Lars Golatka im Interview:

„Wir begrüßen den Paradigmenwechsel ausdrücklich“

von Pascal Bazzazi, Bonn am Rhein, 21. November 2017

Engagieren wird sich sein Haus im Sozialpartnermodell, auch wenn dort viele Fragen offen bleiben. Mit dem Geschäftsbereichsleiter bAV der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand Deutscher Pensionsfonds AG sprach für die dpn Pascal Bazzazi.

 

In der Debatte um das Garantieverbot hat sein Haus in der Branche der Assekuranz eine Minderheitenposition eingenommen: „Wir begrüßen den Paradigmenwechsel in der bAV ausdrücklich“, so Lars Golatka im Gespräch mit der dpn. Hintergrund für diese Position: „Unser Konzern hat international viel Erfahrung in kapitalmarktorientierten Systemen. Auch in Deutschland sind wir ein Vorreiter in fondsbasierten Lösungen.“

 

Daher liege es nahe, dass man dieser neuen Welt positiv und aufgeschlossen gegenüber stehe. Offensichtlich wolle der Gesetzgeber durch das Verbot der Garantien den Prozess des Umdenkens beschleunigen, so Golatka weiter.

 

 

Insgesamt keine Lösungsansätze für KMU

 

In der Reform an sich sieht Golatka Licht und Schatten. Auf der Haben-Seite sieht er neben dem Garantieverbot im Sozialpartnermodell „die Bereinigung einiger Webfehler der bAV“ – unter anderen die klare Definition der 8-Prozent-Lösung unter Wegfall des 40b-Betrages, die Integration der Invaliditätsabsicherung und das Ende der Benachteiligung der Riester-bAV.

 

Gleichwohl bleibt Golatka unterm Strich skeptisch: „Dies wird wohl nicht zur weiteren Verbreitung ausreichen.“ Weiterhin fehle die Gleichschaltung der Sozialversicherungs- mit der Steuerfreiheit; und die PSV-Sicherungspflicht für die Entgeltumwandlung im Pensionsfonds behindere das Ziel einiger Unternehmen, sich künftig ohne Nachteile in nur einem Durchführungsweg zu bewegen. So bleibe dem Pensionsfonds künftig das Sozialpartnermodell und die Übernahme von Pensionsverpflichtungen; die Entgeltumwandlung werde weiterhin ein Schattendasein fristen. Golatkas Fazit: „Insgesamt sind im BRSG keine Lösungsansätze für die vielen tausend kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland zu erkennen.“

 

 

Volatilitätsoptimierte Kapitalanlage mit aktuariellen Ausgleichsmechanismen

 

Mit Blick auf die neue Freiheit in der garantielosen Kapitalanlage prognostizierte Golatka, dass es hier keine Revolution geben werde. Schon heute nutze sein Haus die Anlagefreiheiten im nicht-versicherungsförmigen Pensionsfonds. Insgesamt sieht Golatka für den Markt eine deutliche Verbreiterung der Nutzung verschiedener Asset-Klassen. Damit werde die politisch gewollte, aber Rendite mindernde Übergewichtung der europäischen Staatsanleihen reduziert. Um die Rendite je nach individueller oder kollektiver Gerechtigkeit zuzuteilen, werde eine volatilitätsoptimierte Kapitalanlage stattfinden, auf diese dann kostenfreie aktuarielle Ausgleichsmechanismen gesetzt werden könnten. Immer wichtiger werde auch nachhaltiges Investment nach ESG-Kriterien.

 

 

Zurich im SPM: Pensionsfonds und White-Label-Lösungen

 

Die Frage, wie die neue bAV-Welt in KMU ohne eigene bAV-Abteilung, also vermutlich der Großteil der Zielgruppe KMU, an den Mann kommen wird, bezeichnete Golatka „größte, offene Flanke“ des SPM. Denn während die großen Branchenlösungen häufig komplex erscheinen, dürften- so Golatka – von den KMU einfache, transparente und kostengünstige Lösungen gefordert werden, das heißt einfach in der Einrichtung als auch in der Beratung. Entscheidender Ansatzpunkt sei hier die Digitalisierung mit einfachen Portal-Lösungen. Dennoch werde es immer Personen oder Situationen geben, bei denen eine persönliche Beratung gewünscht oder notwendig ist. Daher sprach Golatka sich in der dpn für die Zulassung einer reduzierten Beratungsvergütung aus, falls ein Arbeitgeber oder Arbeitnehmer diesen Service nutzen möchte, aber: „Wichtig ist, bereits bei Erstellung der Tarifverträge diese Lösungen zu diskutieren und vorzusehen.“

 

Gegenüber der dpn kündigte Golatka an, dass die Zurich eine vollständige Produkt-Suite über die Deutscher Pensionsfonds AG anbieten werde, flankiert von White-Label-Lösungen für Sozialpartner, die keine eigene Einrichtung gründen möchten oder können.

 

Das gesamte Interview findet sich als pdf hinter dem Foto und ist als Print ist in der aktuellen Ausgabe der dpn deutsche Pensions- und Investmentnachrichten, Ausgabe November Dezember 2017 erschienen.

 



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