Von Kosten, Zinsen und Ehrlichkeit:

„Das löst sich nicht von selbst.“

von Barbara Ottawa, Frankfurt am Main; Wien, 17. Mai 2016

 

Pensionskassen haben viele Befindlichkeiten, drehen „an allen Stellschrauben“ und wünschen sich gleichwohl gesetzliche Änderungen, erfuhr Barbara Ottawa beim Willis Towers Watson Pensionskassentag vergangene Woche. Die LbAV-Autorin dokumentiert Statements.

 

 

Der Pensionskassenmarkt wird sich verändern – es wird mehr Kooperationen geben“, zeigte sich Oliver Röhrig, Geschäftsführer der Pensionskasse des ZDF, bei einer Panel-Diskussion mit vier Pensionskassenvertretern bei der Veranstaltung am Mittwoch letzter Woche im Frankfurter Messeturm überzeugt. Allerdings gab er auch zu bedenken, dass es unter den rund 140 Pensionskassen am Markt „viele Befindlichkeiten gibt, die man überwinden muss“ und dass jede Kasse ein bisschen anders sei.

 

Sabine Peters, Sprecherin des Vorstands der Pensionskasse vom Deutschen Roten Kreuz, könnte sich sogar ein ähnliches Modell vorstellen, wie es manch private Krankenversicherungen planen: „Ein paar Anbieter haben sich zusammengetan und wollen ein gemeinsames Leistungsmanagement einrichten.“ Sie betonte jedoch, dass „man durch Kostenreduktion nicht das kompensieren kann, was vom Kapitalmarkt nicht mehr kommt.“ Andererseits trage die Kostendebatte durchaus „zur Kommunikationshygiene bei“.

 

Helmut Aden, Vorstand der BVV Pensionskasse, plädierte generell für eine „etwas ehrlichere Diskussion“ in der bAV: „Wir werden die Aufgabe der Alterssicherung nicht lösen können, ohne mehr Geld ins System zu pumpen und ohne mehr Anstrengungen zu unternehmen – das löst sich nicht von selbst.“ Problematisch sieht Aden dabei die Diskussion um mögliche Tarif-Pensionskassen im Spozialpartnermodell: „Es soll weiterhin Garantien geben, aber jeder zeigt auf den anderen, diese Garantien in seine Bücher zu nehmen.“ Der Aktuar merkte weiter an, dass das Konzept der Absicherung eines solchen Modells, also etwa ein erweiterter PSV, „bislang noch nicht überzeugend erläutert worden ist“. Eine solche Absicherung umfasse systemische Risiken, die auch von jemandem bezahlt werden müssten.

 

 

Interne Revision extern

 

Im Umgang mit Risiken in einzelnen Pensionskassen kann auch die Anpassung technischer Parameter helfen. Das zeigte das Beispiel der Novartis Pharma GmbH, die die Verwaltung ihrer gesamten Vorsorgepläne, inklusive der Pensionskasse, vor sieben Jahren an Willis Towers Watson ausgelagert hat. „Eine mit dem Dienstleister gemeinsam beschlossene Maßnahme ist die temporäre Senkung des Rechnungszinses von 3,50 ab Ende 2015 auf 2,55 Prozent bis Ende 2031,” erläuterte Boris Berning, Consultant bei WTW im Beratungssegment Retirement, in seinem Vortrag auf der Tagung. Erwähnenswert hier: Die Aufsicht hat beim Outsourcing der Dienstleistungen an die Beraterfirma auch der Auslagerung der internen Revision an WTW zugestimmt: „Es war eine längere Diskussion mit der BaFin, aber diese Aufgaben werden nun von Kollegen übernommen, die sonst keine Dienstleistungen für die Novartis Pensionskasse erbringen“, erläuterte Berning.

 

 

Kapitalanlage: „langlaufende Renten der natürliche Hedge.“

 

Röhrig betonte, dass „bei niedrigen Renditen die Kostenfrage eine ganz andere ist“. In Sachen Optimierung der Kapitalanlage habe man bei der Pensionskasse des ZDF „bereits an allen Stellschrauben gedreht“: Einerseits wurden Investitionen bis hinunter auf BBB erlaubt und auch einfach strukturierte Produkte werden eingesetzt.

 

Für Martin Schrader, Vorstandsvorsitzender bei der Pensionskasse Rundfunk, sind „langlaufende Rentenpapiere auch weiterhin der natürliche Hedge“ für eine Vorsorgeeinrichtung. Dadurch weise das Anlageportfolio allerdings gewisse Konzentrationsrisiken vor allem in der Finanzbranche auf, weil früher vor allem Banken langlaufende Namenspapiere begeben haben. Seine Pensionskasse hält nunmehr 85 Prozent der gut 1,2 Milliarden Euro in Langläufern und investiert die restlichen 15 Prozent „vor allem in Realwerte wie Aktien und Immobilien sowie in Unternehmensanleihen, um die Diversifikation zu erhöhen“.

 

 

Die Wunschliste

 

Die am Ende der Panel-Diskussion vom Moderator abgefragte politische Wunschliste der Pensionskassen-Vertreter zeigte jedoch deutlich, dass sie trotz aller eigener Maßnahmen regulatorische Anpassungen und gesetzliche Änderungen für dringend notwendig halten:

 

Laut Röhrig sind Pensionskassen in „Beitragseinnahmen aus steuerlichen Gründen stark begrenzt, und um die gleiche Leistungshöhe bei niedrigeren Kapitalerträgen zu bekommen, brauchen wir freiere Beitragseinnahmen“.

 

Schrader betonte die Notwendigkeit, dass die „Doppelverbeitragung in der Krankenversicherung in der bAV fällt“.

 

Peters wünscht sich endlich „ein eigenes Aufsichtsrecht für Pensionskassen“ an Stelle der Verweise im Versicherungsaufsichtsgesetz.

 

Aden könnte sich Anpassungen im Future Service vorstellen: „Das ist ein Themenfeld, wo das Arbeits- dem Aufsichtsrecht folgen sollte. Denn bislang sind Anpassungen im Future Service durch die wirtschaftliche Situation des Trägerunternehmens möglich, nicht aber durch die Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds in der Pensionskasse selbst. Insgesamt bräuchte es „mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Arbeitsrecht, um die anstehenden Herausforderungen gestalten zu können“.





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