Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Euskirchen, 15. Mai 2015

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute für die trotz des Brückentages Arbeitenden: Deutschland oder Detroit?

 

 

Sueddeutsche.de (6. Mai): „Betriebsrenten – Die Milliardenlücke.“

 

Die Folgen des Niedrigzinses für die Pensionsverbindlichkeiten der deutschen Unternehmen findet schon länger ihre Weg in die Massenmedien. Ob man dabei immer jeden Gedankengang der Redakteure nachvollziehen kann, sei dahingestellt – im vorliegenden Beitrag geht es um Deckungslücken von IAS-19-Bilanzierern, um ein Aufbohren des Paragrafen 3 Nummer 63 EStG, um das Verhältnis von HGB-Handelsbilanz zur Steuerbilanz und um das BMF-Gutachten.

 

 

 

NZZ (5. Mai): „Lufthansa keucht unter der Last der Altersvorsorge.“

 

Die Abzinsung – sei es nach IAS 19 oder nach HGB – ist letztlich nur eine Krücke zur halbwegs korrekten Abbildung der Realität und hat in ihrer Höhe keinerlei Auswirkung auf die Cashflow-Belastung aus den irgendwann tatsächlich zu zahlenden Renten. Und trotzdem hat sie Folgen für das tatsächliche Geschäft eines Unternehmens, wie die Neue Zürcher Zeitung hier berichtet – bei der Lufthansa mittelbar sogar auf die Finanzierung neuer Maschinen.

 

 

 

FAZ (5. Mai): „Negativzins in der Schweiz – Großanleger wollen ins Bargeld flüchten.“

 

Schweizer Pensionskassen wollen wegen des Niedrigzinses ihre Cashbestände also angeblich in bar horten. Nur: Real gibt es das Geld in den zur Debatte stehenden Größenordnungen ja gar nicht, sondern es ist von den Geschäftsbanken weiland aus dem Nichts geschaffen worden. Abhebungen im großen Stil dürften sie kaum überleben. Das wissen wiederum die Kassen. Insofern gilt für diese prinzipiell: „Wenn schon in Panik geraten, dann bitte als erster.“

 

Ist das nicht lustig? Zu Beginn der Krise drohte der Bankrun, weil zuwenig Geld im Markt war, und jetzt, weil es zuviel ist. Soviel zu Sinn und Verstand europäischer Notenbankpolitik.

 

 

 

Comp & Ben April-Ausgabe: „Variabel vergüten, aber richtig.“

 

Am 21. April ist die Aprilausgabe von Comp & Ben, dem Onlinemagazin für Vergütung erschienen. Themen:

– Titelgeschichte: Variabel vergüten, aber richtig.

– Preisgekrönter LTI-Plan der METRO Group.

– Leadership in der Matrix perfektionieren: ZF Friedrichshafen.

– Erfolge variabel vergüten, wie sie kommen: LANXESS und sein APP-Programm.

 

Comp & Ben ist Kooperationspartner von Leiter-bAV.de.

 

 

 

Towers Watson (13. Mai): „Global Pension Finance Watch — First Quarter 2015.“

 

Auszüge: „First quarter portfolio returns were positive for all regions. The strongest results were seen in the Eurozone (+9.7 %) , the U.K. (+6.4 %) and Canada (+6.2 %). Benchmark discount rates moved down in most regions over the quarter, with the most significant decreases in Canada (3.35%) and the Eurozone (1.45%). The discount rate decreases drove increases in liability values for the fourth quarter in all regions except Brazil and Japan.“

 

 

 

WiWo.de (25. April): „ifo-Präsident Sinn – EZB-Politik untergräbt die Altersvorsorge.“

 

Hans Werner Sinn ist in Deutschland der Mann für die unangenehmen Wahrheiten. Geht es um Rettungsschirme oder um Einwanderung – er schreckt nicht davor zurück, sich auch bei pikanten Themen gegen den Mainstream zu stellen. Hier spießt er (kompletter Beitrag derzeit nur in der WiWo-Printausgabe verfügbar) die Altersvorsorge der Deutschen auf, die wie so viele andere Lebensbereiche respektive Märkte von der EZB-Politik schwersten Verzerrungen unterworfen wird. Und eben diese werden eines Tages der bitteren Realität wieder weichen müssen. Das wird naturgemäß bei den Vermögenswerten diejenigen Anleger betreffen, die derzeit überhaupt über Real Assets betreffen (nun, das ist aus Sicht derjenigen, die hierüber nicht verfügen, allerdings nicht mehr als ein Luxusproblem).

 

Schön auch Sinns Blick auf die Stabilität des Bankensektors und die zugehörige Perspektive, Zitat:

 

Wie bei Vermögensblasen üblich werden die Banken die rechnerische Aufblähung ihres Eigenkapitals für eine kreditfinanzierte Erhöhung der Dividendenausschüttungen nutzen und so ihre tatsächlichen Reserven verbrauchen. […] Sobald die Kurse dann wieder gefallen sind, wird man erkennen, dass vielfach nur leere Hüllen ehemals noch funktionierender Finanzinstitute übrig sind. […] Den Steuerzahlern wird am Ende nichts anderes übrig bleiben, als diesen Instituten mit frischem Geld unter die Arme zu greifen.“

 

 

 

FAZ (13. Mai): „Drohender Bankrott – Wie viel Detroit steckt in Chicago?“

 

Die Frankfurter berichtet über die Finanzsorgen der Stadt Chicago, deren Pensionsfonds für die Beamten um 20 Milliarden USD underfundet sind, und zieht den Vergleich mit der Pleitestadt Detroit. 20 Milliarden USD ungedeckte Beamtenpensionen auf rund 3 Millionen Einwohner? Da hätte die FAZ statt mit Detroit auch den Vergleich mit Deutschland ziehen können. Die Bundesrepublik hat zwar rund 30 Mal soviele Einwohner wie Chicago, dafür beläuft sich das Underfunding der Beamtenpensionen aber auch auf mehrere Billionen Euro.

 

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

Spiegel.de (30. April): „Wechselkursschock – Schweizer Notenbank macht 30 Milliarden Franken Minus.“

 

Die Berichterstattung in deutschen Mainstream-Medien ist zuweilen wirklich bemerkenswert. Zitat aus dem Beitrag:

 

Das Aufwerten der eigenen Währung gegenüber Fremdwährungen hat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einen Milliardenverlust eingebrockt.“

 

30 Milliarden Minus soll die Bank in Q I ausweisen. Grund sei der sogenannte Franken-Schock Mitte Januar. Nach der Abkopplung des Franken vom Euro müsse sie ein Milliardenminus verkraften.

 

Also, es ist die Aufwertung, die zu dem Verlust geführt hat? Das kann man anders sehen. Nicht die Aufwertung, sondern die Tatsache, dass die SNB meinte, mit dem gefragten Franken kubikmeterweise und in Milliardenhöhe den debilen Euro erwerben zu müssen, um milchmädchenrechnend schweizerischen Export zu fördern, ist der Grund des Verlustes, und nicht die Aufwertung an sich. Dass eine Notenbank mit einer starken Währung erhebliche Spielräume gewinnt (siehe nur beispielsweise hier, hier und hier), mit denen sie klüger operieren kann als eben diese starke eigene Währung zu verramschen, scheint man an der SNB nicht vollständig begriffen zu haben, ebensowenig wie die Tatsache, dass man nicht gegen eine EZB mit einem Mario Draghi an der Spitze wettet – denn von dem kann man halten, was man will, aber die tieferen Taschen als die Schweizer hat er allemal.

 

 

 

 



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