Thank God it's Friday:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Köln, Euskirchen, 28. Juni 2013

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Von der Leyen scheitert wieder, Barnier rudert zurück, und der Rest ist Krise pur.

 

 

Zunächst in eigener Sache:

Über die Sommermonate wird Leiter-bAV.de nur fallweise und mit deutlich geringerer Kadenz erscheinen. Ab September erscheint Leiter-bAV.de dann wieder wie gewohnt mehrmals wöchentlich.

 

HB (27. Juni): „Petitionsausschuss stoppt von der Leyen – Versicherungspflicht für Selbstständige abgelehnt.“

Man könnte auch sagen „Staats-Obligatorium für Selbstständige abgelehnt.“ Wie dem auch sei, Frau von der Leyen scheint sich – zumindest in Sachen Altersversorgung – langsam, aber sicher zur reinen Ankündigungsministerin zu wandeln.

 

 

HB (24. Juni): „Garantiezins für Lebensversicherungen könnte sinken.“

Bei EZB und Banken wird zuweilen mehr oder weniger laut über einen Negativzins nachgedacht. Wenn das so weitergeht, erreichen wir den bei Lebensversicherungen vielleicht ja bald auch? Obwohl: Angesichts der Kosten hat man den nach Abschluss zumeist ohnehin jahrelang.

 

 

FAZ (1. Juni): „Aktive versus passive Fonds – Fondsmanager sind faul.“

Ein schon etwas älterer Beitrag zur viel älteren Gretchenfrage. Des weiteren empfehlen wir zu der Thematik dies Interview.

 

 

Ostthüringer Zeitung (26. Juni): „Wasserversorgung bleibt von EU-Richtlinie ausgenommen.“

Kommt einem irgendwie bekannt vor. Wie bei unserer Pensionsfondsrichtlinie muss er nun in einer weiteren Branche eine Ausnahme bei einem Projekt machen. Irgendwie scheint Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier im Herbst seiner Karriere keinen guten Lauf zu haben. Vielleicht hat er sich aber auch einfach auf die Bankenunion konzentriert (s.u.).

 

 

OFF TOPIC. TO WHOM IT MAY CONCERN:

 

HB (25. Juni): Geldpolitik – Draghi sieht Ausstieg 'in weiter Ferne'.“

Wenigstens ist er ehrlich. Unsere ganze Realwirtschaft, vor allem aber die Staatshaushalte, sind schon dermaßen drogenabhängig von dem Geld der billigen Jahre, dass ein Ausstieg aus QE und Niedrigzinspolitik ohne weiteres überhaupt nicht mehr möglich ist. Die FED musste schließlich erst dieser Tage mitansehen, wie ihre bloßen Worte ganze Märkte wackeln lassen. Wie soll sie da überhaupt noch Taten folgen lassen?

 

 

HB (26. Juni): „Anleihezinsen – Böse Überraschung.“

Das passt zur vorherigen Meldung. Wenn die Zinsen wirklich nachhaltig steigen, könnte man das ja eigentlich als den ersten, lang erhofften Schritt weg vom Krisenmodus und hin zu einer Normalisierung sehen; wichtig nicht zuletzt für IAS-19-Bilanzierer, selbst wenn steigende Zinsen für diese erstmal bilanzielle Verluste bei Langläufern bedeuten. Doch leider ist die Situation vertrackter: Steigende Zinsen sind heute keinesfalls ein Zeichen für Abkehr vom Krisenmodus und Rückkehr in die Normalität, sondern möglicherweise eher Ausfluss der Tatsache, dass die Instrumente der Notenbanken mitten in der Krise zunehmend stumpf werden. Wenn hier Dynamik reinkommt, werden die Notenbanken bald sehr schnell immer größere Summen an frischegedrucktem Geld in die Hand nehmen müssen, wollen sie nicht die Implosion unserer Staatshaushalte riskieren, und je größere Summen sie in die Hand nehmen, desto größer wird die Dynamik und so weiter und so fort…

 

 

HB (26. Juni): „Milliardenverlust droht – Italien wehrt sich gegen Euro-Schummelvorwurf.“

Mit Derivaten gute 8 Milliarden verzockt? Die Italiener müssen ob ihrer „Eliten“ ja noch verzweifelter sein als die Deutschen.

 

 

SZ (22. Juni): „Großbank Barclays soll deutschen Fiskus massiv geschädigt haben.“

Es geht angeblich um 280 Millionen. Abzuwarten, was bei den Prüfungen herauskommt, doch sei vorsorglich auch diese Woche nochmal an das einschlägige BGH-Urteil erinnert: Ab 1 Mio. Euro keine Bewährung mehr! Man sieht schon vor dem geistigen Auge kernige deutsche Staatsanwälte internationale Haftbefehle nach London jagen; englische Banker, die im feinen italienischen Zwirn und deutschem Handschellenstahl die Gangway in Köln-Wahn (militärischer Teil) runtergezerrt werden und Zschäpe-gleich auf der Anklagebank landen; weißhaarige Richter, die hart urteilen, wie das Gesetz es befiehlt… Wer's glaubt…

Am Rande: 2007 ging das Spiel los? Wer war denn da nochmal Finanzminister? Ach ja, der harte Kerl mit der Kavallerie.

 

 

FAZ (24. Juni): „Laiki-Bank – Kritik an EZB-Notkrediten für Pleitebank auf Zypern.“

Was man ohnehin ahnte, ist also passiert: Die marode Bank wurde mit Steuerzahler-Geld über Wasser gehalten, bis die Großanleger sich evakuiert hatten (Übrigens: Professor Hans Werner Sinn, der sich als Mahner in der Wüste viel Gehässigkeit des verantwortlichen Establishments gefallen muss, hatte vor der Brisanz der ELA-Kredite schon lange gewarnt). Hier in dem FAZ-Beitrag sind aber besonders lesenswerte Zitate von Frank Schäffler (FDP) und Professor Bernd Lucke (AfD).

 

 

FAZ (25. Juni): „Verräterische Telefonmitschnitte – Irische Pleitebanker haben den Staat betrogen.“

So so, 7 Milliarden also „aus dem Arsch“ gezogen. Und „Deutschland, Deutschland über alles gesungen“. Schön, dass der ESM jetzt passenderweise auch rückwirkend Altlasten aus der Bankenrettung übernehmen soll. Und derjenige, der genau das für uns mitbeschlossen hat, übt sich derweil mit salbungsvollen Worten im Schöngeistigen (über das Niveau kann man streiten). Man fasst es nicht. Herr, schmeiss Hirn vom Himmel über Deutschland!

Übrigens soll das ganze für die irischen Banker nun ein Nachspiel haben. Sie zittern sicher schon.

 

 

WiWo (27. Juni): „Bankenunion – Deutschland wird bluten.“

Passend zum vorherigen Beitrag hier etwas mehr Licht ins Dunkel um die angebliche Haftungsreihenfolge Aktionär, Gläubiger, Einleger > 100 T, ESM. Wer bei dem Spiel der übliche Depp ist, steht aber schon in der Überschrift.

 

 

Reuters (27. Juni): „Merkel spricht von Solidaritätsfonds in der Euro-Zone.“

Brillante Idee, Frau Merkel. Wieder ein Gremium mehr, in dem Deutschland sich schön überstimmen lassen kann. Tradition verpflichtet.

 

 

Zum schlechten Schluss:

 

Spon (25. Juni): „Angebliche Steuerhinterziehung: Messi soll Fiskus zehn Millionen überwiesen haben.“

Mit ergänzender Steuerklärung 10 Millionen trotz eigener Unschuldsüberzeugung nachgezahlt? Das klingt aber nicht wirklich überzeugend. Trotzdem, er kann froh sein, dass er nicht beim 1. FC Köln spielt oder Präsident von Bayern München ist … Sie wissen schon, BGH-Urteil, keine Bewährung und so, gilt für alle außer Banker, s.o…

 

 

 


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