Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 23. März 2018

Regelmäßig freitags bringt LEITERbAV eine kommentierte Presseschau zur bAV. In den letzten Wochen wurde sie von der Nachrichtendichte verdrängt, doch nun ist Kassandra zurück. Heute: Der Fluch der bösen Tat.

 

 

Der Tagesspiegel (21. März): „Atomkraft als Altersvorsorge – Wie Pensionsrücklagen für Beamte in Kernkraftwerke investiert werden.“

 

Bei den Pensionen seiner Beamten verfährt Deutschland im Wesentlichen so, wie es auch manch deutsches Unternehmen vorzieht: Nicht funden, sondern Zahlungen aus dem Cashflow leisten (hier: aus dem Steuer-Cashflow).

 

Wenn dann aber doch mal gefundet wird, stellt sich prompt die kritische Anlagefrage, hier in Sachen Atomkraft. Eben damit soll nun also Schluss sein. Fragt sich nur: Wohin dann mit dem Geld? Tipp von Kassandra: Einfach so investieren, wie manch Bundesland es für seine Beamtenpensionen tut, zum Beispiel Thüringen. Ist zwar dumm, klingt aber gut.

 

Alternativ können sich die für die Anlage Verantwortlichen Anregungen aus der nächsten Meldung holen.

 

 

FAZ (7. März): „Investition in Atomwaffen – So finanzieren deutsche Banken mit ihren Milliarden die Rüstungskonzerne.“

 

Von dem Thema soll ein jeder halten, was er will, aber manchmal darf man sich auch über die ehrwürdige FAZ wundern, so schreibt die Autorin:

 

…steigerte die DZ Bank ihre finanzielle Unterstützung zur Entwicklung von Atomwaffen von 66 (53) auf 470 Millionen Dollar (378 Millionen Euro). Davon unterstützte sie mit 440 Millionen Dollar (354 Millionen Euro) den amerikanischen Rüstungskonzern Northrop Grumman […] 45 Millionen Euro flossen aus dem Fonds zu der Firma…“

 

Das ist zumindest fragwürdig formuliert. Der Autorin sei zugerufen: Aktien eines Konzerns zu kaufen bzw. ihn finanziell zu unterstützen ist (abseits von Kapitalerhöhungen) nicht das gleiche.

 

 

Frankfurter Rundschau (21. März): „Ausgerechnet Goldman Sachs.“

 

Dass GS-Dtl.Chef Jörk Kukies als Parl. StS ins BMF wechselt, hat auch auf unserem Parkett schnell die Runde gemacht. Und man kann geteilter Meinung sein: Ist es smart, einen Experten aus der Szene in die Regierung zu holen (bei BaFins Felix Hufeld und Frank Grund ist es ja im Prinzip auch nicht anders gewesen), oder hat es ein Geschmäckle, da die Distanz fehlt?

 

Bei der Entscheidungshilfe mag ein Aspekt helfen, den die Frankfurter Rundschau in dem oben verlinkten Beitrag dankenswerter nicht unter den Tisch fallen lässt:

 

Bei dem Steuerskandal mit den Cum-Ex-Geschäften jüngst kam heraus, wie Bankenlobbyisten dem Bundesfinanzministerium ganze Gesetze vorformulierten.“

 

 

Die Welt (27. März): „Die Bundesbank fährt den finanziellen Schutzschild hoch.“

 

Dem Artikel zufolge wappne sich die Bundesbank für die Risiken aus der lockeren Geldpolitik. Immerhin habe sie ihre Risikovorsorge 2017 auf den Rekordwert von 16,4 Milliarden Euro aufgestockt.

 

Diese Kernaussage des Artikels muss man nicht unbedingt teilen. Denn: Null Prozent Hauptrefinanzierungssatz und negative Einlagenfazilität, 1-Billionen-Bazooka, 80 Milliarden QE-Käufe von Govies und Corporates pro Monat, 500-Milliarden-schwere ANFA-Aufkäufe, rund eine Billionen Target-II-Salden et cetera pp mit der Folge einer EZB-Bilanzsumme von über vier Billionen Euro. Inwiefern 16,4 Mrd. Euro hier eine relevante Risikovorsorge darstellen sollen, erschließt sich zumindest Kassandra nicht, und sie unkt weiter:

 

Während die USA – bei allen Problemen, Turbulenzen und Verwerfungen – sich nach der jüngsten Zinserhöhung auf den holprigen Weg machen, auf halbwegs konventioneller Art und Weise aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen (und sich auch wieder ein kleines Zinspolster für künftige Krisen zulegen), muss hier für Euroland erneut festgehalten werden:

 

Dieser konventionelle Weg dürfte Euroland versperrt sein. Angesichts der fiskalischen, realwirtschaftlichen und geopolitischen Lage kann Euroland nach wie vor keinen Deut höhere Zinsen verkraften. Für Euroland gibt es nach Meinung Kassandras nur einen einzigen denkbarenWeg aus dieser Sackgasse, und dieser ist in zwei Teilen in den beiden jüngsten dpn-Sonderausgaben Pensions geschildert (siehe hier und hier).

 

Während es danach aussieht, als verfolge Japan exakt diese Strategie bereits, scheint Mario Draghi weder die US-Politik des schrittweisen Ausstiegs noch die des japanischen Vabanque zu fahren, sondern nach wie vor nur stumpf Geld zu drucken, um bevorzugt die südeuropäischen Krisenstaaten über Wasser zu halten. Nichts Halbes und nichts Ganzes also. Insofern ist die Lage in Euroland im besten Sinne perspektivlos.“

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

Die Welt (22. März): „Seit 2011 wird mir das Leben zur Hölle gemacht.“

 

Das ist bedauerlich, dass Sarkozy das Leben zur Hölle gemacht wird. Bereits vor knapp drei (und auch früher) Jahren schrieb Kassandra an dieser Stelle über ihn:

 

Sein Name wird hier von Kassandra nicht mehr genannt werden, ohne zu erwähnen, dass er als Präsident – seinerzeit schlecht beraten – maßgeblich verantwortlich ist für die möglicherweise folgenschwerste Fehlentscheidung Europas nach 1945: den militärischen Sturz Gaddafis massiv forciert zu haben. Resultat ist nicht nur ein Libyen heute am Rande des Failed State, sondern die Eskalation der Destabilisierung des gesamten vor-europäischen Krisenbogens von Mali und Nigeria bis hin nach Syrien und Irak – eine Problematik, die Europa noch um die Ohren fliegen wird.“

 

Folgt man den Medienberichten, sieht es aus, als könnte das, was Sarkozy maßgeblich mitangerichtet hat, nun zumindest ein klein wenig auf ihn selbst zurückschlagen. Das nennt man wohl Karma. Und hat Sarkozy seinerzeit gar den Libyen-Krieg nur angezettelt, um die eigene Korruptheit zu verschleiern? Sollte dies so sein, erinnert dies irgendwie an Schillers Wallenstein:

 

Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.“

 







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