575 Milliarden Euro:

Die Deckungsmittel der deutschen bAV 2015

von Pascal Bazzazi, Frankfurt-Hoechst; PdM, 3. Juli 2017

Wie jedes Jahr um diese Zeit hat Joachim Schwind die Verteilung der Deckungsmittel in der bAV für das vorvergangene Jahr ermittelt. Der Zuwachs liegt bei knapp 18 Milliarden Euro, entsprechend 3,2 Prozent.

 

Die Deckungsmittel in der deutschen bAV haben auch 2015 weiter zugelegt und summierten sich zum Jahresende 2015 auf 575 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 3,2% gegenüber 2014.

Quelle: Joachim Schwind. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Die Deckungsmittel für Direktzusagen haben 2015 gegenüber dem Vorjahr um rund 1,8% zugelegt und erreichten Ende 2015 auf rund 290,3 Milliarden Euro, davon entfielen rund 161 Milliarden Euro auf laufende Renten und rund 129 Milliarden Euro auf gesetzlich unverfallbare Anwartschaften. Damit vereint die Direktzusage auch 2015 ca. 50,4% der gesamten Deckungsmittel auf sich und bleibt so mit großem Abstand der bedeutendste Durchführungsweg. Rund 7,8 Millionen Versorgungsberechtigte verfügen über eine Direktzusage, die durch den PSV gesetzlich gegen die Insolvenz des Arbeitgebers geschützt ist.

 

Man beachte bei der Direktzusage, dass ihre Größenordnung – je nachdem, ob nach Steuer-, Handels- oder IFRS-Bilanz betrachtet – maßgeblich vom gewählten Diskontsatz abhängt.

 

Im Durchführungsweg Pensionskasse stiegen die Deckungsmittel gegenüber dem Vorjahr von rund 143,3 auf rund 152,2 Milliarden Euro an, entsprechend einem Zuwachs von rund 6,2%. Insgesamt waren 2015 rund 7,3 Millionen Anwärter und 1,2 Millionen Versorgungsempfänger bei Pensionskassen versichert. Der Anteil der PK-Deckungsmittel liegt bei rund 26,5%, das ist leicht mehr als im Vorjahr.

Quelle: Joachim Schwind. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Im Durchführungsweg Direktversicherung legten die Deckungsmittel 2015 um rund 2,2% auf ca. 61,3 Milliarden Euro zu. Der Anteil an den gesamten Deckungsmitteln liegt mit rund 10,7% in etwa auf Vorjahresniveau.

 

Die Deckungsmittel in den Unterstützungskassen stiegen 2015 von rund 37,8 Milliarden Euro auf rund 38,6 Milliarden Euro und damit um rund 2,1% an. Ihr Anteil an den gesamten Deckungsmitteln liegt bei rund 6,7%.

 

Schließlich der Pensionsfonds: Der jüngste und weiterhin kleinste Durchführungsweg verzeichnete mit 6,2% gegenüber dem Vorjahr das stärkste Wachstum. Die Deckungsmittel erreichten Ende 2015 nun 32,6 Milliarden Euro, entsprechend einem Anteil von rund 5,7% an den gesamten Deckungsmitteln der bAV. Rund 603.000 Anwärter (Vorjahr: 581.000 Anwärter) und rund 293.000 Rentner (Vorjahr: 291.000 Rentner) sind Versorgungsberechtigte im Durchführungsweg Pensionsfonds.“

Quelle: Joachim Schwind. Grafik zur Volldarstellung anklicken.

 

Neben eigener Recherche greift Schwind, Chef der Hoechster Pensionskasse, zur Ermittlung der Daten regelmäßig auf Veröffentlichungen der BaFin, des GDV und des PSV zurück. 1)

 

 

Bilanzsumme versus Kapitalanlagen

 

Auch für Stand Ende 2016 sind die Zahlen bereits teilweise verfügbar: Laut BaFin-Jahresbericht lagen in den beaufsichtigten Pensionskassen zum Stichtag 31. Dezember 2016 Assets in Höhe von 155,1 Milliarden Euro zu (Vorjahr: 148,2). Das entspricht einem Wachstum von circa 5,0%.

 

In sämtlichen Kapitalanlagen hatten die Pensionskassen zum Ende 2016 nach vorläufigen Angaben stille Reserven in Höhe von ca. 24,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 21,6) vorzuweisen. Dies entspricht ca. 15,5% der gesamten Kapitalanlagen (Vorjahr: 14,6%). Die stillen Lasten sind mit insgesamt 0,4% vernachlässigbar, so die BaFin.

 

Zulegend wieder die Beitragseinnahmen: Laut Prognoserechnung zum Bilanzstichtag 2016 summierten sich die Beitragseinnahmen aller Pensionskassen 2016 auf etwa 6,7 Milliarden Euro und erhöhten sich damit zum Vorjahr um ca. 1,5%. Im Jahr 2015 waren sie noch um 1,6% gesunken.

 

Allerdings: Bei den seit 2002 neu gegründeten Wettbewerbs-Pensionskassen sanken die Beitragseinnahmen leicht auf ca. 2,6 Milliarden Euro. Bei den vorwiegend von Arbeitgebern finanzierten VVaG, in denen die Entwicklung der Beitragseinnahmen vom Personalbestand der Trägerunternehmens abhängt, beliefen sich auf ca. 4,1 Milliarden nach 3,9 Milliarden Euro im Vorjahr, berichtet die Anstalt.

 

Neue Dynamik 2016 offenbar auch bei den Pensionsfonds (bei denen die Entwicklung wegen der häufigen Einmalzahlungen stets volatiler ist):

 

Die Zahl der Versorgungsberechtigten stieg 2016 auf insgesamt 917.632 gegenüber 889.247 im Vorjahr. Davon waren 579.943 Anwärter aus beitragsbezogenen Pensionsplänen und 42.646 Anwärter aus leistungsbezogenen Pensionsplänen.

 

Die Höhe der für Rechnung und Risiko von Arbeitnehmern und Arbeitgebern verwalteten Kapitalanlagen erhöhte sich 2016 nur leicht von ca. 29,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 31,7 Milliarden Euro. Die Kapitalanlagen für Rechnung und Risiko der Pensionsfonds erhöhten sich zeitgleich von 2,19 Milliarden auf 2,44 Milliarden Euro.

 

Zum 31. Dezember 2016 summierten sich die saldierten stillen Reserven in den Kapitalanlagen der Pensionsfonds auf rund 168,1 Millionen Euro (Vorjahr: 127,5).

 

Kleinere Diskrepanzen zwischen den Schwind-Zahlen und den Angaben der BaFin ergeben sich regelmäßig bspw. bezüglich der Assets daraus, dass Schwind bei Pensionskassen wie -fonds auf die Bilanzsummen abstellt, die BaFin dagegen nur die reinen Kapitalanlagen betrachtet.

 

Im Übrigen sei betont, dass in dieser Betrachtung die die Zusatzversorgungskassen fehlen.

 

Mehr zu den Größenordnungen des europäischen Pensionswesens in Kürze auf LEITERbAV.

 

 

 

FN 1) s. auch den Aufsatz „Die Deckungsmittel der betrieblichen Altersversorgung in 2015“ in der BetrAV 04/2017 vom 15. Juni 2017, Seite 349ff.



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