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Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Euskirchen/Köln, 13. September 2013

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Die bAV hat schlechte Presse, und das nicht zu knapp.

 

Die Welt (3. September): „Betriebsrenten – Säule der Altersvorsorge bekommt Risse.“

 

Die Lufthansa-Sache hat in den Medien weite Kreise gezogen. Die bAV hatte demzufolge, aber nicht nur deshalb, in den letzten Tagen reichlich schlechte Presse, der vorliegende Beitrag und die folgenden sind lediglich Beispiele.

 

 

 

WiWo (6. September): Rein rechtlich – Eingriff in Betriebsrenten kaum möglich.“

 

Zitat, über das man streiten kann: „Die Finanzkrise ist längst auch in der Betrieblichen Altersversorgung angekommen.“

 

 

 

Focus.de (11. September): Drastische Lücken bei Pensions-Rücklagen – Lufthansa, VW, ThyssenKrupp: Bei diesen Konzernen wackeln die Betriebsrenten.“

 

Zitat: „…bei den größten börsennotierten Unternehmen sieht es teils düster aus.“ Gemeint ist vorgeblich mangelhaftes Funding. Doch ceteris paribus gilt für jedes Outside Funding: Wenn ein Unternehmen Mittel unwiederbringlich reserviert und sich damit finanzpolitisch einschränkt, nimmt die Insolvenzwahrscheinlichkeit zu! Aber wem sag ich das…

 

 

 

FAZ (7. September): „Provisionen – Die Mogelei der Versicherer.“

 

Hübsches Zitat, sehr förderlich auch für die bAV: „Allfinanzvermittler wie MLP, AWD-Nachfolger Swisslife oder DVAG forderten bis zu sieben Prozent der Beitragssumme für den Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung, Riester-Police oder eines Vertrags zur betrieblichen Altersvorsorge.“ (Anmerkung: „forderten“ hier nicht im Sinne des Präteritums, sondern des Konjunktiv I, also durchaus gegenwärtig).

 

Ganz grundsätzlich: Die Versicherer sollten froh sein, wenn ihnen der Staat – endlich – ein Art gesetzliches „Anti-DreiBuchstabenVetriebe-Kartell“ zimmern würde. Wer einmal einen Versicherer von innen gesehen hat, der weiß, wie so mancher von ihnen von seinen großen Vertriebspartnern regelrecht am Nasenring durch die Manege geführt wird. Dass viele Versicherer sich dem sklavisch unterwerfen, anstatt dies selbst gemeinsam abzublocken, hat möglicherweise auch kartellrechtliche Gründe, liegt aber wohl vor allem daran, dass in der Assekuranz längst oft auch die Vertriebsvorstände das strategische Sagen haben; und die entstammen häufig der gleichen Sphäre wie die Vertriebe selbst – kulturell, intellektuell und pathogenetisch. Eine andere Welt als die des provisionsgetriebenen Vertriebes, in der (fast) nur Volumen gleich um welchen Preis und Stil zählt, kennen einige von denen nicht – und in der wäre für sie ja auch gar kein Platz mehr. Von der Versicherungswirtschaft selbst, einerseits eine der wichtigsten und anspruchsvollsten Industrien einer jeden entwickelten Volkswirtschaft, gleichwohl andererseits nicht unmaßgeblich vom Denken und Handeln der Vetriebsprotagonisten und damit deren Dominatoren geprägt, sollte man sich also nicht allzu starke Selbstreinigungskräfte erhoffen.

 

 

 

Bild.de (7. September): Millionen-Pensionen: Warum kriegen die Bosse so viel Rente?“

 

Auch hier: Nachwirkungen der Berichterstattung von letzter Woche. Und auch hier: schlechte Presse für die bAV.

 

 

 

Die Welt (7. September): „Länder brechen unter Beamten-Pensionen zusammen.“

 

Praktischerweise dazu ein Auszug aus der kommentierten Presseschau vom 15. August:

 

Horst Köhler, gelernter Banker und weiland sicher aus guten Gründen zurückgetretener Bundespräsident, sagte schon 2005, also Jahre vor dem Beginn der Finanzkrise, auf einer Veranstaltung der BDA: „Der aktuelle Schuldenstand (1,4 Billionen Euro) und die Anwartschaften in den Sozialversicherungen (5,7 Billionen Euro) belaufen sich auf insgesamt 7,1 Billionen Euro.“
Nun, seitdem dürfte das ein oder andere Billiönchen hinzugekommen sein.

 

 

 

NZZ (11. September): „Polen demontiert die zweite Säule.“

 

Trost: Auch andere Länder haben in ihren Vorsorgesystemen Probleme, ihre ganz eigenen sogar. Polen hat in dieser Krise allerdings bis dato eigentlich wenig negative Schlagzeilen gemacht. Hier hingegen überrascht nichts mehr.

 

 

 

Finanznachrichten.de (10. September): „'FT': Finanztransaktionssteuer stößt auf rechtliche Probleme.“

 

Gibt es sie noch, die guten Nachrichten?

 

 

 

OFF TOPIC – TO WHOM IT MAY CONCERN

 

 

WiWo (9. September): Schuldenkrise – 'Die Euro-Zone wird in dieser Form keinen Bestand haben.'

 

Lesenswertes Interview mit Frank Schäffler und Max Otte zu mehreren Facetten der Krise. Man wird sehen, ob Schäffler dem nächsten deutschen Bundestag angehören wird – vermutlich nicht – und dann auch, ob es für ihn möglicherweise eine kluge Strategie gewesen wäre, rechtzeitig vor der Wahl mit viel Tam Tam zur AfD überzutreten – vermutlich schon.

 

 

 

WiWo (7. September): „Das Ende des Petro-Dollar.“

 

Kernsatz: „Die USA garantierten den Saudis militärischen Schutz, während die Saudis versprachen, von nun an Öl nur noch gegen Dollar zu verkaufen.“ Der Artikel erläutert ungewöhnlich klar die geostrategische Gemengelage im Nahen Osten, bestehend aus dem Konflikt Schiiten/Sunniten, der Rolle der Saudis, der Protektion des Herrscherhauses durch die USA, der Rolle des Öls und des Dollars sowie die dahinter stehende Historie und Genese aus Zeiten, als Großbritannien noch die Ordnungsmacht am Golf war. Allerdings unterstellt der Beitrag den USA, keine strategische Vision für den Nahen Osten zu haben. Doch, die gibt es, und die lautet Destabilisierung und Zersplitterung des gesamten Krisenbogens von Tunesien mittelfristig bis Pakistan und Zentralasien (und damit über den europäischen Hinterhof hinaus bis an den weichen Süden Russlands und die chinesischen Grenzen heran). Das Dollarsystem wird in der Folge länger erhalten bleiben, als viele denken.

 


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