Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Frankfurt am Main, 20. Februar 2015

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Die verführerische erste Säule…

 

 

Schwaebische.de (10. Februar): „Über die abschlagsfreie Rente oder die Mütterrente streite ich nicht mehr.“

 

Für die bAV wichtigste Passage in dem Interview mit Hubert Seiter, Chef der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, ist das Wiederaufgreifen eines nicht neuen Gedankens, nämlich die Ansiedlung von bAV-Elementen bei der DRV (man erinnere sich auch an die Gedankenspiele um die freiwilligen Zusatzbeiträge in der Amtszeit von der Leyens). Infolge der sicherlich grundsätzlich denkbaren einfachen und schlanken Strukturen ein stets interessanter, gar verführerischer Gedanke. Doch könnte ein solches Projekt ein gefährlicher Prämienwettbewerber der klassischen bAV werden, gar die zweite Säule in der ersten aufgehen und damit verschwinden lassen – ein Schritt in Richtung gefährliche Monokultur. Nein, das ist und bleibt keine Lösung für Deutschland und wird niemals eine sein.

 

Am Rande: Das Loblied auf das Umlagesystem zu singen, fällt angesichts der (geld-)politisch induzierten Marktverzerrungen auf praktisch allen institutionellen Märkten leicht. Doch sei Herrn Seiter zugerufen: Was der Kapitaldeckung der niedrige Zins ist, ist dem Umlagesystem die niedrige Geburtenrate. Und während in the long run der Ausweg aus der Sackgasse des Niedrigzinses zunehmend schwerer wird, so ist er dies aus der der niedrigen Geburtenrate nicht – er ist nämlich schlicht unmöglich. Implizit sprechen Interviewer und Interviewter die Problematik auch selbst an: dort, wo sie über die Verbreiterung der Basis der Beitragszahler fabulieren.

 

 

 

Welt.de (15. Februar): „Zu viel versprochen.“

 

Beitrag in der Welt/Wams, der sich mit den Folgen des Niedrigzinses auseinandersetzt, basierend auf der gestern in LbAV verlinkten TW-Studie zur deutschen bAV-Landschaft. Ausweg laut Welt: „Um den Zinseffekt zu dämpfen, gibt es noch einen Weg: Konzerne können zusätzliches Vermögen aufbauen.“

Stimmt. Nachschießen geht immer.

 

 

 

Der Westen (11. Februar): „Thyssen: Krupp-Rentner hoffen auf satte Betriebsrenten-Nachzahlung.“

 

Die Auseinandersetzung um die mögliche (Un-)Korrektheit der Betriebsrentenanpassung bei Thyssen Krupp Steel läuft schon länger. Hier ein Update zur Lage.

 

 

 

Bild.de (19. Februar): „Zwanziger schwärzt Niersbach bei der Fifa an – Zoff der Fußball-Bosse.“

 

Da sieht man es mal wieder: Die bAV sät nichts als Hass und Zwietracht.

 

 

 

Wirtschaftsblatt.at (11. Februar): „Weltweit mehr als 36 Billionen Dollar in Pensionsfonds angehäuft.“

 

Eine Meldung aus dem Nachbarland, beruhend auf einer TW-Studie. 36 Billionen USD, davon entfallen allein 22 auf die USA. Das sollte Europa zu denken geben, leben doch allein in der EU über 500 Millionen Menschen, verglichen mit knapp 320 Millionen in den USA.

 

 

 

Portfolio Institutionell.de (13. Februar): „Bunkermentalität in der Schweiz – Nur Bares ist Wahres: In der Stunde der Negativzins-Not erinnern sich Schweizer Pensionskassen an Dagobert Duck.“

 

Nochmal ein Nachbarland: Schweizerische Pensionskassen wollen Milliarden an Bargeld einlagern? Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken treibt immer perversere Stilblüten und zwingt Sozialeinrichtungen (und um solche handelt es sich bei Pensionskassen), zunehmend absurdere Strategien zu fahren. Doch als sei das nicht schlimm genug, geht das Problem gleichwohl tiefer: Wer das Währungssystem aushöhlt, der legt die Hand an die Wurzel eines der konstituierenden Elemente einer jeden freiheitlich-demokratischen Grundordnung – nicht mehr und nicht weniger.

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

FAZ (19. Februar): „Staatsanleihen – Dem EZB-Kaufprogramm fehlen die Verkäufer.“

 

Erst mit selbstgedrucktem Geld die Preise an allen Märkten verderben wie die Zinsen auf Niedrigstniveau runterknüppeln und sich dann wundern, wenn die Investoren die paar wenigen Miniprozenter, die sie noch haben, nicht auch noch verkaufen wollen – Mario Draghi scheint ein mit seiner Aufgabe völlig überforderter Mann zu sein, übrigens nicht zum ersten Mal (siehe Presseschau vom 6. Juni 2014).

 

Wie dem auch sei, der smarte Italiener wird schon einen Ausweg finden. Sekundärmarkt ausgetrocknet? Keine Bunds mehr zu haben? Kein Problem, haben wir eben einen guten Grund, nicht nach EZB-Schlüssel, sondern ganz nach eigenem Gusto zu kaufen, also in erster Linie Italiener, Franzosen und Spanier – und diesen Staaten die dafür nötigen Mittel zu schenken (da die gekauften Anleihen faktisch niemals bedient werden), genauso wie auch Griechenland die Rettungsmittel am Ende geschenkt sein werden (richtig ist zwar, dass diese zwar vor allem an Banken geflossen sind, doch sind die ursprünglich ausgeliehenen Gelder vor der Krise sehr wohl in Griechenland verfrühstückt worden). Dass ein deutscher Finanzminister derweil das Stück vom harten Verhandler aufführt, ändert an den Fakten nichts.

 

 

 

HB (19. Februar): „Japans Pensionsfonds bevorzugt Aktien.“

 

Kassandra unkt seit Jahr und Tag: Erstens ist der Fonds in Höhe des Anteils an Staatsanleihen des Staates, der für die Beamtenpensionen ohnehin haftet (verbriefte Form des Umlageverfahrens) überhaupt nicht gefundet, sondern umlagefinanziert, ergo gar nicht so schwer wie stets behauptet. Und wenn zweitens Ministerpräsident Abe dem Fonds einen Strategiewechsel hin zum Kauf von Aktien verordnet hat, kann er das nur, weil er die japanischen Staatsanleihen zur Staatsfinanzierung nun nicht mehr von dem Pensionsfonds, sondern von der Notenbank kaufen lässt – und die druckt das dafür nötige Geld praktischerweise gleich selbst. Drittens lässt allein die bloße Ankündigung (schon im vergangenen September), dass der staatliche Pensionsfonds mehr Aktien kaufen könnte, den japanischen Aktienmarkt haussieren, in eben den der Fonds investieren soll – zu entsprechend höheren Kursen. Haben die Herren schon mal was von Market Impact und Transition Management gehört? Oder geht es ihnen vielleicht gar nicht darum, das Volksvermögen klug und geschickt anzulegen, sondern nur darum, den Fonds zu politischen Zwecken – in dem Fall feste Märkte – zu missbrauchen? Und viertens gilt schließlich ganz grundsätzlich, dass Japan – wie Deutschland eine underfundete und alternde Exportnation – gut daran täte, mit seinen staatlichen Pensionseinrichtungen nicht verkappte Geld-, Fiskal- und Kapitalmarktpolitik zu spielen, sondern Real Assets im Ausland zu erwerben. Denn Auslandsvermögen, das werden die Japaner eines nicht allzu fernen Tages noch brauchen.

 

 

 


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