Kassandra:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Köln am Rhein, 13. Oktober 2017

Regelmäßig Freitags bringt LEITERbAV eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Das nächste Überthema in der bAV?

 

 

FAZ (7. Oktober): „Alle Rentenansprüche auf einen Blick.“

 

Eine zentrale, säulen-, gar grenzübergreifende Renteninformation könnte in ein paar Jahren das nächste Überthema im Pensionswesen werden – sei es auf der europäischen, sei es auf der nationalen Regulierungsebene.

 

Was das für die tief verästelte deutsche bAV darstellte, kann man sich leicht vorstellen. Das illustriert grundsätzlich auch die derzeitige bAV-Reform: nationale Ebene, gut durchdacht, lang geplant – und doch von hochkomplexen Praxisfragen begleitet, deren Beantwortung das Parkett noch lange beschäftigen wird.

 

Die FAZ hat bezüglich der Renteninformation und ihrer Schwierigkeiten in der zweiten Säule auch bei aba-GF Klaus Stiefermann nachgefragt:

 

Die Werte der Anwartschaften seien zu schwer zu vergleichen, ist er überzeugt. Beitragsorientierte Zusagen gegen Leistungszusagen, garantierte Auszahlungen gegen fondsgebundene Anlagen und seit dem neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz auch noch die völlig unverbindliche Zielrente: All das lasse sich nicht in einer Zahl zusammenfassen. Seine Mitglieder seien in Sorge, dass sie in Haftung genommen werden könnten, wenn sie eine scheinbar verbindliche Information ausgegeben hätten.“

 

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

 

Die Welt (12. Oktober): „Die Geldflut der Notenbanken hat fatale Nebenwirkungen.“

 

Hier nochmal ein Artikel in der Welt, der zusammenfasst, was auch an dieser Stelle seit Jahren unablässig beunkt wird:

 

Die Krise, die durch zu billiges Geld und daraus folgende Fehlstrukturen entstanden war, wurde durch noch mehr billiges Geld zu sanieren gesucht, die noch mehr Fehlstrukturen in Finanz- und Realwirtschaft haben entstehen lassen – der sprichwörtliche Alkoholiker sollte mit Schnaps kuriert werden.

 

Ergebnis: Die Notenbanken kaufen der Politik für immer mehr Geld immer teurere Zeit. Doch genau diese Politik nutzt diese teure Zeit nicht für echte Reformen. Sondern nutzt die durch das billige Geld vorgegaukelte Entspannung nur, um weiterzumachen wie bisher. Läppische Regeln werde aufgestellt, nur um bei der kleinsten Friktion wieder umgeworfen zu werden, jüngstes Beispiel ist die Rettung der italienischen Banken.

 

Die jahrelange und weiterhin unabsehbare Insolvenzverschleppung Griechenlands – mit ebenso salbungsvollen wie scheinharten Worten maßgeblich orchestriert von dem unverständlicherweise stets über den grünen Klee gelobten Wolfgang Schäuble – ist hier die prägnanteste und zugleich fatalste Realausprägung dieser „Strategie“.

 

Dass durch das billige Geld in der Politik sowie in Real- und Finanzwirtschaft Fehlstrukturen entstehen, die irgendwann wieder aufgelöst werden müssen, und dass sich der Norden dekapitalisiert, der Süden deindustrialisiert und ein Land wie Griechenland seine Zukunft – auch durch Abwanderung der Besten – für nicht weniger als für immer verspielt, sind die negativen Side-Effects dieser Politik auf der Makro-Ebene. Nicht zu vergessen Verzerrung von Preisen und Märkten aller Art, Zementierung des öffentlichen Reformschlendrians durch Staatsfinanzierung, Setzung falscher Anreize an die Wirtschaftssubjekte, Verquickung von Banken- und Staatskrise, Steigerung der ökonomischen und politischen Fallhöhe sowie Mangel an Exit-Strategien. Auf der Mikro-Ebene sind vor allem die grotesken Umverteilungseffekte von ganz unten nach ganz oben und die Bedienung von Partikularinteressen zu betonen, insbesondere durch die grassierende Asset Inflation. Die Folgen reichen in ihrem Zusammenwirken bis hin zur Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

 

Was tun also? Einfach aussteigen? Unmöglich, erstens wegen der Drogenabhängigkeit der entstandenen und mittlerweile existierenden Fehlstrukturen als auch der schieren QE-Größenordnungen. Siehe nächsten Beitrag.

 

 

WiWo (12. Oktober): „Bundesbank-Präsident Weidmann – 'EZB muss Zinsen rechtzeitig anheben.'“

 

Natürlich weiß Jens Weidmann um die grundsätzliche Problematik. Auch ahnt er offenbar schon seit längerem, dass Deutschland durch Auflösung des Capital Key zum immer Dümmeren in der Euro-Rettung wird.

 

Nutzen wird das alles nichts, denn Weidmann ist im EZB-Rat ebenso isoliert wie er von der Bundesregierung ohne Unterstützung bleibt.

 

Außerdem kann man kann es nicht oft genug betonen: Die Möglichkeit, einigermaßen unbeschadet aus der Politik des billigen Geldes – umgesetzt durch Null Prozent Hauptrefinanzierungssatz und negative Einlagenfazilität, 1-Billionen-Bazooka, 80 Milliarden QE-Käufen von Govies und Corporates pro Monat, 500-Milliarden-schwerem ANFA-Aufkäufen et cetera – auszusteigen, besteht längst nicht mehr. Außerdem würde Europa in seiner gegenwärtigen geostrategischen Gemengelage keinen Deut höhere Zinsen verkraften.

 

Kassandra vertritt ohnehin die These, dass es für einen Exit auf ordnungspolitisch anständige Art und Weise längst zu spät ist. Auf halber Schussfahrt zu wenden, ist nun mal keine Option, zumindest nicht ohne Knochenbrüche. Nun müssen die Notenbanken das Spiel auch zu Ende spielen, koste es, was es wolle (und wen auch immer).

 

 

Der Spiegel (10. Oktober): „Nach hartem Brexit – Großbritannien erwägt angeblich Beitritt zur Nafta.“

 

Ob ein Nafta-Beitritt für Großbritannien eine ernsthafte Alternative darstellt oder es sich hier nur um eine Londoner Nebelkerze handelt, mag dahingestellt sein. Allerdings zeigt es, dass das Land nicht ohne andere potentielle Partner ist. Zu der englischsprachigen Welt, vor allem zu Nordamerika, besteht eine Special Relationship, und auch ein EWR-Beitritt könnte eine zielführende Option sein, die vielleicht beizeiten auf den Tisch kommt.

 

Man stelle sich beispielsweise vor, Frankreich verließe die EU. Im Unterschied zu Großbritannien wäre das Land wirklich allein. Die Optionen der Briten, gepaart mit ihrer strategischen Klugheit, sollte jedenfalls niemand unterschätzen.

 

An der Tatsache, dass Deutschland mit UK in Brüssel nicht zuletzt in der Frage der Pensionsregulierung den wohl wichtigsten Verbündeten verliert, ändert all dies freilich nichts.

 



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