WTW-Studie:

Health-Care-Benefit-Kosten steigen weiter

von Pascal Bazzazi, Köln; Jena, 23. Juni 2017

Nicht nur das betriebliche Pensionswesen hat das Zeug, für die Unternehmen nachhaltig teurer zu werden. Auch im betrieblichen Gesundheitsmanagement steigen die Kosten weiter. Bericht aus einer Nachbardisziplin.

 

In Deutschland dürfte das Thema von nachrangiger Relevanz sein, betrifft gleichwohl jeden international tätigen deutschen Konzern – sei es über Tochtergesellschaften im Ausland, sei es über Expatriates: Weltweit steigen die Kosten im betrieblichen Gesundheitsmanagement, und eine Besserung scheint bislang nicht in Sicht. Dies zeigt die global durchgeführte Befragung „Global Medical Trends 2017“ von Willis Towers Watson,

 

für die 231 führende Krankenversicherer aus 79 Ländern befragt wurden. Die Versicherer nennen Krankenhauskosten, ambulante und stationäre Behandlungen, fortschrittliche Medizintechnologien sowie die intensive Verabreichung und übermäßige Verschreibung von Medikamenten als die wesentlichen Faktoren, die die Gesundheitskosten in die Höhe treiben.

 

 

Im Ausland zuweilen mehrfach teurer als in Deutschland

 

Tanja Loehrke, Head of Health and Benefits Willis Towers Watson.

Mehr als die Hälfte der Befragten befürchten, dass viele Arbeitnehmer die Kosten selbst in die Höhe treiben, indem nicht die richtigen Fachärzte konsultiert werden“, sagt Tanja Löhrke, Head of Health & Benefits bei Willis Towers Watson. „Unter dem Gesichtspunkt der Kostenkontrolle betrifft dies nicht ausschließlich lokale Absicherungen, sondern auch den Bereich der Expatriate-Absicherung. Die Behandlungskosten im Ausland können die Behandlungskosten in Deutschland um ein Vielfaches übertreffen. Umso entscheidender ist ein adäquater Service vor Ort unter Berücksichtigung entsprechender Assistance-Leistungen – sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber“, so Löhrke. „In boomenden Ländern ist die Steigerung der Kosten beträchtlich.“

 

Laut der Studie bieten immer mehr Arbeitgeber Vorsorgemaßnahmen an und geben den Arbeitnehmern die Möglichkeit, ihre eigene Gesundheit zu verantworten. Weltweit bieten vier von zehn der Befragten bereits Well-Being-Programme an, in Europa ist es sogar jeder zweite. Der Trend zeigt auch zukünftig einen Ausbau dieser Programme. „Auch in Deutschland rücken Vorsorgemaßnahmen stetig in den Vordergrund, ob in Form von Gesundheitstagen oder anderen Präventionsmaßnahmen. Die Services in diesem Segment sind sehr innovativ und vielfältig“, sagt Löhrke. „Die unterschiedlichen unternehmenseigenen Strategien können hierbei in idealerweise Weise berücksichtigt werden.“

 

 

MedTech nicht zum Nulltarif

 

Rund zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten führen die hohen Kosten im Bereich MedTech als den signifikantesten kostentreibenden Faktor an, auf den Arbeitgeber und Lieferanten keinen Einfluss haben. 40 Prozent nennen die Gewinnabsichten der Anbieter als Grund. Drei von vier Versicherern (74 Prozent) geben die übermäßige Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen auf Empfehlung der behandelnden Ärzte als größten Kostentreiber an.

 

Die Umfrage im Jahr 2017 ergab, dass die Krankenversicherer den Kostenanstieg im Gesundheitssegment auf rund 7,8 Prozent schätzen, gegenüber 7,3 Prozent im Vorjahr. Ein Blick auf die Regionen verdeutlicht, dass Lateinamerika die höchste Steigerung erwartet (11,5 Prozent) gefolgt vom Nahen Osten und Afrika (9,8 Prozent). Europa hingegen erwartet den vergleichsweise niedrigsten Kostenanstieg mit (4,5 Prozent).

 

Bei der Frage nach einer Perspektive für die zeitnahe Kosteneindämmung, sind die Versicherer nicht sehr optimistisch. In allen Regionen erwartet die Mehrheit der Befragten einen „höheren“ oder „signifikant höheren“ Trend der medizinischen Kosten in den nächsten drei Jahren. Versicherer aus Nahost und Afrika sehen den Trend etwas positiver: Hier erwarten 53 Prozent der Befragten, dass sich bei den Kosten auch in den kommenden Jahren ein ähnlicher Anstieg wie in den Vorjahren abzeichnet.

 

Die gesamte Studie findet sich zum Download hier.

 



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