Nachruf:

Peter Hadasch ist tot

von Pascal Bazzazi, Frankfurt am Main, 18. Oktober 2017

Leidenschaftliches Engagement als echter Vertreter der industrieeigenen bAV, scharfer Verstand, unterhaltsame und natürliche Rhetorik, liebenswürdige Gelassenheit: Das zeichnete ihn aus. Ein Nachruf.

 

Peter Hadasch.

Die Debatte um den Garantieverzicht im Betriebsrentenstärkungsgesetz gerät mehr und mehr zu einem Machtkampf, in den sich die Versicherungsindustrie mit großem Lobbydruck verbeißt, um ihre Marktinteressen durchzusetzen. Dabei nimmt sie auch bewusst das Risiko in Kauf, dass die Stärkung der dringend benötigten bAV an dieser Frage scheitert. […] Die bAV wird als Versicherungsmarkt der Zukunft ins Auge gefasst und soll zum exklusiven Geschäftsfeld für die Vertriebe der Lebensversicherungen ausgebaut werden. Die seit mehr als hundert Jahren bewährten Non-Profit-Einrichtungen der Sozialpartner – die Pensionskassen und Pensionsfonds – sollen dabei als potenzielle Anbieter aus dem bAV-Markt gedrängt werden.“

 

Der, der hier so scharf schoss gegen die Versicherer, war Peter Hadasch. Die Sätze stammen aus einem Sperrfeuer-Kommentar, den er für LEITERbAV im April dieses Jahres schrieb – just, als die Debatte um das Garantieverbot im Sozialpartnermodell in ihre heisseste Phase ging. Stück für Stück und wenig schmeichelhaft für die Assekuranz nahm Hadasch in dem Beitrag deren Argumentation auseinander. Seine gewichtige Stimme dürfte damals in den beiden Ministerien in der Berliner Wilhelmstraße sehr ernst genommen worden sein.

 

April 2017! Da war er schon ein paar Monate krank, und die Erkrankung war von Beginn an schwer, sehr schwer.

 

 

Einer der wenigen

 

Peter Hadasch, aus Augsburg stammend, kam schon als junger Mann ins Hessische. Bereits das Abitur legte er in Offenbach ab – eine Stadt, in der er sich später lange kommunalpolitisch für die FDP engagierte. Nach Bundeswehr und Jurastudium in Frankfurt war er dort als Rechtsanwalt tätig. Doch schon 1987 folgte der Einstieg bei der Nestlé Deutschland AG, zunächst in der Steuerabteilung. 1997 kam er dann zur bAV – als Chef der Nestlé Pensionskasse, der er 14 Jahre bleiben sollte.

 

Als sich 2005 der Verband der Firmenpensionskassen gründete, war Hadasch dabei und diente dem VFPK, der sich der industrieeigenen bAV verpflichtet sieht, seitdem als Vorstandsvorsitzender. Bei den jüngsten Wahlen in Berlin wurde sein Mandat erneuert.

 

Im Jahr 2011 macht der Nestlé-Konzern ihn zum Arbeitsdirektor und Personalvorstand seiner deutschen Tochter (zeitgleich wechselte er in den Aufsichtsrat der Kasse). „Damit gehört er zu den wenigen Personalvorständen deutscher Großunternehmen, die mit Finanzvorständen auf Augenhöhe über Steuern und bAV reden können. Eben diese Bandbreite macht seine Referate so interessant,“ schrieb dpn- und LbAV-Autor Nikolaus Bora über Hadasch vor knapp zweieinhalb Jahren in dem Fachmagazin der FT.

 

 

Kess“

 

Es ist schon kess, wenn man dem verständlichen Ansinnen des BMAS, eine Verbreiterung der bAV zu bewirken, im ersten Satz mit der Forderung nach einer Erhöhung des Dotierungsrahmens kommt. Eine Verbreiterung kann so nicht erreicht werden, denn wer nicht den Spielraum für bisherige Beitragszahlungen hat, der wird sicherlich nicht dadurch angereizt, dass er günstige höhere Beiträge leisten könnte.“ Auch als Interviewpartner, wie hier 2015 auf LbAV, scheute Hadasch die klaren Worte nicht, und wie hier konnte er auch Kritik an der aba üben, obwohl er auch in diesem Verband stets engagiert war.

 

Hadasch, der im November in den Ruhestand treten wollte und den man keinesfalls auf jeder der großen bAV-Tagungen antraf, war ein kluger Redner, der ebenso unterhaltsam und pointiert wie treffend und scharf formulieren konnte. Zumindest der Chronist hat ihn stets nur frei und ohne Manuskript reden hören. Das passte zu ihm, war Hadasch doch nicht nur ein Experte in HR und bAV, sondern zeichnete sich auch durch seine Entpanntheit, seine Unaufgeregtheit, sein Natürlichkeit aus. Jede Arroganz, jede überhebliche Distanziertheit war ihm völlig fremd. Verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne, war er ein wirklich liebenswürdiger, ein wirklich netter Mensch.

 

Am vergangenen Donnerstag, dem 12. Oktober, ist Peter Hadasch im Alter von 64 Jahren, unmittelbar vor seinem Geburtstag, gestorben.

 

Mit ihm verliert die deutsche bAV – namentlich die der unternehmenseigenen EbAV – nach dem Tode von Bernhard Wiesner innerhalb kurzer Zeit erneut einen ihrer herausragendsten Protagonisten, der eine große Lücke hinterlassen wird.

 



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