Thank God it's Friday:

Die kommentierte Presseschau zur bAV

von Pascal Bazzazi, Berlin, 9. August 2013

 

Jeden Freitag bringt Leiter-bAV.de eine kommentierte Presseschau zur bAV. Heute: Stabile Lebensversicherungen, Bankenpleiten und wie immer Zins, Zins, Niedrigzins.

 

Die Welt (9. August): „Diese Lebensversicherungen sind noch stabil.“

 

Falls Sie den DFW Direktversicherung im Haus haben…

 

 

Focus-Money (7. August): „EU-Arbeitspapier zur Einlagensicherung – Bei Bankpleiten gibt es maximal 200 Euro pro Tag.“

 

Ist eigentlich irgendjemandem bekannt, inwieweit institutionelle Anleger, namentlich Einrichtungen der bAV, mit ihren Konten von einer Bankenpleite betroffen wären? Der Versuch von Leiter-bAV.de, dies für den Präzedenzfall Zypern zu ermitteln, ist leider im Rahmen des vertretbaren Aufwandes erfolglos geblieben.

 

 

 

OFF TOPIC. TO WHOM IT MAY CONCERN:

 

Manager-Magazin (31. Juli): „Zugriff aufs Staatskonto – Deutschland droht ESM-Zwangseinzahlung.“

 

Nun, das ist keine wirkliche Überraschung. Doch, so könnte man fragen, wird dieses Gutachten Einfluss auf das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht haben? Auf jeden Fall sollten sich die Verfassungsrichter nochmal ihr eigenes Urteil zum EFSF vom Herbst 2011 ansehen. Denn dort hatten sie entschieden, dass die Haushaltsautonomie des Deutschen Bundestages erhalten bleiben müsse. Aber auf eine Wende zu hoffen, ist wohl Illusion. Denn würde das BVerfG sich an seinen eigenen Kriterien messen, dann hätte es angesichts des eigenen Maastricht-Urteils von 1993 zur Währungsunion schon den EFSF nicht zulassen dürfen. Prognose: Mit der Ja-aber-Rechtsprechung wird es weitergehen, bis zur bitteren Neige…

 

 

FAZ (5. August): „Anlagestrategien: Zwölf ist kaum mehr als sieben.“

 

Viel kann man denken und reden über diverse Diversifikationsstrategien. Doch muss hier nochmal generell festgehalten werden: Kaum etwas fördert Prozyklik und Korrelation so sehr wie der Niedrigzins. Siehe auch den nächsten Beitrag.

 

 

SPON (im August): „Niedrige Zinsen: Finanzinvestoren bürden Firmen Rekordschulden auf.“

 

Die Verirrungen, die die künstliche Niedrigzinsphase in der Realwirtschaft auslöst, sind Legion (und machen den Notenbanken den Exit ständig schwieriger). Dass nun offenbar Firmen den Niedrigzins nutzen, sich massiv zu verschulden, um dieses Geld umgehend auszuschütten, ist nur eine weitere Facette der realwirtschaftlichen Verwerfungen, die eines Tages bitter korrigiert werden müssen.

 

 

Focus-Money (2. August): „Mini-Zinsen der Notenbanken alarmieren IWF.“

 

Danke für die Warnung, lieber IWF. Bei Ihnen scheinen ja echte Schnellmerker am Werk zu sein.

 

 

FAZ (1. August)): „Lockere Geldpolitik lässt Anleger aufatmen.“

 

Wie verfahren die Situation ist, sieht man hier. Die Notenbanken als Gefangene des eigenen Handelns kommen aus der selsbstgestellten Falle, Fehlentwicklungen mit ewig frischem Geld zuzukleistern und damit nicht nur zu manifesterien, sondern auch noch zu verstärken, nicht mehr ohne weiteres heraus. Märkte und Realwirtschaft sind längst drogenabhängig. daher seit Jahren die Kommunikation, dass man beizeiten aus der Politik des lockeren Geldes aussteigen wolle, regelmäßig abgelöst von dem Gegenteil (hier beispielhaft UK).

 

 

Die Welt (1. August): „Schuldenschnitt für Griechen ist unausweichlich.“

 

Zitat: „Alles, was nach Belastungen aussehen und Wähler verschrecken könnte, will sie auf die Zeit nach dem 22. September schieben – sei es die Vollendung der Bankenunion oder die Klärung der Griechenland-Frage. Damit streut die Bundesregierung den Wählern Sand in die Augen.“ Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass es egal ist, wer die Wahl gewinnt.

 

 

FAZ (8. August): „Das Anlagedilemma der Deutschen.“

 

Der Artikel spricht etwas an, was in der interessengeleiteten Diskussion in Deutschland immer viel zu kurz kommt: Jahrzehntelange Exportüberschüsse bedeuten Geschenke an das Ausland zu Lasten des eigenen Lebensstandards, nicht mehr und nicht weniger! Und damit die Leistungsbilanzüberschüsse in der Zahlungsbilanz wieder ausgeglichen werden, müssen besonders in einem gemeinsamen Währungsraum natürlich Kapitalströme her: Target-Salden, Rettungsschirme, aber nicht zuletzt auch kapitale Fehlinvestitionen in Immobilien, Wertpapiere, Schiffe oder sonst was. Doch ich wiederhole: Richtig grotesk wird es erst dann, wenn – und auch das geht in die Statistik als Export ein – feine deutsche Unternehmen von südlichen Playern übernommen werden, die ohne die Rettungsmaßnahmen des deutschen Steuerzahlers und der Target-2-Salden möglicherweise samt ihres krisendeln Mutterstaates längst den Bach runtergegangen wären. So geht beispielsweise auch die Übernahme von Hochtief durch einen spanischen Baukonzern als Export in die Statistik ein. Also: Die Deutschen rühmen sich der Exportweltmeisterschaft, die zustande kommt nicht nur durch die Hergabe deutscher Güter an das Ausland, sondern auch dadurch, dass ausländische Unternehmen die deutsche Industrie aufkaufen – mit Geld,das mittelbar vom deutschen Steuerzahler stammt (und das er vorher mit Güterlieferungen ins Ausland verdient hat).

 

 

Die Welt (8. August): „Die Deutschen werden noch sehr viel zahlen müssen.“

 

Eben. Denn irgendwie muss die Zahlungsbilanz ja ausgeglichen werden (s.o.).

 

 

Die Presse (4. August): Fed: „Deutsche sollen Inflation ertragen.“

 

Die Deutschen sollen Inflation ertragen? Keine Sorge, bisher haben die Deutschen in dieser Krise noch alles klaglos ertragen, und so wird es weitergehen. Gilt übrigens genauso für Österreich.

 


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