Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 29. August 2014

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Wie bekommt ein Minister eine EbAV dazu, in Infrastruktur zu investieren?

 

 

 

Focus-Money online.de (28. August): „Gabriel lotet mit Finanzbranche mehr Infrastruktur-Investitionen aus.“

 

Der Wirtschaftsminister wünscht mehr Investitionen unter anderem von Pensionseinrichtungen in Infrastruktur? Hierzu drängen sich vor allem zwei Maßnahmen auf, von denen eine problemlos, die andere nur mit gesunder europäischer Härte durchzusetzen wäre. Erstens: bAV-Experten in das Gremium einladen. Die bisher nicht beteiligte aba böte sich an, oder zumindest Pensionskassenvertreter und Pensionsverantwortliche der großen Industrieunternehmen. Schließlich sind EbAV wegen der langen Durations grundsätzlich noch originärere Infrastrukturinvestoren als Lebensversicherer. Zweitens: Good Governance, und das heißt, endlich mal dafür sorgen, dass die ewige Diskussion um ein an Solvency II angelehntes Eigenkapitalregime für EbAV ein für allemal zu den Akten gelegt wird – und zwar glaubhaft. Denn welcher bAV-Verantwortliche investiert schon heute in so etwas Langfristiges und Illiquides wie Infrastruktur, wenn er damit rechnen muss, genau dieses Investment dann in einigen Jahren vielleicht überproportional mit Eigenmitteln unterlegen zu müssen?! Im übrigen täte der Minister gut daran, die in dem Artikel zwei Mal erwähnte Kritik an Deutschland – hier wegen angeblicher Investitionsschwäche – schlicht zu ignorieren. Deutschland steht schließlich immer in der Kritik, wenn irgendwas in Europa nicht so läuft, wie so mancher das gerne hätte. Man kann es nicht mehr hören.

 

 

HB (27. August): „Schlechte Qualität verkauft sich am besten.“

 

Axel Kleinlein – der alte und neue Chef des Bundes der Versicherten – prognostiziert das, was jeder, der das Assekuranz-Parkett mal von innen gesehen hat, schon mehrfach erleben durfte: den Firesales. Grund ist wie so oft erneut der absinkende Rechnungszins. Kleinlein legt den Finger – in Bezug auf die private Vorsorge – in die Wunde.

 

 

DWN.de (26. August): „Für vier Monate im Amt – EU-Kommissare erhalten eine halbe Million Euro.“

 

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Brüsseler Establishment längst jede Bodenhaftung verloren hat, so hat man ihn hier. An die zeitgleich erworbenen Pensionsansprüche will man gar nicht erst denken. Doch Nutznießer des Vorgangs sind nicht nur die vier Kurzzeitkommissare. Es sind auch alle Brüssel-kritischen Parteien Europas.

However, um zu sehen, wie Kurzzeit-Amtsträger fürstlich versorgt werden, dazu muss man nicht bis Brüssel reisen. Das findet man auch im nahen Sachsen, wo der vor einer Wahlniederlage stehende Wirtschaftsminister noch schnell zwei Staatssekretäre zu Beamten auf Lebenszeit ernennt.

 

 

Welt.de (18. August): „Krauss-Maffei Wegmann und Nexter – Deutsch-französische Panzerschmiede geplant.“

 

Eigentlich gehört das hier gar nicht hin. Doch letztlich betrifft das ganze mittelbar auch die bAV, namentlich die der dort Beschäftigten. However, die stete deutsche Bereitschaft, mit den Nachbarn, besonders mit den Franzosen, alles mögliche zu poolen (seien es nun Banken oder Staatsschulden, seien es Industrieunternehmen oder Arbeitslosenversicherung), dürfte Denkende westlich des Rheins regelmäßig Schmunzeln machen. An Siemens ist der Alstom-Kelch zwar noch vorbeigegangen. Doch soll nun das nächste deutsche Technologieunternehmen mit einem halbstaatlichen franzöischen Player verschmolzen werden. Wenn man in diesen Zeiten hört, dass Deutsche und Franzosen sogenannte „Europäische Champions“ schmieden wollen, dann weiß man von vornherein, wer hier am Ende der Dumme ist. Das kann man bei Airbus (mit ein wenig Einblick in das Unternehmen), noch besser aber bei der ehemaligen Hoechst AG betrachten, eine ehemalige Perle der deutschen Industrie, die völlig aufgegangen ist in der heutigen französischen Sanofi. Daher wiederholt Kassandra hier einen ihrer Unkenrufe aus aus einer älteren Presseschau:

Deutschen Industriepolitikern sei zugerufen: Französische Industriepolitiker wissen – ungeachtet aller hausgemachten Probleme Frankreichs – unter dem Gesichtspunkt nationaler Interessen, was sie tun. Ihr nicht.

 

 

Tagesspiegel (27. August): „Ebola-Patient nach Hamburg evakuiert.“

 

Eigentlich gehört auch das hier nicht hin, weil es nun wirklich gar nichts mit der bAV zu tun hat (außer, dass vielleicht beizeiten die Sterbetafeln angepasst werden müssen). Doch da dieses Thema vor ein paar Wochen nun einmal in einer Presseschau auf LbAV aufgegriffen worden ist, soll die aktuelle Entwicklung den Lesern nicht vorenthalten werden. Also: 240 Ärzte, Schwestern und Pfleger sind bereits erkrankt, die Hälfte schon verstorben? Haben die Betreffenden denn nicht in deutschen Massenmedien gelesen, dass Ebola „nicht besonders ansteckend“ sei und man sich „ganz einfach schützen“ könne?

Und heißt das, auch der nun nach Deutschland eingeflogene senegalesische Viren-Experte sei fahrlässig vorgegangen? Wohl kaum.

Abgesehen davon: Da dieser ohnehin nicht experimentell behandelt werden soll, sondern nur mit allgemein unterstützenden Maßnahmen, drängt sich die Frage auf, warum diese Maßnahmen nicht vor Ort gestaltet werden können. Man wird den Eindruck nicht los, dass die europäischen Spezialkliniken aus irgendwelchen Gründen daran interessiert sind, Ebola-Erkrankte zu erhalten.

Wie dem auch sei, seinerzeit hieß auf Seite 1 der FAZ auch: „Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass diese Epidemie in wenigen Wochen ihr Ende finden wird.“ Nun, das sieht das Virus offenbar anders. Und der Prophet in dem Spiel war wohl eher der LbAV-Chronist, der prognostiziert hat, dass Ebola seinen Weg nach Europa finden wird. Nur dass dies gewollt und hochoffiziell vonstatten gehen wird, das hätte sich selbst Kassandra nicht träumen lassen.

 

 

 

 


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