Torsten Fiedler im Interview (I):

„Die ureigene Aufgabe des Vorstandes“

von Martin Aehling, Troisdorf, 2. Juni 2015

 

Bei Anleihen macht er viel selbst. Das starke Banken-Exposure seiner Kasse hat er schon zeitig massiv reduziert. Im Gegenzug ging er in den US-Dollar, in Corporates und vorübergehend auch in Europeripherie-Staatsanleihen; dabei setzt er bevorzugt auf lange Laufzeiten. Mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden – mit Zuständigkeit Geschäftsführung Asset Management – der Pensionskasse HT Troplast VVaG sprach Martin Aehling. Teil I eines zweiteiligen Interviews.

 

 

Herr Fiedler, die Anlageergebnisse Ihrer Pensionskasse sind laut kürzlich veröffentlichtem Geschäftsbericht erfreulich. Das Nettoergebnis aus Kapitalanlagen lag 2014 bei 7,9 Prozent nach 8,1 Prozent im Vorjahr. Mit welcher Anlagepolitik konnten Sie diese Ergebnisse erzielen?

 

Torsten Fiedler PK HT Troplast

Torsten Fiedler
PK HT Troplast

Wir haben zum Beispiel bereits 2013 verstärkt begonnen, Aktien auf US Dollar-Basis zu kaufen. Und im Frühjahr 2014 haben wir uns entschlossen, auch Unternehmensanleihen internationaler Großkonzerne auf US Dollar-Basis zu erwerben. Maßgabe war, bei diesen sehr langfristigen Bonds mit Laufzeiten von teilweise mehr als 20 Jahren hohe Zinserträge einzulocken. Maßgabe war gleichzeitig aber auch, einen gewissen Puffer über die Währung mit hineinzunehmen, um etwaige Kursabschwächungen, die es ja im Verlauf der Zeit durchaus geben kann, auffangen zu können. Das hat in der Folge im Jahr 2014 recht gut funktioniert. Wir haben ein kleines Portfolio von gut 32 Millionen Euro aufgebaut. Die Anleihen haben wir zum Durchschnittskurs von 1,31 Dollar gekauft. Der Währungseffekt war dann so, dass wir am Jahresende 2014 bereits einen Währungspuffer verbuchen konnten.

 

 

 

Haben Sie das Währungsrisiko bei diesen Investments zum Teil gehedgt?

 

Vom Grundprinzip her war das geplant. Wir hatten uns jedoch ganz bewusst entschieden, dieses Portfolio vorerst nicht abzusichern, weil die vermeintlichen Experten wie Deutsche Bank, Goldman Sachs und andere doch erkannt hatten, dass der Euro schwächer wird. Das war auch unsere Auffassung, insbesondere nachdem die Europäische Zentralbank ihr Anleihen-Ankaufprogramm beschlossen hatte. Wir spekulieren allerdings nicht auf einen weiteren Fall des Euro, sondern haben uns vorgenommen, bei einer Dollar-Parität das Währungsrisiko unserer US Dollar-Anleihen schrittweise abzusichern.

 

 

 

Zu welchen Zinsrenditen haben Sie die Dollar-Anleihen denn erworben?

 

Das sind langlaufende Anleihen vor allem von Rohstoff- und Energieunternehmen. Die haben im Durchschnitt einen fixen Kupon oberhalb von 5,5 Prozent. Gekauft haben wir die Anleihen meist unter Pari, so dass die Gesamtrendite im Durchschnitt dieser Wertpapiere oberhalb von sechs Prozent per anno liegt. Das sind Investments, bei denen wir die Absicht hegen, diese vom Grundprinzip her auch bis zum Laufzeitende zu halten. Natürlich wird die weitere Entwicklung zeigen, ob dazu die Notwendigkeit besteht oder ob wir nicht in einigen Jahren die Anleihen dann doch erfolgversprechend wieder veräußern. Falls sich das Renditeniveau im Euroraum spürbar verbessern sollte, würden wir überlegen, uns aus diesem Investment gegebenenfalls auch gänzlich wieder zurückzuziehen.

 

 

 

Was lief nicht den Erwartungen entsprechend?

 

Die Kurse von Anleihen internationaler rohstoff- und energieorientierter Unternehmen, in die wir investieren, sind mit dem Verfall des Ölpreises im vergangenen Jahr unter Druck geraten, haben sich ab Mitte Januar dieses Jahres jedoch wieder erholt. Infolgedessen ist es uns gelungen, geringfügige stille Lasten aus diesem Engagement bis dato fast vollständig abzubauen.

 

 

 

Abgesehen vom laufenden Bond-Management: Welche strategischen Überlegungen waren für Ihr Anleihenportfolio ausschlaggebend?

 

Wir haben uns entschlossen, nach der Finanzmarktkrise 2008/2009 von unserer starken Bankenlastigkeit herunterzukommen. Drei Fünftel unserer festverzinslichen Wertpapiere waren zum damaligen Zeitpunkt Anleihen von Banken, insbesondere Schulscheindarlehen und Namenspapiere, in bestimmten Maße auch Inhaberpapiere. Wir haben uns damals gesagt, dass wir unser Bond-Portfolio künftig stärker auf Anleihen großer Unternehmen im Investmentgrade-Bereich ausrichten wollen.

 

 

 

Wonach beurteilen Sie, welche Unternehmensanleihen infrage kommen?

 

Zum einen nach Ratings. Mit den Jahren ist jedoch hinzugekommen, das wir uns nicht nur auf externe Ratings verlassen, sondern Unternehmen auch intern nach Kriterien wie zum Beispiel Eigenkapitalquote, Cashflows und Geschäftsmodell bewerten. Das liefert uns neben den Ratings und Meinungen von Aktienanalysten wichtige Anhaltspunkte für unsere Anlageentscheidungen. Damit ist es uns gelungen, unser Banken-Exposure seit 2009 auf heute zwei bis drei Prozent zu reduzieren.

 

 

 

Worauf achten Sie noch?

 

Bei unseren Anleiheinvestments großer deutscher und internationaler Unternehmen gehen wir nicht auf kurze Laufzeiten. Maßgabe ist für uns, die Anleihen möglichst längerfristig mit Ziel oberhalb von zehn Jahren zu halten. In der Vergangenheit konnten wir dadurch noch höhere Kupons abgreifen. Gut verzinste Bonds in unserem Bestand haben sich natürlich auch vom Kurs hervorragend entwickelt. Die dadurch aufgebauten stillen Reserven haben wir in den letzten Jahren mitunter auch genutzt, um Ertragspotenziale zu heben.

 

 

 

Welche Portfolioentscheidungen haben Sie bei Staatstiteln getroffen?

 

Als Draghi 2012 nochmals unterstrich, dass die EZB alles Notwendige tun werde, um die Eurozone zu stabilisieren, haben wir zusätzlich Staatsanleihen einiger europäischer Peripherie-Länder gekauft. Einen Anteil von etwa elf Prozent investierten wir in Papiere aus Italien, Spanien und Portugal. 2009 hatten wir bereits lang laufende irische Staatsanleihen erworben. Diese Anlagen haben sich sehr gut entwickelt. Wir konnten auch dort neben der hohen Verzinsung Ertragspotenziale aus den gestiegenen Kursen nutzen. Bis Ende 2014 haben wir einen Großteil der Peripherie-Staatsanleihen wieder verkauft. Anschließend lag nur noch ein kleiner Anteil portugiesischer Titel von nominal sieben Millionen Euro in unserem Bestand. Die gute Kursentwicklung der Portugal-Anleihen und dadurch aufgelaufene stille Reserven haben wir nun im ersten Quartal genutzt, um das Ertragspotenzial für 2015 stabil zu halten. Offenkundig gibt es immer noch viele Investoren, die bei solchen Papieren weiteres Potenzial sehen. Das finde ich gut. Wir haben da keines mehr gesehen. Also realisierten wir die stillen Reserven und investieren das Geld in andere Wertpapiere. Das erschien für uns erfolgversprechender, als auf die letzten Renditepunkte zu warten.

 

 

 

Halten Sie sämtliche Anleihen im Direktbestand?

 

Ja, festverzinsliche Wertpapiere händeln wir ausschließlich selbst. Es ist die ureigene Aufgabe des Vorstandes, sich nicht nur verantwortlich zu zeigen, sondern im Bereich der Kapitalanlagen auch zu handeln. Aber auch wenn wir Assets zur externen Verwaltung geben, bleibt grundsätzlich die Verantwortung beim Vorstand. Wir haben uns schon vor langer Zeit dazu entschlossen, ausschließlich Aktieninvestments an externe Manager zu vergeben.

 

 

 

Ende des ersten Teils des Interviews.

Teil II findet sich hier.

 


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