Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Berlin, 17. April 2015

 

Jeden Freitag – heute erstmalig wieder nach der Osterpause – bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Kein Ausweg – und, ach, das deutsche Wesen…

 

 

FAZ (27. März): „Dax-Unternehmen Betriebsrenten werden immer teurer.“

 

Die FAZ greift die beiden auch hier in einer Presseschau schon kurz behandelten Untersuchungen von Mercer und Towers Watson zum Outside Funding auf. Als eines der wenigen Mainstream-Medien behandelt die Zeitung das Thema regelmäßig fehlerfrei. Die Problematik ist auf unserem Parkett seit Jahren Alltag und bekannt, doch gleichwohl schön-desillusionierend ein Satz aus dem Vorspann des Artikels: „… es gibt keinen Ausweg.“

 

 

 

Versicherungsbote.de (15. April): „Teure Garantien – Standard Life stoppt Rentenversicherung Freelax.“

 

Kleiner Trost für die Unternehmen: Auch so mancher Anbieter scheint angesichts der Verzerrungen des Niedrigzinses keine Lust mehr zu haben.

 

 

 

diepresse.com (3. April): „Was Australier und Schweden besser machen.“

 

Der internationalen Untersuchungen über Zukunftsfestigkeit und Qualität nationaler Pensionssysteme gibt es viele. Diesmal der Nachhaltigkeitsindex der Allianz, und demzufolge sind es Australien, Schweden, Neuseeland und Norwegen, die über die ersten Pensionssysteme der Welt verfügen. Interessantes Zitat aus der österreichischen Zeitung: „In keinem der vier dunkelgrünen Siegerländer schießt der Staat dem System Steuergelder zu.“

 

Für Interessierte findet sich mehr zum australischen Pensionssystem hier, zum schwedischen hier. Nicht uninteressant sicher auch das kanadische System.

 

 

 

Zeit.de (15. April): „Griechenland – Bundesregierung arbeitet an Pleiteplänen ohne Euro-Aus.“

 

Das Sprichwort, dass am deutschen Wesen die Welt (oder zumindest Griechenland) genesen soll, scheint im politischen Berlin geläufiger zu sein als das indianische von dem toten Gaul, von dem man beizeiten besser absteigt. Nun, in jedem Fall würden die in dem Beitrag angedeuteten Maßnahmen, vor allem eine „Sanierung“ der griechischen Banken, das europäische „Weiter so“ in dieser Krise auf ein neues Niveau heben, und die insolvenzverschleppende Durchwurstelei, die auf der Ebene des politischen Diskurses besonders zwischen Berlin und Athen mittlerweile mehr an einen Kindergarten erinnert denn an Staatsmänner und -frauen, ginge in die nächste Runde. Warum auch nicht!? Wenn die Euro-Zone – anders als die sich klüger verhaltenden USA – in den letzten fünf Jahren bei der Bewältigung der Krise keinen echten Schritt weiter gekommen ist, sondern stattdessen Bankenkrise, Staatsschuldenkrise und Niedrigzins unentwirrbar miteinander verwoben hat, warum sollte das dann in den nächsten fünf besser werden?

 

Und die Griechen? Verlieren weiter Generation um Generation. Sprach man mit welchen vor der Wahl, so wollten viele auch als Nicht-Linke gleichwohl für Syriza stimmen, in der Hoffnung, dass es dann zu einem großen Schnitt, zu einem Befreiungsschlag, zu einer echten Wende käme. Nichts davon in Sicht. Stattdessen bekommen die Menschen dort ein Weiter so! in reinster Form, nun aber in pubertärer Verpackung.

 

Und was hat das Ganze, da es nicht unter unter Off Topic steht, mit der bAV zu tun? Viel, nämlich sollte eine solche Strategie tatsächlich Absicht der Bundesregierung sein, und sollte sie tatsächlich Realität werden, dann wird dies dazu führen, dass die bestehenden Probleme und Fehlentwicklungen weiterhin – auf viele neue Jahre hinaus – mit ständig frischem Geld kaschiert werden müssen, ergo der Niedrigzins und die Asset Inflation auch die bAV und ihre Einrichtungen noch noch sehr, sehr lange Zeit begleiten werden. Darauf sollte man sich einstellen.

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

FAZ (10. April): „Schweizerische Notenbank – Wohin nur mit den 500 Milliarden Euro?“

 

Kassandra predigt seit Jahr und Tag – erstmals schon hier dass die Schweiz, so sie denn unbedingt ihren Wechselkurs schwach halten will, mit ihren zu diesem Zweck milliardenfach frisch gedruckten, begehrten Franken im Ausland besser Real Assets kauft, als ihn kubikmeterweise in eine degenerierte Schwachwährung zu tauschen, die dann in ihren Kellern langsam, aber systematisch an Wert verliert (im übertragenen Sinne gilt strategisch das gleiche für Exportweltmeister Deutschland, sollte dieser eines Tages wieder zu einer eigenen Währung zurückkehren, die dann stark aufwerten könnte). Interessant jedenfalls, dass dies auch in der Schweiz nun intensiver diskutiert wird. Wie dem auch sei, eine solche Strategie ist ohnehin nur gangbar für einen souveränen Staat. Ob die Schweiz einen darstellt, ist wohl Auslegungssache. Bei Deutschland nicht (wie bekanntlich der Bundesfinanzminister höchstselbst ausdrücklich vor einiger Zeit betont hat).

 

 

 

FAZ (29. März): „Départementswahlen – Frankreich rückt nach rechts.“

 

Kassandra betont schon seit langem, dass man sich in Berlin auf Nicolas Sarkozy als erneuten Präsidenten Frankreichs einrichten muss: schlicht, weil das der V. Republik zutiefst inhärente Mehrheitswahlrecht die Mitte – und die ist in der derzeitigen Konstellation Mitte-rechts – massiv begünstigt (siehe hier und hier).

 

Die jüngsten Departementswahlen bestätigen diese strategische Gemengelage: Sarkozy muss sich nur an der Spitze der UMP halten und es – ein Kinderspiel – in die Stichwahl der Präsidentenwahl 2017 schaffen. Dann gilt: Sollten es die insuffizienten Sozialisten wider Erwarten ebenfalls schaffen, schlägt er die leicht mit den Stimmen von Rechtsaußen, die nicht links wählen werden. Und umgekehrt: Müsste er – die wahrscheinlichere Variante – gegen den FN antreten, wären ihm die Stimmen der Linken sicher, die analog zu 2002 (als der an sich schwache Jacques Chirac haushoch Le Pen senior schlug) zähneknirschend Mitte-rechts wählen müssen, um Marine Le Pen im Elyseé zu verhindern.

 

Spannend würde die französische Präsidentenwahl, die im europäischen Schicksalsjahr des möglichen Brexits stattfindet, nur dann, wenn Sarkozy scheitern und sich im Finale tatsächlich der FN und die PS gegenüberstehen sollten – denn dann ginge es in Frankreich bis aufs Messer.

 

Nun, es gibt schlimmeres für Berlin, für Europa und auch für Frankreich als Sarkozy. Doch sein Name wird hier von Kassandra nicht mehr genannt werden, ohne zu erwähnen, dass er als Präsident – seinerzeit schlecht beraten – maßgeblich verantwortlich ist für die möglicherweise folgenschwerste Fehlentscheidung Europas nach 1945: den militärischen Sturz Gaddafis massiv forciert zu haben. Resultat ist nicht nur ein Libyen heute am Rande des Failed State, sondern die Eskalation der Destabilisierung des gesamten vor-europäischen Krisenbogens von Mali und Nigeria bis hin nach Syrien und Irak – eine Problematik, die Europa noch um die Ohren fliegen wird. Doch wer Sarkozy kennt, der weiß: Das grämt ihn nicht.

 

 

 


Leiter-bAV
Artikel per Email empfehlen