Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Bonn, 14. August 2015

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Plumpe Nebenkostenerhöhung, LV-LDI und Verzweiflung.

 

 

 

Süddeutsche Zeitung (12. August): „Altersarmut: Rente für alle.“

 

Was denn, der Arbeitnehmerflügel der CDU, die christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA), will allen Ernstes ein bAV-Obligatorium samt verpflichtenden Arbeitgeberbeiträgen einführen, berichtet die Süddeutsche Zeitung?

 

Abgesehen davon, dass sich dann neben weiteren Fragen vor allem die stellt, wer denn in den Genuss dieses dann staatlich zwangszugeführten Neugeschäftes in den Zeiten des Minizinses kommen darf, kann man die bAV kaum auf plumpere Art zu einem reinen zusätzlichen Nebenkostenblock in den Augen von Arbeitgebern und -nehmern degradieren.

 

Eine Zwangs-bAV mit all ihren Folgewirkungen – von Bilanzberührung und Vertriebskosten über Regulierung und Reportingpflichten bis hin zu Nachschusspflichten und Haftungsfragen – würde besonders im derzeit ach so im Fokus stehenden Mittelstand sicher für helle Begeisterung sorgen.

 

 

 

FAZ (12. August): „Folgen des Niedrigzins – Das zweifache Risiko der Lebensversicherung.“

 

Die zerstörerischen Folgen des Niedrigzinses zeugen in vielen Sektoren der Finanz- und Realwirtschaft skurille Fehlallokationen und Zwänge. Bei Investoren aller Art ist das in der Gegenwart vor allem die Wiederanlagefrage, die besonders für VAG-Anleger immer schwerer zu beantworten wird und sie in immer alternativere Asset-Klassen flüchten lässt. Doch die Zukunft ist nicht minder vertrackt, vor allem wegen Abhängigkeiten, die eine Exit-Strategie aus der Niedrigzinspolitik ständig weniger wahrscheinlich machen.

 

Wie die FAZ unter Bezug auf eine Bundesbank-Studie hier ausleuchtet, stellt sich beispielsweise bei den Lebensversicherern bei steigenden Zinsen – so diese denn überhaupt je absehbar sind – dann zwar nicht mehr mehr die Wiederanlagefrage, dafür aber die der dann schrumpfenden stillen Reserven und die der möglicherweise finanzrationalen, ergo flächendeckend kündigenden Kunden (zumindest vom letzteren dürften EbAV zumindest weitestgehend verschont bleiben).

 

Interessant auch die Grafik in dem Beitrag, derzufolge es durchaus zahlreiche Staaten in Europa gibt, deren Lebensversicherer die Duration ihrer Passivseite auf der Aktivseite gehedgt zu haben scheinen – LV-LDI sozusagen.

 

Wiederanlage und der Verlust stiller Reserven sind offenkundige Probleme. Doch vielleicht ist zumindest das Risiko, dass die Versicherten bei einem Zinsanstieg im großen Stil ihre LV-Verträge zurückgeben, ja nicht ganz so groß. Der Artikel setzt sich daher auch mit der Überlegung auseinander, ob es die erwähnte Finanzrationalität der Kunden überhaupt je geben wird (außerdem, so sei hinzugefügt, gibt es im Versicherungswesen nicht umsonst den Begriff des „Stornogewinns“). Wie dem auch sei, auf seine ganz eigene Formel brachte Axel Kleinlein vom BdV die Frage der Finanzrationalität in einer Pressemitteilung:

 

Würden Verbraucher stets so rational handeln wie in der Studie unterstellt, dann gäbe es die Lebensversicherung erst gar nicht.“

 

 

 

Welt.de (12. August): „Der verzweifelte Überlebenskampf der Bausparkassen.“

 

Warum soll es den Bausparkassen auch besser gehen als anderen Kapitalsammelstellen? Und auch hier ist der Niedrigzins nur das eine Problem, wartet doch mit dem eines (fernen) Tages anziehenden Zins schon das nächste. So reihen sich die Bausparkassen ein die zahllosen Strukturen der Finanz- und Realwirtschaft, die durch den Niedrigzins in nachhaltige Mitleidenschaft gezogen werden.

 

 

 

TowersWatson (im August): „Global Pension Finance Watch – Second Quarter 2015.“

 

Zusammenfassung:

 

Benchmark discount rates increased over the quarter in all regions, with the largest increases in the Eurozone, the U.S. and Canada. Portfolio returns, on the other hand, were mostly negative. The discount rate increases were the dominant factor, so that the pension index increased in the second quarter for all regions except the U.K.“

 

 

 

Zeit.de (13. August): „China wertet Währung den dritten Tag in Folge ab.“

 

Nur zwei Anmerkungen zu China:

 

Erstens steht zu befürchten, dass das semi-autoritäre China noch stärker als die halbwegs freiheitlichen Staaten des Westens die Krise nicht als Teil der Gesundung einer überhitzen und fehlallokierten Volkswirtschaft begreifen, die man als reinigende Kraft wirken lassen sollte. Vielmehr dürften die Kommunisten genauso wie die Westeuropäer der Versuchung verfallen, mit dirigistischen Mitteln (also vor allem billigem Geld) die aufgelaufenen Fehlallokationen zu zementieren, damit sich nur ja nichts wirklich ändere, und damit die Krise auf Jahre hinaus, wenn nicht Jahrzehnte zu manifestieren.

 

Zweitens dürfte der Abwertungswettlauf, den China dummerweise nun loszutreten scheint, besonders in Europa – ohnehin längst Gefangener des eigenen Handelns in Sachen Niedrigzins – jede Hoffnung auf einen wenigstens irgendwann in Ansätzen beginnenden Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes noch schwieriger machen als ohnehin schon. Zumindest als faule Ausrede der EZB, einen Ausstieg immer weiter zu verschieben, wird die chinesische Politik herhalten müssen, das unkt Kassandra schon jetzt.

 


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