Ergebnisse 2017:

BVV: 4,3 Prozent netto aus dem Anlagebestand

von Detlef Pohl, Berlin, 15. Juni 2018

Mit dem neuen Feature „Ergebnis 2017“ will LEITERbAV allen Interessierten einen Marktüberblick zu den relevanten Ergebnissen einiger wichtiger Teilnehmer des institutionellen betrieblichen Pensionswesens geben – soweit es die stets drängende Nachrichtendichte auf LbAV zulässt. Heute: BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes a.G.. Von Detlef Pohl.

 

Im Berichtsjahr 2017 hat die größte Pensionskasse Deutschlands die Ergebnisse des Vorjahres teilweise deutlich übertroffen. Der Jahresüberschuss legte um insgesamt 267,8 Mio. Euro auf 371,9 Mio. Euro zu, heißt es im Lagebericht zum Geschäftsbericht. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 war der Gewinn um 57,3 Mio. Euro auf 104,1 Mio. Euro gewachsen.

 

Wie im Vorjahr wurde wiederum fast der gesamte Gewinn in die Verlustrücklage zur Verstärkung des Eigenkapitals (Quote: 6,8% der Deckungsrückstellung) im angespannten Kapitalmarktumfeld eingestellt; lediglich 1,3 Mio. Euro sind als Direktgutschrift ausgeschüttet worden.

 

Die Zinserträge aus Kapitalanlagen gingen um 30,5 Mio. Euro auf 572,4 Mio. Euro zurück. Ausschüttungen aus Investmentfonds stiegen dagegen um 95 Mio. Euro auf 568,2 Mio. Euro und machten damit erstmals über die Hälfte der Kapitalanlagen aus (54,4%).

 

 

Komplexe Verzahnung dreier Durchführungswege

 

Unterm Strich steht trotz Erosion des zinstragenden Direktbestandes – dem Rückgrat der Kapitalanlage – ein Plus von 49 Mio. Euro an Kapitalerträgen – ausgewiesen für die Pensionskasse und die U-Kasse (BVV Versorgungskasse) zusammen. Mitunter ist die Abgrenzung zwischen Pensionskasse, U-Kasse und BVV-Pensionsfonds im BVV-Geschäftsbericht nicht einfach. Hintergrund: Alle Leistungszusagen der U-Kasse sowie ein großer Teil der Beiträge an den Pensionsfonds sind bei der Pensionskasse rückgedeckt.

 

Der vom BVV verwaltete Kapitalanlagebestand erhöhte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um 1,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 772 Mio. Euro) auf 28,1 Mrd. Euro. Darauf wurden laufende Erträge von 1,14 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,08 Mrd. Euro) erwirtschaftet. Die durchschnittliche Verzinsung des Kapitalanlagebestandes betrug 4,2 Prozent (2016: 4,1 %). Unter Berücksichtigung des außerordentlichen Ergebnisses wurde wie im Vorjahr eine Nettoverzinsung von 4,3 Prozent erreicht.

 

Die Anpassungen des Portfolios richteten sich 2017 laut Bericht erneut auf extern mandatierte Investmentvermögen. Neue Asset-Klassen wurden nicht in das Portfolio aufgenommen, sondern die bestehenden Portfoliobausteine planmäßig ausgebaut. „Ziel bleibt wie in den vergangenen Jahren die Erzielung eines adäquaten Ergebnisses entsprechend den Zinsanforderungen der Passivseite und die Sicherstellung der Risikotragfähigkeit des BVV“, heißt es im Lagebericht weiter.

 

 

Ansehnlich in schwierigem Markt

 

Der BVV hat in einem weiter schwierigen Marktumfeld wieder ein starkes Beitragswachstum erzielt. Die Einnahmen stiegen netto um 7,9 Mio. Euro auf 696,4 (2016: 688,5) Mio. Euro. In diesem Betrag sind die von der U-Kasse gezahlten 408,9 Mio. Euro Rückdeckungsbeiträge sowie 40,1 Mio. Euro Einmalbeiträge des Pensionsfonds aus den rückgedeckten Pensionsplänen enthalten. Der leichte Anstieg der Beitragseinnahmen von 1,1 Prozent resultiert vorwiegend aus den Kompensationsbeiträgen der infolge der Rentenfaktorsenkung des letzten Jahres.

 

Die Verwaltungskostenquote stieg um 10 Basispunkte auf 1,3 Prozent der Beitragseinnahmen – aufgrund der gestiegenen Rückstellungen für Altersversorgungsaufwendungen. Dennoch liegt sie nachhaltig unter dem Durchschnitt der Lebensversicherungsbranche (größer 2%).

 

Pensionskasse und U-Kasse zusammen bringen es auf gut 351.600 versicherte Anwärter (2016: 351.000). Die Zahl der Altersrentenempfänger stieg um knapp 3.000 auf fast 81.100. Allein an Altersrente wurden im Vorjahr rund 550 Mio. Euro ausgezahlt. 767 Unternehmen und damit zehn mehr als 2016 sind Vollmitglied im BVV. Diese Unternehmen melden alle Mitarbeiter, denen sie eine Versorgungszusage geben, bei der BVV-Pensionskasse oder BVV-U-Kasse an. Hinzu kommen 388 und damit vier Unternehmen mehr als 2016, die ihren Mitarbeitern eine Entgeltumwandlung anbieten und dazu außerordentliche Mitglieder in Pensionskasse oder U-Kasse des BVV geworden sind.

 

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der BVV mit „einem Gesamtüberschuss signifikant unterhalb des abgelaufenen Geschäftsjahres“. Ebenfalls für 2018 weist der Prognosebericht aus, dass der planbare Erträge liefernde Direktbestand zinstragender Titel weiter zurückgehen wird, einhergehend mit einem weiteren Abschmelzen des Bestandszinses und einem tendenziell verschlechterten Bonitätsniveau. Die Fortführung der Anlagepolitik, mit konsequenter Diversifikation über Anlagethemen und Asset-Klassen hinweg alternative Ertragsquellen zu nutzen, bleibe die sachgerechte Handlungsoption.

 

Rainer Jakubowksi, BVV.

Rainer Jakubowski, Vorstand Kapitalanlage des BVV, erklärte in einem Interview mit LEITERbAV mit Blick auf die Krisenpotentiale der Märkte: „Das Jahr 2017 war glücklicherweise weniger herausfordernd, als es das Jahr 2018 gemessen an den bisherigen Entwicklungen zu werden scheint.“

 

Das Interview folgt in Kürze.

 

 

 

 







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