Pension Fund Statistics 2015 (I):

Über 67.000 Euro Deckungsmittel pro Kopf

von Pascal Bazzazi, Stockholm; Brüssel, 17. Juli 2017

Der pan-europäische bAV-Verband hat erneut Daten über die zweite Säule gesammelt. Besonders zwei Länder haben hier Erstaunliches erreicht – ein alter Bekannter und eines, vom dem man sich fragt, wie es sich überhaupt verwalten kann, so klein ist es. LEITERbAV gibt einen Überblick.

 

Jüngst erst hat LEITERbAV über die turnusgemäß von Joachim Schwind ermittelten Volumina in der deutschen bAV sowie über den Mercer European Asset Allocation Survey 2017 berichtet.

 

Auch der europäische Pensionsverband Pensions Europe widmet sich regelmäßig der Frage nach Größe und Struktur des europäischen Pensionswesens regelmäßig, zuletzt in dem Report Pension Fund Statistics 2015. Der Bericht stammt zwar vom Oktober 2016, ist aber gleichwohl noch ebenso lesenswert wie die Größenordnungen bemerkenswert sind.

 

 

3.623.000.000.000 Euro Deckungsmittel insgesamt

 

Pensions Europe vereint 24 Mitgliedsverbände aus 21 Ländern auf sich (darunter die deutsche aba). Diese Verbände stehen für eine zweite Säule von:

 

  • Deckungsmittel: 3,623 Billionen Euro (davon liegen 3/4 in DB und hybriden Schemes, nur rund 1/3 in pure DC-Schemes).

  • Berechtige: 64 Millionen Menschen.

  • Betriebsrentner: 27 Millionen Menschen.

  • IORPs: 96.099.

 

In den Zahlen sind rückstellungsfinanzierte Zusagen nicht enthalten. Diese „Book reserves“ betreffen fast ausschließlich Deutschland und belaufen sich laut PE auf 329 Milliarden Euro und elf Millionen Berechtigte (Schwind ermittelte für 2015 hier 290 Milliarden Euro für Deutschland, PE 323 Milliarden).

 

Aus Deutschland dürften wohl nur Pensionsfonds und Pensionskassen in die Statistik eingehen, die hierfür 174 Milliarden Euro ausweist (Schwind ermittelte für 2015 hier 185 Milliarden Euro, die BaFin 180 Milliarden Euro). Der Report zählt hier 173 deutsche IORPs (die BaFin kam seinerzeit auf 171).

 

Im Übrigen sei betont, dass in dieser Betrachtung auch die deutschen Zusatzversorgungskassen fehlen, ebenso die Direktversicherung und die U-Kassen. Fehlen dürften auch die nicht gefundeten Pensionen der deutschen Beamten sowie die wenigen hierfür gegründeten Pensionsfonds der Länder (die wiederum teilweise nur deutsche Sovereigns enthalten, also gar nicht gefundet sind). Insgesamt liegen die Deckungsmittel der deutschen zweiten Säule laut Schwind bei rund 575 Milliarden Euro plus ZVK.

 

Eine Darstellung über die – infolge der europaweit schwierigen Abgrenzungsfragen zwangsläufig leicht hinkenden – Größenordnungen in den einzelnen Ländern finden sich in dieser PE-Tabelle:

 

Abb 1.: IROPs und ihre Assets in den PE-Mitgliedsstaaten.

Quelle: Pensions Europe. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Auffallend, aber nicht neu: Den Löwenanteil der Plan Assets vereinigen Großbritannien (1,356 Billionen Euro mit 1.300 Einrichtungen) und die Niederlande (1,144 Billionen Euro mit 320 Einrichtungen) auf sich. Noch vor einem Jahrzehnt gab es übrigens über 1.000 oranje Pensionsfonds.

 

Von soviel Konzentration kann nicht überall die Rede sein. Irland allein steht für 67.939 IORPs (mit immerhin 115 Milliarden Euro). Allerdings: 56.724 der irischen Einrichtungen stehen für nur jeweils einen Berechtigten. Frankreich hat 22.034 IORPs (mit allerdings nur 12,2 Milliarden Euro Deckungsmittel). Die Schweiz unterhält 1.705 Einrichtungen mit knapp 470 Milliarden Euro.

 

 

Opting-out bringt Dynamik

 

Bemerkenswert auch die Dynamik der großen Märkte: So haben die Niederlande bei den Assets von 2013 bis 2015 um rund 20 Prozent zulegen können. Auch in UK sollen die Assets stark zugelegt haben, denn „the successful roll out of automatic enrolment has had a major impact on the DC landscape and significantly increased the total amount of pension funds’ assets.“ Allerdings nennt der Report hier keine Zahlen bei den Assets. Doch „thanks to the successful roll out of automatic enrolment the coverage has increased by several millions of people“, so PE.

 

Erwähnt sei noch der Nicht-EU-Staat Island. Das Eiland mit seinen 330.000 Einwohnern (weniger als Bielefeld) verfügt über immerhin 26 Pensionsfonds mit Plan Assets von kumuliert ungefähr 21 Milliarden Euro. Das sind pro Kopf über 63.000 Euro, vom Baby bis zum Greis. Große Zahlen aus deutscher Sicht, doch dürfte man die in Amsterdam gelassen sehen: Die Holländer kommen auf einen Wert von rund 67.000 Euro pro Kopf.

 

 

Oranje: Durchdringung totaal

 

Es sei noch angemerkt, dass der PE-Report für das niederländische Pensionssystem über 5,4 Millionen „Members“ und rund 12,5 Millionen „Beneficiaries“ ausweist. Bei knapp 17 Millionen Einwohnern entspricht das – vom Baby bis zum Greis – einer bAV-Durchdringung von über 100 Prozent. Es kann sich also nur um Doppelzählungen handeln (für UK weist der Report 18,7 Millionen „Members“ und 10,5 Millionen „Beneficiaries“ aus. Das eine kann also offenbar nicht als Schnittmenge des anderen angesehen werden).

 

Außerdem widmet sich der Report dem Asset Management. Dazu in Kürze mehr in Teil II dieses Beitrages.

 

Der Report der Pensions Europe findet sich in englischer Sprache hier.

 

Auf den Seiten der Pensions Europe findet sich auch der zugehörige, länderspezifische Statistikteil zum Download.

 


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