Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Berlin, 26. September 2014

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Die Inflation ist in Brüssel angekommen.

 

 

HB (24. September): „EZB-Chef Draghi – 'Die Zinsen werden niedrig bleiben'.“

Kassandra wird seit Jahr und Tag nicht müde, die Notenbanken als Gefangene des eigenen Handelns zu bezeichnen, die für immer mehr Geld immer weniger Zeit kaufen. Das gilt in erster Linie für die EZB, insofern kommt die (erneute) Ankündigung Draghis nicht überraschend. Der Niedrigzins geht bekanntlich mit einer Manipulation praktisch aller relevanten Märkte in Richtung Asset Inflation einher – seien es Aktien, Real Estate, Alternatives oder vor allen Dingen Bonds. Folge ist, dass für VAG-Anleger und EbAV die Frage der Wiederanlage immer kritischer wird und IAS-19-Bilanzierer über den ständig sinkenden Diskontsatz ihrer Pensionsverpflichtungen unter Druck geraten. Teil der Wahrheit ist übrigens auch, dass jedes halbwegs gesunde Großunternehmen Fremdmittel – beispielsweise zur Ausfinanzierung – zu lächerlich geringen Konditionen am Kapitalmarkt aufnehmen kann; wie im DAX an prominenter Stelle vor einiger Zeit geschehen. Der niedrige Zins hat also eine mehrfach janusköpfige Wirkung auf die Pensionslasten eines Unternehmens.

 

 

N 24 (22. September): „Unkonventionelle Instrumente – Mario Draghi hat den Plan vom Geld.“

Nochmal Draghi. Diese Woche hat er dem Econ des EP in Brüssel Rede und Antwort gestanden. Und die Instrumente erläutert, mit denen er für besagtes immer mehr Geld immer weniger Zeit kaufen will und damit nun auch noch den Markt für Schrottanleihen manipulieren wird (s.o.). Und trotz der offenkundig von ihm verursachten Asset Inflation hat er auch vor dem Econ wieder vor der angeblich zu niedrigen Inflation gewarnt.

Kassandra war diese Woche übrigens auch in Brüssel, allerdings nicht im EP, sondern nur im Starbucks am Flughafen: Ein Mini-Obstsalat und ein belegtes Käsebrot 13 Euro 80. Das war selbst dem Starbucks-Mitarbeiter peinlich, der ungefragt seine Fassungslosigkeit äußerte. Ob Asset Inflation oder Verbraucherpreisinflation – wer nicht sehen will, dass die Inflation längst da ist (und nur durch Statistik, technischen Fortschritt, Basel III und Globalisierung im Zaum gehalten wird), dem ist nicht mehr zu helfen.

 

 

FAZ (24. September): „Pimco im Visier der amerikanischen Börsenaufsicht.“

Hat ja auch keiner behauptet, dass Draghi der einzige sein soll, der Märkte oder Preise manipuliert. Wie dem auch sei, das Pimco-Investment lief für die Allianz jahrelang störungsfrei (was man nicht für alle US-Engagements deutscher Unternehmen sagen kann), doch seit einiger Zeit häufen sich die Friktionen sichtlich.

 

 

Portfolio International (23. September): „Manfred Poweleit verstorben.“

Ein Nachruf von Detlef Pohl auf einen Mann, der als Analyst und Journalist für Jahrzehnte eine feste Instanz im deutschen Versicherungswesen war.

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

RP-online (19. September): „Nicolas Sarkozy steigt wieder in die Politik ein.“

Für alle Leser, die sich für die V. Republik interessieren: Sarkozy ist kein Dummkopf. Selten in der Geschichte der V. Republik dürfte es für einen Bürgerlichen so einfach gewesen sein, Staatspräsident zu werden wie bei der nächsten Wahl 2017: Zunächst muss Sarkozy die UMP hinter sich bringen. Angesichts deren desolater Situation kein allzu schwieriges Unterfangen. Dann gilt es für ihn, die erste Runde der Präsidentenwahl zu überstehen. Gegen die katastrophal abgestürzten Sozialisten auch kein echtes Problem. Ergo wird dann die Stichwahl gegen den FN Marine Le Pens folgen. Und hier sähe man das Déjà-vu, das wir – die älteren Leser werden sich erinnern – schon 2002 beobachten konnten: Damals Jacques Chirac in der Stichwahl gegen Jean-Marie Le Pen, und die Linkswähler mussten zähneknirschend für den strukturkonservativen Chirac stimmen, wollten sie die FN-Republik verhindern. Die Gaullisten siegten damals mit 82 Prozent. Dies ist analog für 2017 – dann mit den Protagonisten Nicolas und Marine – ein sehr wahrscheinliches Szenario und gleichzeitig das einzige realistische, in dem es nicht Marine Le Pen ist, die auf dem Stuhl des Präsidenten im Palais de l'Élysée Platz nimmt. Und sollte Sarkozy wider Erwarten doch gegen die Sozialisten in die Stichwahl kommen, siegt er mit den Wechselwählern des FN. Sarkozy weiß genau: Er muss es nur in die Stichwahl, eigentlich muss er es nur an die Spitze der UMP schaffen, dann ist er 2017 wieder im Amt. Deshalb greift er nun zu.

Umgekehrt gilt: Sollten Sarkozy respektive die UMP scheitern und tatsächlich der insuffiziente Francois Hollande in die Stichwahl gegen den FN kommen, wird eine französische Staatspräsidentin Marine Le Pen nicht mehr zu verhindern sein – und von einem Tag auf den anderen wäre in der Europäischen Union nichts mehr so wie es jemals war. Übrigens findet aller Voraussicht nach auch das EU-Referendum in Großbritannien 2017 statt – ein wahres Schicksalsjahr für Europa also.

 


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