Torsten Fiedler im Interview (II):

„Wir halten am Bewährten fest.“

von Martin Aehling, Berlin; Troisdorf, 3, Juni 2015

 

Konservativ gestrickt, so beschreibt er die Anlagephilosophie seiner Pensionskasse. Konservativ jedoch lediglich in Bezug auf die Asset-Klassen – für Investments in Alternatives sieht er keine Notwendigkeit. Dafür fährt die Kasse eine vergleichsweise hohe Aktienquote. Mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden – mit Zuständigkeit Geschäftsführung Asset Management – der Pensionskasse HT Troplast VVaG sprach Martin Aehling. Teil II eines zweiteiligen Interviews.

 

 

Herr Fiedler, kommen wir von den Anleihen zu den Aktien. Ihre Aktienanlagen liegen im Masterfonds?

 

Torsten Fiedler PK HT Troplast

Torsten Fiedler
PK HT Troplast

Im Masterfonds sind die drei Subfonds Aktien Deutschland, Aktien Europa sowie internationale Aktien-Publikumsfonds, die spezielle Themen und Märkte abdecken, zum Beispiel europäische Small und Mid Caps oder Japan, Indien sowie mit Thailand auch Emerging Markets. Wir machen das seit 2007 und sind mit diesen Investments bisher sehr gut gefahren. Das ist für uns ein wichtiger Schwerpunkt und auch stabilisierendes Diversifikationselement in unserer Allokation. Der Wert dieser Aktieninvestments lag Ende 2014 bei rund 101 Millionen Euro.

 

 

 

Halten Sie den Anteil Aktien an der Asset Allokation über die Zeit stabil?

 

Den Anteil halten wir grundsätzlich bei einem Niveau von insgesamt 33 bis 35 Prozent Aktien und Aktienfonds stabil. Das gilt schon seit längerem. Wir wollen langfristig eine Stabilität des Portfolios erreichen.

 

 

 

Wie war die Performance im Aktienbereich im vergangenen Jahr?

 

2014 haben wir eher underperformt. Der Dax hat 2,7 Prozent zugelegt, wir haben netto ein Plus von 2,5 Prozent bei Aktien erreicht. Das hängt damit zusammen, dass wir die geopolitischen Risiken und Krisen negativer betrachtet haben als andere Marktteilnehmer. Darum haben wir unsere Aktieninvestments ab Frühjahr bis August 2014 etwa zu 50 Prozent wertgesichert. Wir sind dann bis Jahresende in der Wertsicherung geblieben, um unser Jahresergebnis nicht zu gefährden. Im Nachhinein hat sich das als richtig erwiesen.

 

 

 

In diesem Jahr gab es bereits eine kleine Aktien-Hausse. Was machen Sie?

 

Sicherlich haben wir, wie andere Marktteilnehmer auch, nicht damit gerechnet, dass die Märkte ab Januar in wenigen Monaten so schnell und so stark hochlaufen würden. Wenn eine solche Dynamik einsetzt, ist nicht auszuschließen, dass der Zug erstmal eine Weile in gleicher Richtung weiterfährt. Das war auch unsere Einschätzung. Dem haben wir Rechnung getragen und im März die Sicherungsmaßnahmen vorerst beendet. Ob das richtig ist, wird sich natürlich erst im weiteren Jahresverlauf zeigen, Märkte tendieren auch mal zur Seite oder korrigieren, um danach wieder Fahrt aufzunehmen. Bildlich gesprochen: Der Bus hält mal an, setzt auch mal zurück, um die anderen Marktteilnehmer einzusammeln, die noch nicht aufgesprungen sind. Wir müssen also schauen, was das Jahr bringt. Vieles sieht heutzutage besser aus, auch wenn einige geopolitische Spannungen wie zum Beispiel mit Russland nicht gelöst sind.

 

 

 

Ziehen Sie Sicherungsmaßnahmen grundsätzlich nach?

 

Natürlich, wenn die Aktienmärkte nach oben laufen, ziehen wir unsere Stopmarken hoch und halten diese Niveaus dann auch. Wir wollen, wenn der Markt korrigiert, erreichte Niveaus sichern. Vornehmlich dient die Absicherung jedoch dazu, größere Vermögensverluste grundsätzlich zu verhindern.

 

 

 

In Ihrem Masterfonds gibt es ein Overlay. Wie erfolgt die Absicherung genau?

 

Der externe Fondsmanager, der für die Subfonds Deutschland und Europa zuständig ist, agiert eigenständig. Für den Subfonds internationale Publikumsfonds haben wir ein Risiko-Overlay. Der Overlay-Manger ist verpflichtet, entsprechend des Volumens der Aktienfonds eine adäquate Wertsicherung mit Dax-Futures vorzunehmen. Da ist hinterlegt, in welchen Märkten bei welchen Stopmarken Wertsicherungen via Futures auszulösen sind. Das ist zwar nicht kongruent, hat sich für uns jedoch in der Vergangenheit bewährt, einfach weil deutliche Korrekturen auf wichtigen Märkten wie den USA und Deutschland Aktienmärkte anderer Regionen oftmals mit erfassen. Uns geht es bei der Absicherung mit Dax-Futures also nicht um eine 100-prozentige Abdeckung der Engagements, sondern wir wollen damit wesentliche Vermögensverluste verhindern.

 

 

 

Wie wählen Sie die Aktien-Publikumsfonds für den Subfonds aus?

 

Die Publikumsfonds wählen wir zusammen mit unserer Depotstelle aus. Wir haben aus den Kontakten mit vielen Investmentgesellschaften eine grundsätzliche Meinung zu der Qualität von Fondsmanagern. Maßgabe ist zum Beispiel wer über Jahre, unter Einschluss von Krisenjahren, stabile Ergebnisse erwirtschaftet hat und wer in bestimmten Regionen und Märkten gut ist, in die wir investieren wollen. Deutschland und Europa sind ja abgedeckt, also konzentrieren wir uns bei den Publikumsfonds auf Themen, Segmente, Länder. Wir stimmen uns hierbei mit der Depotstelle ab, die verschiedene Fonds im Detail analysiert und auswertet. Sind dann Fonds selektiert, kommen die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in unseren Bestand. Zielsetzung ist auch für diesen Subfonds, langfristig auskömmliche und stabile Renditen zu erreichen. Neben der täglichen Überwachung kontrollieren wir zweimal im Jahr die Fonds, in die wir investiert sind, und stellen sie gegenüber den Peergroups auf den Prüfstand. Wir wägen dann ab, ob wir einen Fonds behalten, ersetzen oder aber aufstocken. Diese Investments steuern wir also intern aktiv und nehmen auch durchaus Fondswechsel vor.

 

 

 

Bisher haben Sie nicht in alternative Asset-Klassen investiert. Wird das überdacht?

 

Wir sind einfach und positiv konservativ gestrickt. Daher halten wir am Bewährten fest. Also investieren wir weder in Hedgefonds noch in Private Equity. Wir sind der Auffassung, dass unsere Aktienquote in quantitativer aber auch qualitativer Art völlig hinreichend ist. Wir sehen auch keine Notwendigkeit, in sogenannte alternative Investments zu gehen.

 

 

 

Welchen Herausforderungen sehen sie sich künftig gegenüber?

 

Vom Grundsatz ist die größte Herausforderung auch für uns der Umgang mit dem Niedrigzinsumfeld, nicht nur für dieses, sondern für die kommenden Jahre. Das war natürlich auch schon Schwerpunkt in den Jahren 2013 und 2014 in der Ausrichtung unserer Kapitalanlagen.

 

 

 

Zum Schluss eine Frage abseits der Kapitalanlagen. Was würden Sie sich von der Politik wünschen?

 

Da gäbe es einiges, aber ich will mich kurz fassen. Zunächst wünsche ich mir, dass die europäischen Politiker mit den Griechen soweit klarkommen, dass eine Gefährdung Europas abgewendet wird, aber auch Fortschritt für Griechenland möglich ist. Und von der Bundesregierung wünsche ich mir ein Infrastrukturprogramm. Man sollte nicht immer nur die Bürger, Konsumenten oder Industrieunternehmen auffordern, Kredite nachzufragen. Der Staat ist meines Erachtens aufgefordert, bei minimalen Zinssätzen von derzeit gerade einmal 0,16 Prozent ein Sonderkonjunkturprogramm für die Infrastruktur hierzulande aufzusetzen. Das führt nicht zu einer Benachteiligung der kommenden Generation, sondern wäre ganz im Gegenteil von Vorteil für uns alle.

 

 

 

Ende des zweiten und letzten Teils des Interviews.

Teil I findet sich hier.

 

 

 

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