Die BaFin zu Pensionsfonds:

Beyond Stresstest

von Pascal Bazzazi, Berlin, 27. Mai 2014

 

Letzte Woche hat Leiter-bAV.de über die Kernfragen für Pensionskassen berichtet, welche die BaFin in ihrem Jahresbericht 2013 behandelt. Nicht minder aufmerksam hat sich die Aufsicht dort den Pensionsfonds gewidmet.

 

Anders als Pensionskassen (siehe Beiträge hier und hier) werden Pensionsfonds nicht dem BaFin-Stresstest unterworfen. Grund ist, dass der weitaus größte Teil des deutschen Pensionsfondsmarktes nicht-versicherungsförmig strukturiert ist und daher der Erkenntnisgewinn bei dem kleinen versicherungsförmigen Teil des Marktes vermutlich in keinem Verhältnis zum Aufwand stünde. Andere Aspekte gilt es für die Anstalt sehr wohl zu beobachten, im Einzelnen:

 

 

Geschäftsentwicklung mit deutlichem Rückgang

 

Die Pensionsfonds verbuchten im Berichtsjahr laut BaFin Brutto-Beiträge in Höhe von 742 Millionen Euro. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr (831 Millionen Euro). Allerdings muss das nicht allzuviel heißen. Denn die Schwankungen der Beitragseinnahmen lassen sich insbesondere darauf zurückführen, dass bei Pensionsfonds je nach Art der Zusage die Beiträge häufig als Einmalbeiträge geleistet werden. Gewisse Dynamik dagegen bei den Berechtigten: Die Zahl der Versorgungsberechtigten stieg im Berichtsjahr auf insgesamt 927.240 (Vorjahr: 908.184), davon waren circa 598.000 Anwärter aus beitragsbezogenen und gut 40.000 Anwärter aus leistungsbezogenen Pensionsplänen, weiß die Anstalt. Wenig überraschend: Bei den in den Vorjahren neu zugelassenen Pensionsfonds überwogen Pensionspläne mit nicht-versicherungsförmiger Leistungszusage gemäß Paragraf 112 Absatz 1a VAG. Die Aufwendungen für Versorgungsfälle sanken im Berichtsjahr von 1.563 Millionen Euro auf 1.280 Millionen Euro. Diese Aufwendungen verteilten sich auf rund 290.000 Personen, die diese Versorgungsleistungen bezogen haben.

 

 

Kapitalanlagen legen weiter zu

 

Insgesamt lagen zum Stichtag 31. Dezember 2013 in deutschen Pensionsfonds Assets in Höhe von 28,2 Milliarden Euro. Die Kapitalanlagen für Rechnung und Risiko der Pensionsfonds erhöhten sich dabei der BaFin zufolge im Berichtsjahr von 1.372 Millionen Euro auf 1.602 Millionen Euro. Dies entspricht einem Zuwachs der Kapitalanlagen von 16,8 Prozent (Vorjahr: +15,4 Prozent). Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2013 betrugen die saldierten stillen Reserven in den Kapitalanlagen der Pensionsfonds rund 42 Millionen Euro. Die Lage ist offenbar recht stabil:

 

„Alle 31 Pensionsfonds, die im Berichtsjahr 2013 unter der Aufsicht der BaFin standen, konnten ihre pensionsfondstechnischen Rückstellungen vollständig bedecken“, so die BaFin in ihrem Jahresbericht.

 

Die Höhe der für Rechnung und Risiko von Arbeitnehmern und Arbeitgebern verwalteten Kapitalanlagen veränderte sich im Berichtsjahr 2013 nur leicht von 26,5 im Vorjahr auf circa 26,6 Milliarden Euro. Diese Kapitalanlagen bestanden laut BaFin zu etwa 92,2 Prozent aus Investmentanteilen. Die Bewertung dieser Kapitalanlagen erfolgte gemäß Paragraf 341 Absatz 4 Handelsgesetzbuch zum Zeitwert. Die pensionsfondstechnischen Rückstellungen für Rechnung und Risiko von Arbeitnehmern und Arbeitgebern werden retrospektiv entsprechend dem Vermögen für Rechnung und Risiko von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gebildet. Die bilanzielle Bedeckung dieser pensionsfondstechnischen Rückstellungen ist daher, wie die Anstalt erläutert, stets gewährleistet.

 

 

Stresstests nein – Prognoserechnungen ja

 

Im Berichtsjahr 2013 führte die BaFin zum Stichtag 30. September 2013 bei allen 31 Pensionsfonds eine erweiterte Prognoserechnung durch. Der Beobachtungszeitraum der Prognoserechnung ist von der Aufsicht dabei auf fünf Jahre (laufendes Geschäftsjahr plus vier Folgejahre) erweitert worden. Um die Komplexität zu begrenzen, wurden die Ergebnisse für das laufende Geschäftsjahr nur in einem Szenario fortgesetzt. Das Ziel der Erweiterung der Prognoserechnung war die bessere Beurteilung der mittelfristigen Erfüllbarkeit von Garantien und die Entwicklung der Solvabilität vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsphase, schreibt die Anstalt. Im Fokus der Abfrage standen laut Jahresbericht insbesondere das erwartete Geschäftsergebnis, die erwartete Solvabilität sowie die erwarteten Bewertungsreserven zum Ende des laufenden Geschäftsjahres. Als Szenarien gab die BaFin die Kapitalmarktsituation zum Erhebungsstichtag und ein negatives Aktienszenario mit einem Kursrückgang von 20 Prozent vor. Ferner ließ sie Szenarien rechnen, welche die beiden zuvor genannten Szenarien jeweils mit einem Anstieg der Zinsstrukturkurve um 50 Basispunkte kombinierten. Auch hier kein akuter Alarm: Die Auswertung der Prognoserechnungen zeigte, dass die 31 einbezogenen Pensionsfonds die unterstellten Szenarien wirtschaftlich tragen könnten. Laut der Prognoserechnung im Berichtsjahr verfügten sämtliche beaufsichtigte Pensionsfonds über genügend freie unbelastete Eigenmittel und erfüllten somit die Solvabilitätsanforderungen.

 

Der Jahresbericht 2013 der BaFin findet sich hier.

 

 


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