potenzielle Reputationsschäden als Motiv an, wie folgende Grafik zeigt:

Quelle: Mercer. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Im Übrigen ist bemerkenswert und angesichts des von einem kleinen schwedischen Mädchen angeführten öffentlichen Hypes ein wenig überraschend: Waren es im Vorjahr noch 17%, gaben nun nur noch 14% der Befragten an, dass ihre Entscheidungen von den Herausforderungen des Klimawandels getrieben werden.

 

Dissmanns Fazit ist mahnend: „Während das Jahr 2019 bislang von vorsichtigem Optimismus geprägt war, müssen sich die Anleger eines sich ständig verändernden makroökonomischen und politischen Umfelds bewusst sein. Immer mehr Anzeichen für eine übermäßige Kreditvergabe, weitere denkbare Eingriffe der Zentralbanken sowie die fortgesetzte politische Fragmentierung bedeuten, dass Anleger ihre Portfolios optimalerweise positionieren sollten, um einer möglichen Marktvolatilität standzuhalten.“

 

Der gesamte, sehr aussagekräftige Survey findet sich in englischer Sprache hier.

 





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