Karsten Weber im Interview:

Der steinigen Weg der Diversifikation gegangen

von Pascal Bazzazi, Berlin; München, 28. März 2018

Einen Anlagenotstand sieht Karsten Weber nicht, und den Rechnungszins hält er auch im schwierigen Umfeld für erzielbar. Mit dem Kapitalanlagevorstand der COOP-Pensionskasse sprach für die dpn Pascal Bazzazi.

 

Immobilien und Infrastruktur sind zwei Asset-Klassen, die er schätzt. Um hier zu signifikanten Anteilen in der Asset Allocation zu kommen, hat seine Kasse „einen steinigen Weg der Diversifikation hinter sich“, erläutert Karsten Weber. Noch 2009 war die Pensionskasse der Genossenschaftsorganisation VVaG, wie sie richtig heißt und deren Kapitalanlagevorstand Weber ist, nur in wenigen Sektoren investiert. 85 Prozent Zinsträger, und in „spannenderen“ Asset-Klassen – wie beispielsweise Alternatives, hatte die meist kurz COOP-PK genannte Kasse kein oder nur geringes Engagement.

 

Das hat sich geändert. „Mittlerweile haben wir uns sehr breit aufgestellt, unsere Vermögensstruktur hat mit der von 2009 nur noch wenig gemein“, so Weber jüngst im Gespräch mit der dpn Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Es sei früh gelungen, Gremien und betroffene Mitarbeiter für das Niedrigzinsumfeld und die damit einhergehenden Schwierigkeiten zu sensibilisieren. „Ich war mir sicher, dass sehr schnell über einen langen Zeitraum mit 08/15-Investments nicht mehr ausreichend Geld zu verdienen ist. Wir hatten zwar schon immer eine im Verhältnis zu anderen Einrichtungen höhere Immobilienquote, 2009 immerhin rund fünf Prozent. Mittlerweile liegen wir aber an der Grenze des aufsichtsrechtlich Möglichen“, zieht Weber Bilanz. Heute sei man in fast allen zulässigen Asset-Klassen vertreten – außer Aktien. „Das heißt aber nicht, dass wir kein Aktienexposure haben, sondern wir generieren ein solches über eine erfolgreiche Wandelanleihenstrategie, die mehr unseren Risikopräferenzen entspricht. Der Anteil liegt aber bei unter fünf Prozent.“

 

 

Ziel Rechnungszins 2,75 Prozent

 

Im Geschäftsjahr 2017 hat die COOP-Pensionskasse eine Bruttorendite von deutlich über fünf Prozent und eine Nettorendite von rund 4,5 Prozent erwirtschaften können. „Wir benötigen aktuell passivseitig etwas über drei Prozent. Wir wollen jedoch die Passivseite so weit anpassen, dass wir im Schnitt einen Wert von 2,75 Prozent als Rechnungszins erreichen.“ Diese Anforderung hält Weber dauerhaft auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld für erwirtschaftbar: „Unsere strategische Asset Allocation mit hohem Sachwertanteil hat sich gut bewährt und uns einen komfortablen Sicherheitspuffer verschafft.“

 

Vorliebe für soziale Infrastruktur

 

In den Alternatives bevorzugt Weber besonders Infrastruktur, und hier gerade soziale Infrastruktur, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen et cetera. „Unsere Renditen liegen hier immer noch deutlich über den Anforderungen der Passivseite“, so Weber. Im Rahmen von Investments solcher Komplexität sei es aber unerlässlich, strategische Partnerschaften einzugehen, das betreffe insbesondere das Risikomanagement. Rohstoffe und Nahrungsmittel klammert Weber aus ethischen Gründen aus.

 

Weber sieht für sein Haus zumindest für die nächsten zwei Jahre keinen Anlagenotstand, und er ist zuversichtlich, dass es auch danach keinen geben wird. Die Suche nach geeigneten Investments sei unbestritten anspruchsvoller geworden, aber man habe an Expertise zugelegt.

 

 

Nicht verschlossen sein

 

Auf die Frage, ob die COOP-PK sich im Sozialpartnermodell engagieren werde, erklärte Weber, dass der diesbezügliche Konsolidierungsprozess im Vorstand noch nicht abgeschlossen sei. Jedoch werde man sich als Versorgungseinrichtung von rund 500 genossenschaftlichen Arbeitgebern in ganz Deutschland diesen und insbesondere deren zig Tausenden Beschäftigten gegenüber entsprechenden Wünschen und Erwartungen nicht verschließen.

 

Das gesamte Interview findet sich als pdf hinter dem Foto und ist als Print in der aktuellen Ausgabe der dpn deutsche Pensions- und Investmentnachrichten, Ausgabe Februar/März 2018.

 

Übrigens hat die COOP-PK zwischenzeitlich weitere erste Details zu ihrem Geschäftsjahr 2017 bekanntgegeben. Demnach ist die Bilanzsumme ist um nahezu 5 Prozent auf 484 Mio. Euro angestiegen, und die Kasse hat den Angaben zufolge einen herausragend hohen Überschuss erwirtschaftet. Die vereinnahmten Prämien lagen demnach bei rund 18,7 Mio. Euro. Auch hier war im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg zu verzeichnen. Wie die Kasse erklärt, hebt sie sich damit vom Branchendurchschnitt ab, da der GDV für die ihm beigetretenen Pensionskassen bislang insgesamt einen Beitragsrückgang gemeldet hat.

 

Die Verzinsung der Vermögensanlagen der Kasse lag wie im Interview erwähnt in einer Bandbreite von rund 4,5 Prozent netto bis mehr als 5 Prozent brutto. Im Vorjahr haben genossenschaftliche Unternehmen fast 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der COOP-Pensionskasse neu versichert. Somit ist auch der Mitgliederzugang stabil auf einem hohen Niveau.







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