SONDERMELDUNG – nun also doch:

Allianz schickt Pensionskasse in den Run off

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 6. Oktober 2020

Vor kurzem preschte das Presse-Versorgungswerk als Bestandteil vor, nun zieht die Allianz für die ganze EbAV nach: Ab übernächstem Jahr wird die Allianz Pensionskasse für das Neugeschäft geschlossen. Zwei andere Durchführungswege sollen die Lücke füllen. Auch in der dritten Säule sieht der Konzern offenbar massiven Handlungsbedarf. Und die Berechtigten können derweil weiter träumen.

 

Heute Morgen, mit Sperrfrist 11 Uhr, hat die Allianz Lebensversicherungs-AG mitgeteilt, dass die Allianz Pensionskasse (APK) ab 2022 keine neuen Verträge mehr annehmen werde. Grund: geringe Nachfrage.

 

Laura Gersch, Allianz.

Die APK ist laut BaFin-Statistik von 2018 mit einer Bilanzsumme von 12,79 Milliarden Euro die zweitgrößte Pensionskasse am Markt (nach dem BVV mit mit 29,84 Milliarden Euro).

 

Jedoch bleibe die bAV ein wichtiger Fokus, teilt die Allianz Leben um Vorstandschef Andreas Wimmer und Firmenvorstand Laura Gersch (die Allianz spricht von „Vorständin“) weiter mit. Sie biete nach wie vor Produkte für sämtliche Zusage-Arten und gestalte die Angebote weiter so, dass arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Rahmenbedingungen optimal genutzt werden. Im Breitengeschäft der bAV setze sie nun auf Direktversicherung und Pensionsfonds, „die deutlich attraktiver sind als in der Pensionskasse“.

 

Erst Ende August war das Parkett von der Meldung überrascht worden, dass die Presse-Pensionskasse, die Teil der APK ist, das Neugeschäft zum 1. Oktober 2020 einstellt. Es hieß seinerzeit auch von Seiten der Allianz, dass dies die Presse-Versorgung entschieden habe (da die Kunden der Presse-Versorgung bereits seit längerem die Direktversicherung bevorzugen würden).

 

Damals stellte sich die Frage, ob auch die überbetriebliche APK in einen kompletten Run off geht. Die Niedrigzinsphase trifft schließlich Versicherte und Berechtigte aller Branchen und unterscheidet nicht nach einzelnen Berufsgruppen. Doch dies wollte ein Allianz-Sprecher seinerzeit ausdrücklich nicht bestätigen.

 

Dass die Direktversicherung gegenüber der Pensionskasse attraktiver sei, begründete Gersch heute Morgen im Gespräch mit LEITERbAV mit dem jüngeren Bestand der Kassen: „Die Pensionskasse leidet besonders wegen ihrer noch jungen Kollektive mit lang laufenden Verträgen. Die Direktversicherung erzielt wegen der Struktur ihrer Bestände eine signifikant bessere Verzinsung, weil sie entsprechend noch über langlaufendne, höherverzinsliche Anlagen verfügt.“ Fragt sich, was passiert, wenn diese eines Tages auslaufen; Gersch: „Wir sehen uns mit diesen Maßnahmen langfristig und dauerhaft stabil im aktuellen Umfeld aufgestellt.“

 

Das dürfte am Ende auch davon abhängen, wie es mit den Garantien weitergeht. Die Diskussion darum ist in der bAV so alt wie Niedrig- und Nullzinsphase. Fahrt aufgenommen hatte die Angelegenheit aber im Februar, als der GDV vorschlug, in der bAV und bei Riester die Mindestgarantie auf 80 Prozent zu begrenzen. Jüngst erst hat auch das IVS gefordert, die Mindestgarantie in der BZML anzupassen. Diesen Forderungen schloss sich Gersch gegenüber LEITERbAV an: „Eine Absenkung der Beitragsgarantie auf 80 Prozent in der BZML hielten wir für sinnvoll.“

 

Am Rande sei hier daran erinnert, dass der Dritte Senat des BAG, der sich am 12. Mai 2020 (3 AZR 157/19 u.a.) mit der Einstandspflicht des Arbeitgebers zu beschäftigen hatte, dabei mit Blick auf eine beitragsorientierte Zusage im gegenwärtigen Zinsumfeld den Terminus „Störung der Geschäftsgrundlage“ ins Spiel gebracht hat.

 

Verkauf ausgeschlossen

 

Die APK als 100-prozentige Tochter der Allianz Leben hatte laut Bafin 2018 insgesamt 838.134 aktive Beitragszahler (Anwärter), während 27.536 Ruheständler bereits Betriebsrenten über die Kasse bezogen. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

 

Dass die Allianz sich, wie es bspw. die AXA vorgemacht hat, nun einer Run-off-Plattform bedienen könnte, schließen die Stuttgarter übrigens kategorisch aus. Gersch bekräftigte heute Morgen gegenüber LEITERbAV ausdrücklich: „Wir verkaufen keine Bestände, weder die der Pensionskasse oder andere Bestände.“ Die Allianz Leben will hier auch ausdrücklich nicht von einem „Run off“ sprechen, da sie anders als die Redaktion (und offenbar der GDV) den Begriff nur für Fälle reserviert sieht, in denen sich einer externen Plattform bedient wird.

 

Träumen von der Freiheit der dritten Säule

 

Andreas Wimmer, Allianz.

Auch in der dritten Säule, wo mehr regulatorische Spielräume bestehen, fasst die Allianz Leben das Thema Beitragserhalt und Garantien massiv an:

 

Ab 2021 will sich der Konzern auf Lösungen mit Garantien fokussieren, die je nach Kundenwunsch am Ende der Ansparphase auf einem Niveau von mindestens 90, 80 oder 60 Prozent der gezahlten Beiträge liegen. Wenig überraschend will man angesichts der Zinslage die Freiheitsgrade, die man in der dritten Säule hat, dann auch im Asset Management umsetzen. So heißt es in der Mitteilung:

 

Durch die Kombination des Sicherungsvermögens mit weiteren chancenorientierten Anlagen wie Aktien, alternativen Anlagen, Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen lassen sich auch in Zeiten von Null- und Negativzins attraktive und sichere Lösungen gestalten.“

 

So liege zum Beispiel bei einem 30-jährigen Vertrag gegen laufenden Beitrag und einem Garantieniveau von 80 Prozent der Anteil chancenorientierter Anlagen bei ca. zwei Drittel mit einem hohen Anteil von Aktien und Investments in Infrastruktur und erneuerbaren Energien (ob das über die gesamte Laufzeit gelten soll, teilte der Konzern allerdings nicht mit).

 

Jedenfalls können von solchen SAA und entsprechenden Returns Berechtigte in der bAV nur träumen. So resümiert auch die Allianz für ihre bAV-Produkte:

 

Wo dies gesetzlich verankert ist, wird weiterhin ein Garantieniveau von 100 Prozent angeboten, wie bei Riester-Verträgen oder der Beitragszusage mit Mindestleistung in der betrieblichen Altersversorgung.“

 

Betonung liegt offenkundig auf „gesetzlich verankert“. Auch die Allianz Leben hält, wie erwähnt, eine Anpassung des Garantieniveaus für sinnvoll, um Renditechancen in der BZML zu erhöhen.



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