WTW Pensionsfonds übernimmt von RWE:

2,6 Milliarden und 10.000 Betriebsrentner

von Pascal Bazzazi, Berlin, 2. Dezember 2019

Bei der jüngsten Rochade im deutschen Versorgermarkt sind auch die Betriebsrentner nicht vergessen worden. Doch da die E.ON keinen Pensionsfonds hat – und wohl auch keine Muße, nun extra einen zu gründen – kommt ein externer Anbieter zum Zuge. Damit verschieben sich die Größenordnungen in dem Segment deutlich.

 

Nach der Übernahme – oder besser: Rochade – der bisherigen RWE-Tochter innogy SE zur E.ON SE übernimmt der Pensionsfonds von Willis Towers Watson als Finanzierungsvehikel Pensionsvermögen in Höhe von rund 2,6 Mrd. Euro für rund 10.000 Betriebsrentner von der RWE Pensionsfonds AG.

 

Wie der Consultant berichtet, seien zuvor „in einem sehr engen Zeitfenster“ sämtliche Vertragsdokumente rechtzeitig zum Closing der RWE/E.ON-Transaktion vorbereitet und die erforderlichen Vollmachten aller beteiligten Tochterunternehmen sowie die Zustimmung der BaFin eingeholt worden. Die BaFin hat die Transaktion bereits in ihrem aktuellen BaFin-Journal 11/19 vermeldet.

 

Für die aktuellen und künftigen innogy-Betriebsrentner ändere sich durch den Anbieterwechsel nichts, heißt es seitens WTW, die unternehmensintern im Rahmen der bAV eingespielten Arbeitsabläufe würden auch nach dem Anbieterwechsel weitgehend unverändert fortgeführt.

 

Größe ist nicht alles …

 

auch nicht bei Pensionsfonds, doch mit der Transaktion verschieben sich die Größenordnungen im deutschen Markt deutlich. Wie man hier bei Statista sehen kann, war im Jahr 2018 der RWE Pensionsfonds mit knapp 5,7 Mrd. Euro der zweitgrößte Pensionsfonds Deutschlands (nach dem noch ganz frischen Daimler Pensionsfonds mit ca. 8,2 Mrd. Euro und vor dem Siemens PF). Der Willis Towers PF belegte mit 1,105 Mrd. Euro Rang elf. Nach der Transaktion sollte dieser nun mit 3,8 Mrd. Euro auf den fünften Platz vor dem Bosch Pensionsfonds (3,6 Mrd. Euro) vorrücken, der RWE Pensionsfonds sich entsprechend zurückziehen.

 

Läuft

 

Bei innogy ist man offenbar äußerst zufrieden mit dem Ablauf der Transaktion. „Willis Towers Watson hat uns in dem bAV-Transaktionsprozess jederzeit mit fundierter Fachkenntnis, hohem Einsatz und passenden Lösungen unterstützt“, lässt sich Diana Custodis, Senior Projekt Manager Group Finance bei innogy, zitieren, und „auch die Kommunikation mit den von den Änderungen betroffenen Konzerngesellschaften wurde mit hoher Fachkunde durch Willis Towers Watson begleitet.“

 

Neben der Bestandsübertragung des gesamten innogy-Pensionsfondsbestands aus der RWE Pensionsfonds AG war zeitgleich auch eine entsprechende Übertragung der für innogy bestehenden Konzern-Treuhand-Struktur auf die Wills Towers Watson Treuhand GmbH erforderlich.

 

Der Wechsel von der Konzern- zur Anbieterlösung sei im Rahmen der Übernahme von innogy durch E.ON zwingend erforderlich gewesen, so WTW, und dabei wollte innogy möglichst wenig in die bestehenden, bewährten bAV-Strukturen eingreifen und operative Prozesse weitgehend unverändert weiterlaufen lassen.

 

More to come?

 

Großen Wert habe das Energieunternehmen (mit den drei Unternehmensbereichen Erneuerbare Energien, Netz & Infrastruktur und Vertrieb, einem Umsatz von ca. 37 Milliarden Euro und ca. 43.000 Mitarbeitern) auch auf die kurz- und langfristige Wirtschaftlichkeit und Flexibilität der Lösung, die unter Berücksichtigung der kartellrechtlichen Rahmenbedingungen auch mit E.ON vorbereitet worden sei – und perspektivisch Handlungsspielraum für künftige, gemeinsame Lösungen biete, blickt WTW schon in die Zukunft.

 

Michael Karst, Willis Towers Watson.

Mit der Umstellung auf den Willis Towers Watson Pensionsfonds bleiben – wie geplant – auch nach dem Anbieterwechsel viele Strukturen, Prozesse und Ansprechpartner gleich”, berichtet Custodis von innogy. Ihr Fazit: „Eine nahezu taggenaue Übertragung von Vermögenswerten zum Closing im Pensionsfonds – mit zeitlicher Parallelität von Zustimmung der Kartellbehörden und Freigabe durch die BaFin – war möglich, musste aber präzise geplant und sorgfältig abgestimmt sein.“

 

Michael Karst, Leiter Recht/Steuern/ Rechnungslegung sowie Finanzierungsvehikel Retirement Deutschland bei Willis Towers Watson Deutschland, ergänzt: „Eine Kernanforderung des zeitlichen Projektmanagements war, alle Beteiligten und insbesondere die zuständigen Behörden über den Inhalt des Projekts und dessen Rahmenbedingungen jederzeit transparent zu informieren.“






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