Kein Stühlerücken in Frankfurt:

Bernardino zum Zweiten

von Pascal Bazzazi, London, 5. Oktober 2015

 

Wenn nicht gerade etwas Aussergewöhnliches vorgefallen ist, dann werden die Amtszeiten von Führungskräften in den Gremien und Behörden der Europäischen Union regelmäßig umstandslos verlängert. So auch in der EIOPA.

 

Gabriel Rodrigo Ribeiro Tavares Bernardino heißt der alte und neue Chef der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA). Das Board of Supervisors der EIOPA hat sich Ende September für eine zweite Amtszeit des Portugiesen entschieden, die 2016 bis 2021 laufen wird. Die Ernennung bedarf noch der Bestätigung des Europäischen Parlaments. Dabei dürfte es sich jedoch um eine Formalität handeln.

 

Der 1964 in Lissabon geborene Bernardino ist Mathematiker und Aktuar und wurde in der portugiesischen Versicherungsaufsicht sozialisiert. Das europäische Parkett betrat er 2009, als er als Nachfolger des heutigen BMF-Staatssekretärs und damaligen Chefs der BaFin-Versicherungsaufsicht, Thomas Steffen, zum Chairman des EIOPA-Vorgängergremiums CEIOPS (Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors) berufen wurde. Nahtlos daran schloss sich seine Berufung zum ersten Chairman der 2011 neugegründeten EIOPA an.

 

Gabriel Bernardino, Chairman EIOPA.

Gabriel Bernardino, Chairman EIOPA.

 

In den Jahren seit 2009 hat der im Gespräch umgängliche und larmoyante Bernardino sichtlich an Selbstbewusstsein zugelegt. Seine Reden hält er regelmäßig im strengen Brustton europäischer Fundamentalüberzeugung. Calls for Advice, Materialschlachten ungeahnten Ausmaßes, ein HBS-Ansatz aus eigenem Antrieb, QIS, QA und Stresstest, Ärger um die Besetzung der Stakeholder-Gruppen… die Liste der Irritationen, welche seine Behörde in den letzten fünf Jahren im Pensionswesen verursacht hat, ist lang.

 

Allerdings hatte er mit dem seinerzeitigen Binnenmarktkommissar Michel Barnier auch viele Jahre eine Direktion im Rücken, die politisch offenbar auf seiner Linie lag. Kein Blatt Papier schien zwischen Kommissariat und Behörde zu passen, so sah es aus. Doch seit auch die EIOPA dem Finanzmarktkommissar Jonathan Hill zugeordnet ist, der als Brite schon qua Herkunft weniger zentralistisch sozialisiert ist als der Franzose Barnier, kann man den Endruck gewinnen, dass sich Bernardinos EIOPA einerseits auf leiseren Sohlen bewegt, andererseits auch ohne Rückendeckung der Kommission an dem HBS weiterarbeitet. Wie dem auch sei, der Umgang mit den vor der Tür stehenden Ergebnissen von QA und Stresstest dürfte jedenfalls aufschlussreich werden.

 

Das Prinzip der umstandslosen Verlängerung von Amtszeiten hat übrigens jüngst auf der zweiten Ebene der EIOPA nicht gegriffen. Dazu in Kürze mehr auf LbAV.

 


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