Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Berlin, 5. Dezember 2014

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: „Dieses Ergebnis ist paradox.“

 

 

BVI.de (3. Dezember): „Betriebliche Altersversorgung – Deutsche für automatische Gehaltsumwandlung.“

 

Knapp 70 Prozent der Bürger begrüßten es, wenn ihnen der Arbeitgeber automatisch einen Betrag vom Gehalt steuer- und sozialabgabenfrei für die Altersvorsorge abziehen würde? „Dieses Ergebnis ist paradox,“ schreibt selbst der Auftraggeber der Studie, der BVI. Das stimmt, es ist paradox, und es ist überraschend nicht minder.

 

 

Bundesregierung.de (2. Dezember): „Gesetzliche Rentenversicherung – Eine 125-jährige Erfolgsgeschichte.“

 

Es muss hier festgehalten werden: Alles, was die Bundesregierung, die Behörden, die Versicherer, die EbAV oder die Sparer oder wer auch immer unternimmt, um die Herausforderungen der Altersversorgung in Säule I, II oder III unter Kontrolle zu halten, ist und bleibt Symptomkosmetik. Denn wenn mit Billionen von Euro (Niedrigzins und Dicke Bertha) und mit marktverzerrenden Patronatserklärungen („Glauben Sie mir, es wird reichen“) nicht nur der Preis des Geldes – der Zins – über Jahre, eher wohl Jahrzehnte hinweg an allen Marktrealitäten vorbei massiv manipuliert wird, sondern damit auch realwirtschaftliche Fehlallokationen zementiert und jede echte ökonomische Weiterentwicklung unterbunden werden, dann ist in the long rund jede Altersversorgung zum Scheitern verurteilt – das muss nicht für jeden einzelnen gelten, für die breite Masse aber allemal. Freilich: Dazu steht in der Jubelmeldung der Bundesregierung nicht ein einziges Wort.

 

 

Spiegel.de (3.12.): „Niedrige Renditen – Garantiezins bei Lebensversicherungen in Gefahr.“

 

Passend zum oben kommentierten hier eine Meldung des Spiegel für die 3. Säule, der klar zeigt, wo die Reise hingeht

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

Die Welt (4. Dezember): „Deutschland ist schuld an Europas Desaster.“

 

Soll man sich mit dem unvermeidlichen Krugman überhaupt noch auseinandersetzen? Es sei ihm schlicht ein Zitat Dieter Nuhrs zugerufen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal…“ Den Rest kennen Sie, oder googlen.

 

 

Manager-Magazin (3. Dezember): „Ukraine bürgert Finanzinvestoren ein – und gibt ihnen zentrale Ministerposten.“

 

Die Entwicklung der Ukraine ist wirklich ganz bemerkenswert. Zunächst einmal Glückwunsch an die Oligarchie, die nun endlich ihren eigenen Staat hat – was natürlich keinesfalls bedeutet, dass die Oligarchen ihr zusammengerafftes Zig-Milliarden-Vermögen nun zur Sanierung und Schuldentilgung eben ihres neuen Staates einsetzen. Im Gegenteil, das überlässt man lieber in erster Linie dem europäischen (vulgo: deutschen) Steuerzahler. Bisher sind immerhin 30 Milliarden USD an westlicher Finanzhilfe zugesagt, und die Ukraine hat bereits verlauten lassen, das dies – leider, leider – nicht ausreiche. Da geht noch was, vermutet man in Kiew wohl nicht zu unrecht.

 

Nun, was ein anständiger Oligarchen-Staat sein will, muss natürlich entsprechend verwaltet werden, schließlich ist man mit diesen Größenordnungen längst institutioneller Player. Das hierzu notwendige ministrable Personal bürgert man einfach fix ein – und die neue Finanzministerin ist praktischerweise auch schon Investorin in der Ukraine.

 

Wer hier vorschnell Kritik übt, dem sei zugerufen: Mit dieser Entwicklung erreicht die Ukraine doch in Riesenschritten die Beitrittsreife zur modernen Juncker-EU von heute. Fehlt nur noch, dass man Kassandra zur Regierungssprecherin macht (Angebote bitte an: редакциoн@лбaв.де).

 

 

FAZ (30.11.): „Frankreich – Sarkozys zweite Chance.“

 

Wirklich nur für die Leser, die sich für die Entwicklungen in der V. Republik interessieren:

 

Kassandra hat bereits im September angekündigt, dass der nächste Präsident der V. Republik Nicolas Sarkozy heißen wird: Zunächst müsse er dazu die UMP hinter sich bringen, hieß es in der Presseschau vom 26. September.

 

Genau diesen ersten Schritt hat er nun geschafft. Und weiter geht’s:

 

Dann gilt es für ihn, die erste Runde der Präsidentenwahl zu überstehen. Gegen die katastrophal abgestürzten Sozialisten auch kein echtes Problem. Ergo wird dann die Stichwahl gegen den FN Marine Le Pens folgen. Und hier sähe man das Déjà-vu, das wir – die älteren Leser werden sich erinnern – schon 2002 beobachten konnten: Damals Jacques Chirac in der Stichwahl gegen Jean-Marie Le Pen, und die Linkswähler mussten zähneknirschend für den strukturkonservativen Chirac stimmen, wollten sie die FN-Republik verhindern. Die Gaullisten siegten damals mit eigentlich sagenhaften 82 Prozent. Dies ist analog für 2017 – dann mit den Protagonisten Nicolas und Marine – ein sehr wahrscheinliches Szenario und gleichzeitig das einzig realistische, in dem es nicht Marine Le Pen ist, die auf dem Stuhl des Präsidenten im Palais de l'Élysée Platz nimmt. Und sollte Sarkozy wider Erwarten doch gegen die Sozialisten in die Stichwahl kommen, siegt er mit den Wechselwählern des FN. Sarkozy weiß genau: Er muss es nur in die Stichwahl, eigentlich muss er es nur an die Spitze der UMP schaffen, dann ist er 2017 wieder im Amt. Deshalb greift er nun zu.“

 

Weiter schrieb Kassandra:

 

Umgekehrt gilt: Sollten Sarkozy respektive die UMP scheitern und tatsächlich der insuffiziente Francois Hollande in die Stichwahl gegen den FN kommen, wird eine französische Staatspräsidentin Marine Le Pen nicht mehr zu verhindern sein – und von einem Tag auf den anderen wäre in der Europäischen Union nichts mehr so wie es jemals war. Übrigens findet aller Voraussicht nach auch das EU-Referendum in Großbritannien 2017 statt – ein wahres Schicksalsjahr für Europa also.“

 

Kassandra hält ihren Tipp für 2017 aufrecht: Sarkozy de nouveau President de la Cinquième République, and UK to leave European Union.

 

Es sei noch hinzugefügt, dass es für Frankreich, Deutschland und Europa schlechtere Lösungen gäbe als Sarkozy. Andererseits darf hier nicht verschwiegen werden, dass Sarkozy – als Präsident seinerzeit schlecht beraten – maßgeblich den militärischen Umsturz Gaddafis vorangetrieben hat. Resultat ist nicht nur ein Libyen heute am Rande des Failed State, sondern die Eskalation der Destabilisierung des gesamten vor-europäischen Krisenbogens von Mali und Nigeria bis hin nach Syrien und Irak. Sarkozy ist damit verantwortlich für die möglicherweise folgenschwerste Fehlentscheidung Europas nach 1945.

 

 



© alle Rechte vorbehalten
Artikel per Email empfehlen