German Pension Finance Watch 2015:

Entspannung

von Pascal Bazzazi, Berlin, 29. Februar 2016

 

Die Pensionsverpflichtungen der DAX- und MDAX-Unternehmen sind 2015 um voraussichtlich fünf Prozent gesunken. Ursächlich ist ein leicht gestiegener Rechnungszins. Da positive Anlageergebnisse im Planvermögen hinzutreten, hat auch die Funding Ratio wieder angezogen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Modellrechnung.

 

 

Bis Ende 2014 hatte die jahrelange Zinsschmelze deutliche Spuren hinterlassen. Zum Ende des Jahres 2014 waren die Pensionsverpflichtungen der 30 DAX-Unternehmen bei einem Rechnungszins von 2,15 Prozent auf 372,5 Milliarden Euro geklettert. Im ersten Quartal 2015 waren die Verpflichtungswerte um weitere 52,4 Milliarden auf 424,9 Milliarden Euro gestiegen, nachdem der Rechnungszins auf 1,47 Prozent regelrecht eingebrochen war.

 

Seit April letzten Jahres sind die Parameter jedoch wieder auf Entspannungskurs, zeigt die aktuelle German Pension Finance Watch (GPFW) 2015 von Willis Towers Watson.

 

Insgesamt hat der Rechnungszins als wesentlicher Treiber der Entwicklung 2015 um 16 Basispunkte auf 2,31 Prozent zugelegt. Zum 31. Dezember 2015 kam der typische Modellplan des DAX in der Studie damit auf noch 354,2 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen, so die WTW-Studie. Auch die Modellrechnung für den MDAX-Plan lag mit 58,4 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen knapp fünf Prozent unter dem Vorjahresstichtag.

 

 

Planvermögen trotz Börsenturbulenzen gestiegen – Immobilien tragen 18,8 Prozent bei

 

Auf der Anlageseite konnten Pensionseinrichtungen 2015 mit ihrer Kapitalallokation laut Studie einen leichten Zugewinn verbuchen: Insgesamt stieg das Planvermögen im DAX-Modellplan um 1,7 Prozent auf 231,7 Milliarden Euro und im MDAX sogar um 3,7 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro. Für Auftrieb sorgten Kursgewinne am europäischen Aktienmarkt, der das insgesamt volatile Börsenjahr mit einem Plus von 9,8 Prozent abschließen konnte. 2015 lag der Performance-Beitrag von Immobilien bei 18,8 Prozent.

 

Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus brachten Anleihen 2015 keine attraktiven Ergebnisse. Insbesondere der Zinsanstieg in der ersten Jahreshälfte hat laut Studie ihre Gesamtrendite negativ beeinflusst.

 

 

 

 

Das Vermögen der untersuchten Benchmarkpläne ist zu 15,2 Prozent (DAX) beziehungsweise 16,7 Prozent (MDAX) in europäische Aktien investiert. Kurzfristig ist für das Planvermögen eine höhere Korrelation mit Aktien zu erwarten, langfristig aber mit alternativen Asset-Klassen, so WTW.

 

 

Die Lücke schließt sich

 

In der Summe damit leichte Erholung auch beim Ausfinanzierungsgrad: Die von WTW jährlich durchgeführte Auswertung der Geschäftsberichte hatte per 31. Dezember 2014 noch eine Funding Ratio im DAX von rund 61 Prozent dokumentiert. Die aktuelle GPFW kommt zu dem Schluss, dass der Deckungsgrad für den DAX-Musterplan 2015 um 4,3 Prozent auf 65,4 Prozent gestiegen ist.

 

 

 

 

Zwar lag die Summe aus Zinsaufwand (Verzinsung bestehender Ansprüche) und Dienstzeitaufwand (neu erdiente Ansprüche) im Betrachtungszeitraum über der Summe der Leistungszahlungen, das heißt Pensionsverpflichtungen wurden per Saldo aufgebaut. Doch konnte diese Zunahme durch Änderungen in den Bewertungsparametern mehr als ausgeglichen werden, so WTW. Auch die langfristigen Inflationserwartungen sind im Jahresverlauf 2015 leicht gesunken. Dies führte zu geringfügig niedrigeren erwarteten Leistungsanpassungen und somit einem etwas gesunkenen Verpflichtungsumfang.

 

 

Über die Studie

 

Mehr Einzelheiten zu der WTW-Studie finden sich hier.

 

Der quartalsweisen „German Pension Finance Watch“ liegen Benchmark-Pensionspläne mit unterschiedlichen Ausfinanzierungsgraden zugrunde. Ein Musterplan (100-Prozent-Plan) stützt sich auf ein Szenario, bei dem die Pensionslasten von Unternehmen zum Stichtag 31. Dezember 2003 voll mit extern angelegtem Vermögen unterlegt waren. Zwei weitere Musterpläne (DAX- bzw. MDAX-Plan), deren Zahlen in diesem Beitrag vermeldet werden, zeichnen die durchschnittliche Entwicklung bei Pensionsverpflichtungen und Kapitaldeckung der Unternehmen in dem jeweiligen Börsenindex nach.

 

Die Untersuchung ergänzt die von Willis Towers Watson herausgegebenen Studien zu US-amerikanischen und weltweiten Benchmark- Pensionsplänen sowie zu den Schweizer Pensionsplänen, die ebenfalls quartalsweise erscheinen.

 

 


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