Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Berlin, 20. März 2015

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Keine Blüte zu absurd, und Zentralbankgeldmenge < M3.

 

 

 

SRF.ch (12. März): „Negativzins – Bank verweigert Pensionskasse Bargeld-Auszahlung.“

 

Die Manipulation des Zinses – eine der zentralen Größen einer jeden Volkswirtschaft – schädigt nicht nur massiv die geld- und vor allem die realwirtschaftliche Sphäre, verhindert nicht nur den Abbau von Fehlallokationen und bringt nicht nur Versicherer wie Pensions-Bilanzierer um den Verstand, sondern treibt auch bizarrste Blüten des Absurden. In der Schweiz ist man besonders weit: Der negative Einlagenzins bringt nun offenbar erste Kapitalsammelstellen dazu, Bargeld zu horten. Doch hier poppt nun eine Problematik auf, die wohl keiner der Verantwortlichen so recht auf dem Schirm hatte, obwohl er doch zum Stoff für Erstsemester der VWL gehört – nämlich die simple Erkenntnis: Zentralbankgeldmenge < M3. Ergo: Das Bargeld, um auch nur einen kleinen Teil der Deposits an Institutionelle wie an Sparer auszuzahlen, ist schlicht nicht da.

 

Eine Motivation der Art der Krisenbewältigung, wie wir sie heute sehen, war es, Bank Runs zu verhindern (alles ging los damals mit dem Fall Northern Rock). Ist es nicht lustig, das eben diese Politik nun vielleicht eine Art Bank Run von einer ganz anderen Seite her induziert, nämlich dass die Anleger ihr Geld nicht aus Angst vor Bankenzusammenbrüchen abheben, sondern schlicht wegen der Kosten des negativen Einlagenzinses? However, die Bankenzusammenbrüche, die folgen dann danach.

 

 

 

HB (16. März): „Pensionsverpflichtungen – EZB-Zinspolitik bedroht Mittelstand.“

 

Vierteiliger Beitrag im Handelsblatt, in dem eine Problematik thematisiert wird, die derzeit sichtlich an medialer Aufmerksamkeit gewinnt: Insolvenz von deutschen Mittelständlern infolge explodierender Pensionslasten in den Bilanzen. Eskaliert die Situation weiter, kommt möglicherweise ein Tsunami auf die Bundesregierung zu, der zu sehr schnellem Handeln zwingen wird.

 

 

 

WAZ (19. März): „Erfolg vor Gericht für Betriebsrentner von Thyssen-Krupp.“

 

Der „Westen“ bleibt an der Sache offenbar dran, und so findet sie ihren Weg immer wieder auch in die LbAV-Presseschau.

 

Im Schatten des Escape-Urteils hat das BAG hier weitere, allerdings weniger öffentlichkeitswirksame Urteile in Sachen Betriebsrentenanpassung getroffen (und dabei erneut den Rentnern Recht gegeben). Überhaupt hat man gegenwärtig manchmal den Eindruck, dass sich der Dritte Senat derzeit nur noch mit dem 16er zu beschäftigen hat – im April geht’s weiter.

 

 

 

Portfolio International (19. März): „Das eigene Grab geschaufelt?“

 

Körperdaten per Gesundheits-App, Telematik, und weitere Entwicklungen werden wohl folgen. Als gäbe es nicht schon externe Probleme genug: Höhlen die Versicherer nun auch noch ihr ureigenstes Geschäft – das Pooling von Risiken – aus, indem sie selbst die Atomisierung der Versichertengemeinschaften vorantreiben?

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

FAZ (15. März): „Friedensprojekt Euro – Europa der Heuchler.“

 

Diese Krise samt ihrer wenig zukunftsträchtigen Rettungspolitik läuft spätestens seit Mai 2010 – und dabei zunehmend aus dem Ruder. Dass in den etablierten Massenmedien Deutschlands Wahrheiten wie diese hier ausgesprochen werden, ist jedoch nach wie vor die absolute Ausnahme.

 

 

 



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