BaFin-Stresstest:

Korrektur: Acht PK-Durchfaller

von Pascal Bazzazi, Bonn, 29. Mai 2013

 

Der heute morgen auf LEITERbAV publizierten Meldung zu dem Stresstest lag ein Missverständnis in der Kommunikation zwischen BaFin und der Redaktion zu Grunde. Fälschlich wurden zwischen den Beteiligten die Ergebnisse des in dem gestern veröffentlichten BaFin-Jahresbericht 2012 (Stichtag des Tests 31. Dezember 2011) besprochen und dementsprechend von LEITERbAV vermeldet, obwohl die Ergebnisse des Stresstests zum Stichtag 31. Dezember 2012 seit gestern nun auch schon vorliegen.

 

UPDATE Mai 2014: Ursprünglich waren es in der Tat acht Kassen gewesen, die den Stresstest nicht bestanden hatten. Nachdem eine Kasse später ihre Zahlen aktualisieren konnte, waren es nur noch deren sieben.

 

Die Ergebnisse lauten wie folgt: Von 148 unter BaFin-Aufsicht stehenden Pensionskassen haben 132 einen Stesstest vorgelegt. 18 Unternehmen waren von der Vorlage befreit. Zwei dieser Pensionskassen haben den Stresstest trotz Befreiung vorgelegt. Acht Pensionskassen haben den Stresstest in einem oder mehreren Szenarien nicht bestanden. Von diesen acht haben drei Pensionskassen alle Szenarien nicht bestanden, eine Kasse hat zwei Szenarien nicht bestanden und vier Pensionskassen haben ein Szenario nicht bestanden.

 

Bei den acht Pensionskassen handelt es sich laut BaFin um kleinere Pensionskassen, die nicht zu den 20 größten Unternehmen der Branche gehören. Vier der acht durchgefallenen Pensionskassen sind für den Neuzugang geschlossen. „Die Unterdeckungen der aufsichtsrechtlichen Mindestanforderung sind gering und liegen bei maximal 3,5 Prozent“, so die BaFin.

 

Drei der acht Pensionskassen erfüllen die Solvabilitätsvorschriften nicht und haben den Stresstest deshalb nicht bestanden. „Die durchgefallenen Pensionskassen haben in Absprache mit der BaFin bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Risikotragfähigkeit oder Erfüllung der Solvabilitätsvorschriften ergriffen oder wurden zur Mitteilung von Maßnahmen aufgefordert. Zur Beobachtung der weiteren Entwicklung werden quartalsweise Stresstests angefordert,“ so die Anstalt. Im gestern vorgelegten Jahresbericht heißt es dagegen noch: „Den Schätzungen zufolge konnten sieben Pensionskassen die Solvabilitätsspanne zum 31. Dezember 2012 nicht vollständig bedecken.“

 

Im Stresstest des Jahres 2013 (also zum Bilanzstichtag 31.12.2012) wurden die folgenden Szenarien gerechnet:

 

Isoliertes Rentenszenario: Kursrückgang festverzinsliche Wertpapiere um 10 Prozent.

Isoliertes Aktienszenario:Kursrückgang Aktien um 18 Prozent (entsprechend Indexstand zum 31.12.2012).

Renten- und Aktienszenario: Kursrückgang Aktien um 13 Prozent (entsprechend Indexstand zum 31.12.2012) sowie gleichzeitig Kursrückgang festverzinsliche Wertpapiere um 5 Prozent.

Aktien- und Immobilienszenario: Kursrückgang Aktien um 13 Prozent (entsprechend Indexstand zum 31.12.2011) sowie gleichzeitig Marktwertrückgang Immobilien um 10 Prozent).

 

 

Sanierung und Abwicklung von Versicherern

 

Der Solvency-II-Kelch ist an der bAV nun erst einmal vorbeigegangen, doch was BaFin-Chefin Elke König gestern vor der Presse in Bonn zu dem Regime sagte, lässt gleichwohl aufhorchen:

 

„Solvency II steht unter dem nicht unbegründeten Verdacht, die ökonomische Realität zu überzeichnen und prozyklisch zu wirken. Doch dieser Effekt dürfte durch die nun angedachten Nachbesserungen an der Zinsstrukturkurve abgemildert werden.“

 

Und weiter mahnte König:

 

„Was Solvency II nicht bietet, sind ökonomische Lösungen für das Niedrigzinsproblem. Die müssen die Unternehmen schon selbst finden, und sie sollten damit nicht zulange warten.“

 

Nun, das betrifft EbAV nicht minder. Und auch wenn kein Lebensversicherer und nur acht Pensionskassen beim Stresstest durchgefallen ist, scheint König durchaus Krisenpotential zu sehen:

 

„Dass es systemrelevante Banken gibt, ist unbestritten. Weit mehr Fragen tun sich auf bei der Definition systemrelevanter Versicherer und der Frage, wie wir regulatorisch mit ihnen umgehen sollten. Fest steht jedoch, dass wir uns auch mit der Sanierung und Abwicklung von Versicherern beschäftigen müssen.“

 

Auch wenn König hier ausdrücklich den präventiven Charakter betonte, kann man sich in der Assekuranz wohl schon mal darauf einstellen, in dieser Frage beizeiten von der BaFin zu hören.

 

 

 

Mehr zu der Entwicklung findet sich auf LEITERbAV (zwischenzeitlich) hier:

 

 

BaFin Jahresbericht 2015 (I):

Nachlassende Dynamik bei Pensionskassen

29. Juni 2016

 

 

BaFin-Stresstest 2015 (II):

Also aktuell keine akute Gefährdungslage?

12. Mai 2016

 

 

BaFin-Stresstest 2015 (I):

Sieben PK-Durchfaller

11. Mai 2016

 

 

Felix Hufeld vor der Presse:

Von Manndeckung, Umsetzungsdruck und Radikal-MiFIDisierung…

21. Mai 2015

 

 

BaFin-Stresstest:

Neun PK-Durchfaller

13. Mai 2015

 

 

BaFin-Stresstest:

Elf PK-Durchfaller (II)

4. August 2014

 

 

Regulierte Pensionskassen – was nicht im BaFin-Jahresbericht steht:

Wenig Transparenz, aber Zusatzreserven für den Zins

17. Juni 2014

 

 

Wettbewerbs-Pensionskassen – was nicht im BaFin-Jahresbericht steht:

Licht und Schatten und Zinszusatzreserve

2. Juni 2014

 

 

Die BaFin zu Pensionsfonds:

Beyond Stresstest

27. Mai 2014

 

 

Pensionskassen: Nonchalance im Angesicht des Niedrigzinses

BaFin bringt Bewusstsein

22. Mai 2014

 

 

BaFin-Stresstest:

Elf PK-Durchfaller

21. Mai 2014

 

 

BaFin-Stresstest: Korrektur:

Acht PK-Durchfaller

29. Mai 2013

 

 

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